Portikus „wandert“ zurück

Alte Bäume soll man nicht verpflanzen, bei einem Bauwerk wird jeder sagen, dass geht doch gar nicht. Doch es geht, das wurde Freitagmittag eindrucksvoll am Bayrischen Bahnhof in Leipzig bewiesen:

Hier trat nach mehr als drei Jahren der Portikus seine Heimreise an.

Sie soll ganz am Ende zu Bruch gehen, dann wenn der Portikus nach mehr als 30 Metern an seinem Ziel ist. Doch bis dahin ist der Weg, gefühlt zumindest, weiter als diese 30 Meter. Bis zum letzten Augenblick hat Kaspar Bartl mit seinem Team zu tun, damit sie das knapp 3.000 Tonnen schwere Bauwerk ohne Schäden von B zurück nach A verschieben können.

Vor drei Jahren wurde er wegen des City-Tunnel-Baus von seinem angestammten Platz wegbewegt worden. Für die Spezialisten der Bau-ausführenden Firma zwar Tagesgeschäft, aber trotzdem etwas Besonderes.

Interview: Kaspar Bartl – Verschub- und Hebetechnik GmbH

Pünktlich wurde dann 13 Uhr der Knopf gedrückt und damit gab es das Startsignal für den Verschub, der ja eigentlich ein Ziehen ist. Und wenn man ganz genau hinschaute, sah man die Bewegung auch, da kommt selbst der Leipziger Oberbürgermeister ins Staunen.

Interview: Burkhard Jung – Leipziger Oberbürgermeister

166 Jahre alt ist das Tor, das ein zweites Mal auf Reisen ging, zurück an seinen alten Platz neben der ehemaligen Bahnhofshalle. Der Zeitplan ist trotzdem eng gestrickt, der sieht sechs Stunden für die etwas mehr als 30 Meter vor. Aber selbst wenn es etwas länger dauern sollte, ist das für die Männer vor Ort kein Problem, denn ganz Oben steht die Sicherheit.

Interview: Kaspar Bartl – Verschub- und Hebetechnik GmbH

Der Verschub erfolgte 2006 im Übrigen, weil der Portikus dem Bau des Citytunnels im Wege stand. Auch damals dauerte er mehrere Stunden, drei mehr sogar, als am Freitag der geplante Rückweg.

Der Citytunnel ist inzwischen nicht nur weit voran geschritten, sondern auch viel teuer geworden, als ursprünglich geplant. Nach aktuellen Berechnungen dürfte er bei 893 Millionen Euro liegen. Ursprünglich sollte das Mega-Projekt einmal 572 Millionen Euro kosten.

Interview: Burkhard Jung – Leipziger Oberbürgermeister

Dezember 2012 ist nun als Eröffnungstermin für den City-Tunnel vorgesehen, doch selbst hierfür will im Moment kein Verantwortlicher die Hand ins Feuer legen. Wahrscheinlicher ist der Dezember 2013, dann werden auch unter dem Bayrischen Bahnhof die Züge ins Stadtzentrum brausen. Im Vergleich zum Portikus heute, fast in Lichtgeschwindigkeit.