Porzellanfigur „Nereide“ zurück in der weltberühmten Dresdner Porzellansammlung

Jahrzehntelang galt sie als verschollen – dann tauchte sie in Ohio auf. Am Donnerstag hat US-Botschafter Philip Murphy die “Nereide“ aus dem Schwanenservice  des Grafen Brühl an die Staatlichen Kunstsammlungen in Dresden übergeben. +++

 
Der Botschafter der Vereinigten Staaten von Amerika, Philip D. Murphy, hat heute ein infolge des Zweiten Weltkriegs abhanden gekommenes Meissner Porzellankunstwerk an die Porzellan­sammlung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden übergeben.
 
Die Nereide, eine Meeres­nymphe, gehört zum berühmten Schwanenservice des Heinrich Graf von Brühl (1700 – 1763), Premierminister des sächsischen Kurfürsten und polnischen Königs August III. Neben einem 1945 stark beschädigten Exemplar, das sich im Berliner Kunstgewerbemuseum befindet, ist sie die einzige historisch bekannte und nachweisbare Ausformung dieses Modells aus dem 18. Jahrhundert. Die Nereide hatte sich als Leihgabe, zusammen mit weiteren 37 Objekten des Schwanenservice, bis 1943 in den Dresdner Sammlungen befunden. Nach ihrer zufälligen Entdeckung im Toledo Museum of Art /Ohio durch den Direktor der Dresdner Porzellan­sammlung, Ulrich Pietsch, im Jahr 1998 und der späteren Identifizierung als das in Dresden vermisste Kunstwerk, gab US-Botschafter Murphy heute die Nereide in die Obhut der Porzellansammlung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Für den Freistaat Sachsen und die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden nahmen Sachsens Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst, Prof. Dr. Dr. Sabine von Schorlemer, Generaldirektor Prof. Dr. Martin Roth sowie Dr. Ulrich Pietsch den Kunstschatz entgegen.

So wie die Nachkommen des legendären Premierministers schon 1920 die Werke des Schwanenservice im Wege eines Leihvertrages mit den Dresdner Kunstsammlungen der Öffentlichkeit zugänglich machten, erneuerte heute Friedrich Leopold Graf von Brühl diese Übereinkunft. Der noch bis 2017 laufende Leihvertrag zu den in den Staatlichen Kunstsamm­lungen Dresden befindlichen 28 Objekten des Schwanenservice wurde vorzeitig auf unbe­stimmte Zeit verlängert. Der Vertrag wurde im Rahmen des Festakts von Friedrich Leopold Graf von Brühl und Dr. Ulrich Pietsch unterzeichnet.  

US-Botschafter Philip D. Murphy erklärte im Rahmen der heutigen Feierstunde: „Die schnelle Übergabe des Nereide Tafelaufsatzes wurde durch die enge Zusammenarbeit zwischen den deutschen und amerikanischen Strafverfolgungsbehörden und durch die freundliche Unterstützung des Toledo Museum of Art, der Familie von Brühl und den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden ermöglicht. Ich möchte allen danken, die an diesem Kapitel der deutsch-amerikanischen Partnerschaft beteiligt waren. […] Es ist wichtig, dass diese Art von Bemühungen zur Rückgabe von Kulturgütern an die rechtmäßigen Eigentümer fortgesetzt wird. Einige von Ihnen hier wissen, wie mühsam und schwierig das sein kann“. Botschafter Murphy sagte weiter, dass der Schmuggel von Kunstwerken Diebstahl sei, „ der besonders viel Schaden anrichtet, weil es sich um den Diebstahl von Geschichte und Kultur handelt – den Menschen wird die Verbindung zu ihrer Vergangenheit gestohlen. In den Vereinigten Staaten wissen wir das archäologische und kulturelle Erbe anderer Gesellschaften zu schätzen. Die Beiträge von Menschen aus aller Welt haben Amerika bereichert. Die Achtung der Kultur und Werte anderer ist ein wesentlicher Teil dessen, was uns als Nation ausmacht. Der heutige Festakt gibt uns die Gelegenheit, unser Engagement für diese Ideale zu beweisen“.  

Für die sächsische Staatsregierung antwortete die Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst, Prof. Dr. Dr. Sabine von Schorlemer: „Für den Freistaat ist das heute ein wirklicher Tag der Freude! Dass wir die Nereide wieder hier in Empfang nehmen können zeigt auch, wie gut die kulturpolitische Zusammenarbeit zwischen Deutschland und den USA insgesamt ist. Es ist vor allem auch der Eigeninitiative der amerikanischen Behörden zu verdanken, dass wir dieses verloren geglaubte Porzellankunstwerk nun wieder bei uns haben. Ich möchte mich daher sehr herzlich bei Ihnen, Exzellenz, Herr Botschafter Murphy und den Vereinigten Staaten sowie sämtlichen beteiligten US-Behörden für die offene und schnelle Kooperation bedanken. Ich darf sagen, wir fühlen uns wahrhaft beschenkt.“

„Mit der Verlängerung des Leihvertrages stellen wir das Schwanenservice als Glanzpunkt in der Dauerausstellung sicher und untermauern einmal mehr, dass die Porzellansammlung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden ihre Verantwortung für das von ihr bewahrte kulturel­le Erbe qualitätsvoll und in hohem Maße wahrnimmt“, so Graf Friedrich Leopold von Brühl.
 
„Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden danken der Familie von Brühl sehr herzlich für die außergewöhnliche Großzügigkeit, mit der sie der Porzellansammlung ein so einzigartiges Objekt wie die Nereide zur Präsentation und Bewahrung überlässt. Diese Geste zeugt von einem ausgeprägten Gemeinsinn und einem starken Gefühl der Verantwortung für unser gemeinsames kulturelles Erbe. Wir sind sehr glücklich darüber, in Friedrich Leopold Graf von Brühl einen so wohlwollenden und engagierten Unterstützer gefunden zu haben“, so Prof. Dr. Martin Roth, Generaldirektor der Staatlichen Kunstsamm­lungen Dresden.  

Dr. Ulrich Pietsch, langjähriger Direktor der weltberühmten Porzellansammlung und inter­national renommierter Porzellanexperte, sprach „von einem großen Tag für die Porzellan­sammlung“. Pietsch weiter: „Als ich 1998, anlässlich eines Besuchs im Toledo Museum of Art, zufällig die anmutige Porzellanfigur einer Wassernymphe sah, hatte ich zwar eine erste Ver­mutung, aber keine Gewissheit, dass es sich hierbei um die in Dresden vermisste Nereide handelt. Ich freue mich sehr, dass dieses einzigartige Kunstwerk des Schwanenservice nun wieder mit den in unserer Sammlung präsentierten anderen Objekten vereint ist. Ohne die Unterstützung und die kooperative Haltung vieler Beteiligter, nicht zuletzt der Polizei- und Zollbehörde des US-Heimatschutzministeriums, des Toledo Museum of Art und des Cleveland Museum of Art, wo die Röntgen- und Infrarotaufnahmen gemacht werden konnten, wäre dieser glückliche Ausgang nicht möglich gewesen. Immerhin handelt es sich um eines der Glanzstücke des Schwanenservice, das ohnehin schon als ein Kunstwerk der Superlative gilt und ein Hauptwerk im Schaffen des berühmten Meissener Modellmeisters Johann Joachim Kaendler und seines Mitarbeiters Johann Friedrich Eberlein darstellt.“

Quelle: Staatliche Kunstsammlungen Dresden
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