Power-Freistaat Sachsen – wie sich die Wirtschaft verändert

Ökonomen prognostizieren in vergangener Zeit immer wieder bedrohliche Dystopien für die deutsche Wirtschaft. Von Angst, Regression, Unzufriedenheit und erheblichen Absatzdämpfern ist da die Rede. Dunkle Zeiten möchte man meinen.

Doch die Realität zeigt, dass man an dieser Stelle differenzieren muss. Wenn beispielsweise die deutschen Autobauer nach den Emissionsskandalen über erhebliche Umsatzeinbußen klagen, wird die Dynamik der gesamten deutschen Wirtschaft ausgeblendet – ein eindimensionales Analysebild. Dabei reicht es, den Blick auf Sachsen zu werfen. Auch wenn das letztjährige Wirtschaftswachstum mit einem BIP von 2,1 Prozent aktuell nicht mehr ganz so schnell steigt, liegt das Bundesland im Osten weit vorne und schafft den Anschluss an den Westen. Doch woran liegt das?

Sachsens Branchenlandschaft

Sachsen hat seit dem Jahr 2000 sein BIP um ca. 28 Prozent steigern können und ist damit zu einem enorm wichtigen Wirtschaftsstandort in Deutschland geworden: Ein Beweis für großes Potential. Viele Dienstleistungs- wie Produktionssektoren agieren dabei eben nicht ausschließlich nur in Bereichen der Automobilindustrie. Das ist Sachsens Branchenvielfalt:

  • Kommunikationstechnik (zum Beispiel TV-Sender oder Videoproduktion)
  • Maschinen- und Anlagenbau
  • Software und IT
  • Bahntechnik
  • Mikroelektronik (zum Beispiel Mikrochips)
  • Logistik und Spedition
  • Luft- und Raumfahrttechnik
  • Umwelt- und Energietechnik
  • Automobilindustrie

Jährlich landen sächsische Waren im Wert von knapp 40 Milliarden Euro als Exporte im Ausland – eine Bestätigung dafür, dass die ansässigen Unternehmen auch im Welthandel mitmischen können. Viele profitieren hier von den Errungenschaften des technischen Fortschritts. So haben IT-Spezialisten zur Kompensation von Personallücken smarte Unternehmenssoftware wie die von Lexware entwickelt, um betrieblichen Prozesse abbilden und kontrollieren zu können. Ganz im Sinne einer kaufmännischen Lösung: Das Business muss weiter gehen.

Stichwort: Wirtschaft 4.0

An diesem Punkt lohnt es sich, genauer hinzusehen. Der Begriff Industrie 4.0 ist in aller Munde und wurde zuletzt durch den breit gestreuten Einsatz von Technologie in diversen Branchen allgemeiner gefasst. Nun ist die Rede von der Wirtschaft 4.0, ein Update vom Update also. Aber was bedeutet das eigentlich?

In der Quintessenz geht es hier um die informationstechnologische Vernetzung betrieblicher Prozesse. Die entsprechende Software begleitet im Hintergrund alle Firmenstrukturen, sammelt darüber Informationen und lässt eine gebündelte Übersicht entstehen, in der die einzelnen Betriebsprozesse abgebildet und gesteuert werden können. Vergleichbar mit einer Kommandozentrale werden potentielle Schwachstellen in der Verkettung erkannt und Automatisierungen ermöglicht. Wichtige Abläufe wie die Buchungsorganisation bekommen durch den Einsatz einer unternehmerischen Software-Anwendung mehr Transparenz. In verlängerter Konsequenz können selbst kleine und mittelständische Unternehmen so das Maximum ihrer Kapazitäten ausschöpfen und am globalen Wettbewerb um die Märkte teilnehmen. Manche sächsischen Unternehmen versuchen bereits diese Möglichkeiten zu nutzen.

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Sachsen – ein Sprungbrett für Fortschritt?

Ein wichtiges Kriterium bei all den Vorteilen, welche die ausgeklügelten IT-Systeme mit sich bringen, ist die notwendige Grundlage, die deren Anwendung überhaupt erst möglich macht. Mit dem 2018 verabschiedeten Maßnahmenkatalog ‚Sachsen Digital‘ will die Landesregierung den Freistaat fit für die Wirtschaft 4.0 machen. Dazu gehört selbstverständlich mehr als nur der flächendeckende Breitbandausbau.

Erste Schritte wurden bereits getan. Mit der Einführung eines Förderportals für administrative Finanzangelegenheiten (Sächsische Aufbaubank) und der Integration digitalisierter Prozesse in der Landwirtschaft und dem Gesundheitswesen ist man auf einem guten Weg, aber vom Optimum noch weit entfernt.

Der Digitalisierungsindex für Sachsen vergibt 52 von 100 möglichen Punkten. Damit liegt der Freistaat unter dem gesamtdeutschen Durchschnitt (55 Punkte), obwohl 42 Prozent der sächsischen Unternehmen angeben, auf digitalisierte Systeme angewiesen zu sein. Dabei kommen die Ursachen nicht unbedingt von Seiten fehlender Staatsunterstützung. Viele Unternehmer, vor allem aus Industrie-, Bau-, Handels- und Gastronomiegewerbe, haben sich schlicht und einfach noch nicht nicht näher mit der Digitalisierung oder ihren Möglichkeiten beschäftigt.

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Hier besteht im bundesdeutschen Vergleich noch Handlungsbedarf. Öffentlichkeit und Staat müssen deshalb über das Thema Digitalisierung im TV, Internet oder anderen medialen Kanälen berichten und längerfristige Unterstützungsprogramme planen. Nur so bleibt Sachsen dran an der Zukunft.