Prießnitzgrund wird LKW-Straße

Am Prießnitzgrund werden zur Zeit Wasserkanäle saniert. Im Zuge dessen soll der Prießnitztalweg massiv ausgebaut werden. Die Neustadtgrünen sind empört darüber.

Die Stadtentwässerung Dresden GmbH saniert derzeit zwei Schmutzwasserkanäle im Prießnitzgrund. Die Baumaßnahme wurde dringend notwendig, weil die Kanäle undicht und stark verwurzelt sind. Dadurch kam es in den vergangenen Jahrenimmer wieder zu Ausspülungen von Schmutzwasser.

Die Sanierung wird begrüßt und ist auch schon lange überfällig. Allerdings werden nicht nur die Schmutzwasserkanäle saniert, sondern gleichzeitig wird auch der Prießnitztalweg massiv ausgebaut. Der Weg wird auf 3,50 Meter verbreitert und mit einer Steinsand- Deckschichtbefestigt. So soll es bald möglich sein, den Prießnitzgrund mit LKWs einer Achslast von 10 Tonnen zu befahren.

„Der Eingriff in das Flora-Fauna-Habitat (FFH)-Gebiet  „Prießnitzgrund“ ist erheblich, wird jedoch von der Stadtverwaltung heruntergespielt. Außerdem wurden die notwendigen Untersuchungen von der Verwaltung unterlassen“, ist Torsten Schulze, GRÜNER Ortsbeirat in der Dresdner Neustadt, empört.“

Dirk Hilbert teilte auf Anfrage von Johannes Lichdi mit, dass der Ausbaudes Weges noch nicht einmal als Eingriff nach Naturschutzrecht bewertet wurde. Dies ist schlichtweg falsch. Außerdem sind wir hier in keinem normalen Wirtschaftswald, sondern in einem Schutzgebiet von europäischerBedeutung.

Auch das Sächsische Waldgesetz (Paragraph 21) schreibt die Berücksichtigung von Landschaftsbild, Waldboden sowie der Belange vonNaturschutz und Landschaftspflege beim Bau und der Unterhaltung vonWaldwegen vor. Diese Aspekte wurden im Prießnitzgrund bisher ignoriert. Wir Neustadtgrüne fordern daher den sofortigen Baustopp und die Untersuchung auf FFH- Verträglichkeit“, erklärt Torsten Schulze.

„Richtig ist, dass der Weg in regnerischen Perioden schlammig und dadurchschwer begehbar ist. Doch dieser Zustand lässt sich für Radfahrer undFußgänger mit weniger Aufwand, Kosten und Eingriffen verbessern. Dazubraucht es keine 3,50 Meter breite Straße. Auch der LKW-Verkehr zurHolzabfuhr wird den Erholungswert des Tales mindern. Von den Auswirkungenauf das Landschaftsbild und den Naturraum ganz abgesehen. Der Ausbau desWeges zerschneidet den Prießnitzgrund und die Lebensräume der geschütztenTier- und Pflanzenarten werden empfindlich gestört. Nicht zu Letzt gefährdendie Baumaßnahmen auch die Bäume direkt am Wegesrand“, weiß Andrea Schubert.

„Wir kritisieren auch die Ausführung der Arbeiten. Durch das 40 bis 50Zentimeter tiefe Auskoffern auf einer Breite von 3,50 Meter wird stark indie Wurzelbereiche der Bäume eingegriffen. Es wird in einigen Abschnittender Hang abgebaggert und Bäume gefällt, die Lebensraum der in der Heidelebenden geschützten Tierarten sind. Zum anderen werden Tragschicht undSteinsand bis über den Stammfuß der Bäume aufgefüllt und verdichtet. Auchdies quittieren Bäume in der Regel mit Vitalitätsverlust,Krankheitsanfälligkeit oder Absterben“, ergänzt Schubert.

Quelle: Neustadtgrüne

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