Projekt „Nachhaltige Johannstadt“ startet

Dresden - Bis 2025 soll die Dresdner Johannstadt besonders klimafreundlich, nachhaltig und lebenswert werden. Dazu hat jetzt ein Modellprojekt begonnen. 25.000 Menschen leben in der Johannstadt, sie sollen in den Prozess intensiv einbezogen werden. Wohnen, Mobilität und Ernährung sind laut Umweltbundesamt für 90 Prozent der Treibhausgasemissionen des Konsums verantwortlich. Auf diesen Gebieten soll eine Strategie erarbeitet und umgesetzt werden. Zahlreiche Partner aus dem Stadtteil sind dabei.

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Mehr für den Klimaschutz tun und gleichzeitig besser leben? Wie das geht, soll in dem heute (1.11.) gestarteten Projekt „Nachhaltige Johannstadt“ ausprobiert werden. Das gemeinsame Projekt von Stadtteilverein Johannstadt e. V., Dresdner Verkehrsbetriebe AG, Verbraucherzentrale Sachsen e. V. und NAHhaft e. V. , unterstützt von der Landeshauptstadt Dresden und weiteren Partnern, zielt darauf ab, den verdichteten, innerstädtischen Stadtteil bis zum Jahr 2025 besonders klimafreundlich, nachhaltig und lebenswert zu gestalten. Dafür soll eine innovative Strategie erarbeitet und umgesetzt werden. Die Projektpartner wollen das aber nicht allein tun, sondern die knapp 25 000 Johannstädterinnen und Johannstädter intensiv beteiligen. Eine der Herausforderungen besteht darin, vor allem auch jene Bevölkerungsgruppen zu gewinnen, die ihr Handeln nicht oder nur wenig auf den Klimaschutz ausrichten.
Die Macher wollen genau die drei Handlungsfelder „beackern“, die laut Umweltbundesamt für 90 Prozent der Treibhausgasemissionen des Konsums verantwortlich sind: Wohnen, Mobilität und Konsum/Ernährung. Im Handlungsfeld Wohnen werden die Verbraucher zur Verringerung ihres konventionellen Strom- und Wärmeverbrauchs bzw. zur Umstellung auf Öko-Strom beraten. Im Handlungsfeld Mobilität sollen die Johannstädter motiviert werden, Wege zu vermeiden, zu verkürzen oder diese auf möglichst klimafreundliche Art und Weise zurückzulegen. Und im Handlungsfeld Konsum/Ernährung geht es um ökologische, biologische und regionale Produkte sowie ums Vermeiden von Lebensmittelabfällen. Insgesamt könnten die Johannstädter bis zu 18 000 Tonnen Treibhausgase pro Jahr sparen. Damit könnten sie zeigen, wie´s geht: Die Landeshauptstadt Dresden hat ohnehin das Ziel, jährlich mindestens zwei Prozent der Treibhausgasemissionen zu reduzieren.

Das Projekt „Nachhaltige Johannstadt“ will erforschen, wie Engagement für Klimaschutz aus der Nische in die breite, heterogen zusammengesetzte Einwohnerschaft getragen werden kann. Die Bewohner können sogar direkt profitieren, zum Beispiel durch Senkung von Energiekosten. Indirekt kommen die Ergebnisse der gesamten Bevölkerung im Stadtteil zugute, zum Beispiel durch eine bessere Beteiligungskultur. Das Projekt
kostet etwa 700 000 Euro, davon werden etwa 600 000 Euro von der Bundesregierung gefördert. Der Bund hofft auf Erkenntnisse, die auch auf andere Städte und Stadtteile übertragbar sind. Die Ergebnisse sollen auch in die Klimaschutzstrategie der Landeshauptstadt Dresden einfließen.
Realisiert wird das Projekt in zwei Phasen:
1. Offener Strategieprozess ab Januar 2019
Bis Ende September 2019 steht ein ergebnisoffener Beteiligungsprozess auf der Agenda. Nach einer Auftaktveranstaltung im Januar 2019 sollen Johannstädter Institutionen und Bewohner Ziele entwickeln und diese zu einem gemeinsamen Aktionsplan zusammenführen. Ein wichtiges Anliegen dabei ist, auch wenig interessierte Bewohnergruppen für eine aktive Mitarbeit zu gewinnen. Die Frage ist, wie aus Sicht der Beteiligten Klimaschutz und Alltag zusammenpassen. Gibt es Klimaschutzaktivitäten, die gleichzeitig das selbständige und gesunde Leben im Alter fördern, die Integration im neuen Heimatland erleichtern oder sparen helfen? Um in der interkulturellen Johannstadt möglichst viele Menschen zu erreichen, ist ein mehrsprachiger Online-Auftritt geplant.
2. Modellhafte Umsetzung ab Oktober 2019
Die anschließende zweite Projektphase läuft über drei Jahre bis 2022. Ab Oktober 2019 sollen verschiedene Teile des Aktionsplans modellhaft umgesetzt werden. Parallel dazu soll es mehrere Workshops geben. Dabei werden Johannstädter Bürger als Klima-Coaches ausgebildet und so in die Lage versetzt, Menschen in ihrem Umfeld für ein klimafreundliches Alltagshandeln zu sensibilisieren. Außerdem sollen Klima-Nachbarschaften oder -Teams entstehen, die sich hinsichtlich ihrer Treibhausgasminderung miteinander vergleichen. Eine Koordinationsstelle im Stadtteilverein soll den Prozess begleiten und langfristig verstetigen.

Die Verbundpartner Stadtteilverein Johannstadt e. V., Verbraucherzentrale Sachsen e. V., Dresdner Verkehrsbetriebe AG und NAHhaft e. V. werden u. a. von den ideellen Partnern Landeshauptstadt Dresden, Wohnungsgenossenschaft Johannstadt (WGJ) eG, teilAuto Dresden Mobility Center GmbH, UFER-Projekte Dresden e. V. und VG-Verbrauchergemeinschaft für umweltgerecht erzeugte Produkte e. V. unterstützt.