PROTEST: Intendanten in Dresden wehren sich gegen Sparpläne im Bereich Kultur

Gemeinsame Erklärung der Dresdner Intendantenrunde zu den geplanten Sparmaßnahmen des Kultusministeriums Sachsen im Bereich Kultur in voller Länge hier unter www.dresden-fernsehen.de. +++

Mit großer Irritation und Unverständnis hat das Gremium der Dresdner Intendanten der Landeshauptstadt in den Beschlüssen der sächsischen Sparklausur eine Tendenz festgestellt, die in der Konsequenz das bisher erfolgreiche gemeinsame Ringen von Kunsteinrichtungen und Schulen um eine nachhaltige Intensivierung der ästhetischen Bildung in Frage stellt.

Die Theater und Orchester sehen in der Verantwortung für Musikschulen eine erstrangige Bildungsaufgabe, für deren Finanzierung das Kultusministerium verantwortlich sein müsste. Dabei steht eine enge Zusammenarbeit zwischen Theatern, Orchestern und spezialisierten musischen Bildungseinrichtungen außer Zweifel. Diese Kooperation ist – wie das jüngste Projekt „Peter Pan“ des Konservatoriums in den Landesbühnen als Beispiel beweist – vielerorts geübte Praxis. Die mit der Akademietagung „Der halbe Mensch – Zukunft ohne Kunst?“ begonnene neue Qualität der Zusammenarbeit der Theater und Orchester mit Bildungskonzepten der zuständigen Ministerien ist durch den angedrohten Sparhaushalt in ernsthafter Gefahr. Die zukünftig geplanten Träger- und Finanzierungsmodelle für die Landesbühnen Sachsen dürfen in ihrerKonsequenz die künstlerische Arbeit und die Finanzierung dieses Theaters in keiner Weise gefährden.

Ebenso muss verhindert werden, dass durch diese Überlegung die Theater und Orchester in den urbanen Räumen und Regionen in einen Verteilungskampf getrieben werden, der die produktive Solidarität der Kunstschaffenden aufzukündigen droht. Die Kultureinrichtungen der Landeshauptstadt sind sich mit denen im Landesverband Sachsen des Deutschen Bühnenvereins vertretenen Theatern und Orchestern des Freistaates Sachsen einig, dass auch die angekündigte Kürzung der finanziellen Ausstattung des Dresdner Heinrich-Schütz-Konservatoriums substantielle Folgen für die kulturelle Bildung unserer Kinder hat. Wenn die Musikschulen durch ein reduziertes Angebot oder durch erhöhte Zugangsbeiträge nur noch für eine elitäre Schicht zugänglich sind, wenn die Theater und Orchester durch Sparzwänge die Breite ihrer Aufgaben und die regionale Bindung verlieren, dann spart man an der Pflege der kulturellen und damit auch der demokratischen Seele des Freistaates. Die Folgen einer solchen Verarmung sind allemal teurer als die uns so teure Kultur, die das Phantasie- und Ideenpotential der Menschen fördert und hebt.

Die Dresdner Intendanten sind sich einig, dass es im Bereich der ästhetischen Bildung kein Sparpotential gibt, und dass sie gemeinsam den Versuchen, dennoch dort den Rotstift anzusetzen, öffentlich entgegentreten werden.

Unterschriftenliste:
Andreas Nattermann, Sprecher der Dresdner Intendantenrunde, Societätstheater Dresden
Anselm Rose, Dresdner Philharmonie
Christian Schmidt, Landesbühnen Sachsen
Detlef G. Julius Skowronek, Projekttheater Dresden
Detlef Rothe, Theaterkahn Dresden
Dieter Jaenicke, Europäisches Zentrum der Künste Dresden Hellerau
Dietrich Kunze Dirk Neumann, Hoftheater Dresden
Felicitas Loewe, Theater Junge Generation Dresden
Frank Eckhardt, Riesa efau Dresden
Jan Vogler, Musikfestspiele Dresden
Jürgen Wölffer, Komödie Dresden
Kati Kasper, Heinrich-Schütz-Konservatorium Dresden
Manfred Breschke, Dresdner Kabarett Breschke und Schuch
Petra Scheunemann, Orphée Event GmbH Dresden
Rainer Petrovsky, 1001 Nacht Märchen GmbH Dresden
Ralf Herzog, Mimenstudio Dresden
Roderich Kreile, Dresdner Kreuzchor
Wilfried Schulz, Staatsschauspiel Dresden
Wolfgang Schaller, Herkuleskeule Dresden
Wolfgang Schaller, Staatsoperette Dresden
 
Im Namen der Dresdner Intendantenrunde
Christian Schmidt Intendant
Dresden, 26. Juni 2010

++
Immer aktuell informiert – mit dem DRESDEN FERNSEHEN Newsletter!

Dieser Beitrag ist leider noch nicht verfügbar