Provenienzforschung in Chemnitzer Kunstsammlungen

Rund 70.000 Kunstwerke aus fünf Jahrhunderten befinden sich im Besitz der Kunstsammlungen Chemnitz im Museum am Theaterplatz.

Zahlreiche Objekte, vorallem expressionistische Werke, hat das Museum in der Zeit zwischen 1933 und 1945 verloren.

Einige Kunstwerke kamen allerdings auch in der Zeit des Nationalsozialismus in den Besitz des Hauses.

In den vergangenen 18 Monaten hat der Kunsthistoriker Dr. Kai Artinger im Auftrag der Kunstsammlungen knapp zweihundert Gemälde und Plastiken genauer unter die Lupe genommen.

Er sollte Nachforschungen zur „Provenienz“, das heißt der Herkunft der Werke, anstellen.

In der NS-Zeit wurden vor allem jüdische Besitzer von Kunstobjekten enteignet oder mussten die Stücke unter Druck zu einem geringeren Wert verkaufen.

Nach den Ergebnissen der Forschung können nun rund 80 Prozent der untersuchten Kunstwerke bezüglich ihrer Herkunft als „unbedenklich“ eingestuft werden.

Bei 29 Werken ist die vorherige Eigentümerschaft nicht eindeutig zu klären – hier bestehen Zweifel an der Provenienz.

Bei sechs Gemälden sind Hinweise auf einen verfolgungsbedingten Entzug aufgetreten, dass heißt aber noch nicht, das dabei klar ist, wer der Voreigentümer war.

Interview: Dr. Kai Artinger, Kunsthistoriker

Zu den bedenklichen Gemälden der Kunstsammlungen Chemnitz gehören das Bild „Der Johannisplatz zu Chemnitz im Winter“ von Alfred Kunze, das Werk „Mutter Anna lehrt Maria lesen“ von Carl Christian Vogel von Vogelstein und das Ölbild „Pirmasens von Heinrich Bürgel.

Die Objekte sind zwischen 1934 und 36 durch Ankäufe in die Kunstsammlungen gelangt.

Derzeit existieren aber noch keine stichhaltigen Hinweise auf möglicherweise vom NS-Regime verfolgte Voreigentümer.

Somit verbleiben die Werke in den Kunstsammlungen Chemnitz.

Interview: Ingrid Mössinger, Generaldirektorin der Kunstsammlungen Chemnitz

Bei den Nachforschungen stieß der Kunsthistoriker auf typische Probleme bei der Herkunftsforschung von Kunstgegenständen.

So haben sich nur wenige Akten des Museums und der Stadtverwaltung aus der Zeit des Nationalsozialismus erhalten.

Zudem ist dieser Zeitabschnitt in Chemnitz noch immer zu wenig erforscht.

Auch bei den Kunsthändlern, von denen das Museum die Gemälde erworben hatte, liegt noch vieles im Dunklen.

Interview: Dr. Kai Artinger, Kunsthistoriker

Die Nachforschungen zu Gemälden und Plastiken sind in den Kunstsammlungen Chemnitz erst einmal abgeschlossen.

Nun sollen auch die Zeichnungen, die zwischen 1933 und 1945 erworben wurden, untersucht werden.

Dafür werden neue Forschungsgelder beim Deutschen Zentrum für Kulturgutverluste beantragt.

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