Prozess um Unfalltod der Ehefrau des Gewichthebers Steiner

Ursache des Frontalzusammenstoßes ungeklärt – Bewährungsstrafe gefordert

Heidelberg (ddp-bwb). Für viele Menschen war es einer der bewegendsten Momente der Olympischen Spiele 2008 in Peking: Während der Siegerehrung im Gewichtheben zeigte Matthias Steiner ein Foto seiner Ehefrau und widmete ihr seine Goldmedaille. Die 22-jährige Susann Steiner war im Juli 2007 bei einem Verkehrsunfall nahe Heidelberg ums Leben gekommen. Der Verursacher des Frontalzusammenstoßes, ein 57-jähriger Mann aus Dielheim (Rhein-Neckar-Kreis), musste sich am Mittwoch vor dem Amtsgericht Heidelberg wegen fahrlässiger Tötung verantworten. Das Urteil wird am 3. Dezember verkündet.

Der Gewichtheber tritt in dem Verfahren als Nebenkläger auf. Zum Prozessauftakt wollte er sich zunächst nicht vor den zahlreichen Medienvertretern äußern, hatte aber über die tragische Geschichte in den vergangenen Monaten ausführlich in Interviews berichtet.

In dem Prozess überraschte zunächst der Angeklagte Franz G., als er die Aussage komplett verweigerte. Sein Anwalt sagte, der 57-Jährige könne sich «an das Unfallgeschehen nicht erinnern».

Staatsanwalt Joachim Steinbacher betonte, der Angeklagte sei mit überhöhter Geschwindigkeit gefahren und habe einen «groben Fahrfehler» begangen. Er sei am 16. Juli 2007 auf der B 3 mit seinem Jeep «aus extremer Unaufmerksamkeit und Unkonzentriertheit» auf die Gegenfahrbahn geraten und dort frontal mit dem Kleinwagen von Steiners Frau zusammengestoßen. Die 22-Jährige habe «keine Chance» gehabt, ihr Fahrzeug aus der Gefahrenzone zu lenken.

Auf die Frage des Staatsanwalts an Franz G., ob er sich mit Matthias Steiner persönlich in Verbindung gesetzt und ihm das Mitleid ausgedrückt habe, brach der Angeklagte schließlich sein Schweigen. Er habe nicht mit Steiner gesprochen, ihm aber einen Brief geschrieben. «Darin habe ich ausgedrückt, dass es mir unheimlich leidtut und ich nicht wüsste, wie es zu dem Unfall gekommen ist», sagte Franz G. Er fügte hinzu, Steiner habe ein Gespräch im Beisein eines Boulevard-Journalisten führen wollen. «Das habe ich abgelehnt», sagte der Angeklagte.

Steiner betonte auf Nachfragen der Vorsitzenden Richterin, es könne sein, dass eine Boulevard-Zeitung den Vorschlag gemacht habe, «aber der Vorschlag kam nicht von mir». Er hätte auch nur persönlich mit dem Angeklagten gesprochen.

Der Unfall geschah auf gerade Strecke. Zwei Augenzeugen, die mit ihren Autos direkt hinter Susann Steiner fuhren, berichteten zwar von einem plötzlichen Ausbrechen des Jeeps nach links auf die Gegenfahrbahn. Die Ursache dafür blieb im Prozess jedoch ungeklärt.

Nach Angaben eines technischen Sachverständigen fuhr der 57-Jährige auf der B 3 jedoch zu schnell. Er sei mit rund 85 Stundenkilometern unterwegs gewesen. Wäre er nur das erlaubte Tempo 70 gefahren, »hätte es für Frau Steiner wesentlich besser ausgesehen«. Ein Rechtsmediziner bestätigte dies. In diesem Fall hätte die Kollision wohl nicht zu den tödlichen Verletzungen geführt. Denn die 22-Jährige, die nach dem Unfall noch sieben Stunden lebte, sei nicht an Kopfverletzungen gestorben, sondern an Rippenbrüchen und Verletzungen der inneren Organe wie Lunge, Leber und Milz.

Die Staatsanwaltschaft forderte in ihrem Plädoyer am Nachmittag eine einjährige Bewährungsstrafe für den Angeklagten wegen fahrlässiger Tötung. Der Anwalt Steiners schloss sich dem Antrag der Staatsanwaltschaft an, die auch einen dauerhaften Führerscheinentzug für den 57-Jährigen gefordert hatte. Staatsanwalt Steinbacher sprach von einer »fahrenden Zeitbombe«.

Die Verteidigung beantragte einen Freispruch. Der Anwalt des 57-Jährigen sagte, der Unfall könne auch auf einem epileptischen Unfall seines Mandanten beruht haben. Eine »extreme Unaufmerksamkeit« als Unfallursache sei nicht erwiesen. In seinem Schlusswort sagte der Angeklagte: »Es tut mir unendlich leid. Wenn ich es könnte, würde ich es gerne rückgängig machen.“

(ddp)