Prunkvolle Wiedereröffnung des kleinen Ballsaals

Dresden - Der Glanz der Fürstenzeit erstrahlt wieder im Residenzschloss. Nach vierjähriger Bauzeit wurde der Kleine Ballsaal fertiggestellt und am Freitag feierlich eröffnet. Den Schlüssel übergab der sächsische Ministerpäsident Michael Kretschmer an die Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Marion Ackermann.

Der Kleine Ballsaal wurde originalgetreu wiederhergestellt. Das war sowohl handwerklich als auch baukünstlerisch besonders anspruchsvoll: So wurden für die Vergoldung des Galeriegeländers, für das 2.440 Zinkgussteile an einem Grundgerüst aus Stahl angebracht wurden, und der Decke 78.000 Blatt Gold verarbeitet. Dies entspricht einem Gewicht von 1.400 Gramm und einer vergoldeten Fläche von ca 410 m². Für die Feuervergoldung der Leuchter fanden weitere 3.600 Gramm Gold Verwendung. Für die Leuchter mussten über 7.777 Kristallteile (unter anderem Licht- und Tropfschalen, Glasspitzen und Kugeln) neu angefertigt werden. Zusammen mit den erhalten gebliebenen 86 Originalteilen wurden in den Leuchtern insgesamt 7.863 Kristallteile verbaut.

Ministerpräsident Michael Kretschmer erklärte in seiner Ansprache: „Das Dresdner Residenzschloss ist einer der bedeutendsten Museumskomplexe in Europa. Mit der Fertigstellung des Kleinen Ballsaals ist ein spannender Teil des Schlosses und somit sächsischer Geschichte wiederhergestellt, der nun zum 300. Jubiläum der Fürstenhochzeit des Kurprinz Friedrich August II in neuem Glanz erstrahlt.“

Prof. Dr. Marion Ackermann ergänzte: „Die Übergabe des Kleinen Ballsaals bildet in diesem Jahr den Auftakt und ist zugleich ein weiterer bedeutender Meilenstein auf dem Weg zur Vollendung des Dresdner Residenzschlosses. Insbesondere die vereinte Expertise vieler sächsischer Unternehmen trug dazu bei, dass intensive Materialforschungen betrieben, spezielle Handwerkstechniken wieder erfunden und längst in Vergessenheit geratene Fertigkeiten neu entwickelt werden konnten. Diese bewundernswerte Verbindung von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft macht dieses großartige europäische Projekt überhaupt erst möglich.“

Der Kleine Ballsaal wurde durch einen Schüler Gottfried Sempers konzipiert - Hofbaumeister Bernhard Krüger (1821-1881). Der Auftrag kam von König Johann von Sachsen und wurde zwischen 1865 und 1868 ausgeführt. Der Saal wurde für Gesellschaften und Kammerbälle genutzt. Er gilt als wichtiges Zeugnis des Historismus und des Semperschen Architekturverständnisses. Im Jahr 1997 beschloss die Sächsische Staatsregierung, den Kleinen Ballsaal als „historisch lokalisierten Raum“ zu rekonstruieren.

Die Bauplanungen zur Wiederherstellung des Kleinen Ballsaales begannen im Jahr 2007. Die unter der Regie der Niederlassung Dresden I des Staatsbetriebes Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB) durchgeführte Baumaßnahme wurde eng vom Landesamt für Denkmalpflege begleitet. Im Jahr 2014 wurde der Bauauftrag erteilt. Die Baukosten für die Wiederherstellung des Kleines Ballsaales betragen ca. 6,1 Mio. Euro. Insgesamt wurden seit der Wiedervereinigung bis Ende 2018 ca. 341 Mio. Euro in den Wiederaufbau des Dresdener Residenzschlosses investiert. Die Baumaßnahme wird mitfinanziert aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, die seit 2013 29 Mio. Euro für den Ausbau und die historische Wiederherstellung des Residenzschlosses zur Verfügung gestellt hat, sowie durch Steuermittel auf Grundlage des von den Abgeordneten des Sächsischen Landtags beschlossenen Haushalts.