Qualifikation von benachteiligten Jugendlichen zu Fachkräften

Für Stefan, Mirko und Bilha ist der Start ins Berufsleben nicht gerade optimal verlaufen. Mit der Gemeinschaftsinitiative Sachsen GISA haben sie Chancen, bei der beruflichen Ausbildung aufzuholen.

Stefan beendete 2005 die Hauptschule mit „genügend“, den Realschulabschluss an der Abendmittelschule hat er nicht geschafft. Über drei Jahre lang versuchte er, eine Lehrstelle zu bekommen, in dieser Zeit wechselten Praktika, Kurzzeitjobs und Arbeitslosigkeit in mehrfacher Folge. Eine Fördermaßnah-me hat er abgebrochen. Jetzt ist Stefan in Ausbildung als Bauten- und Objektbeschichter beim IHK-HwK-Ausbildungsverein Dresden.

Mirko verließ 1999 die Schule ohne Abschluss nach der 7. Klasse. Danach machte er ein Berufsvorbereitungsjahr im Berufsfeld Holz. Dann folgten Zeiten mit Therapie, Haft, Hilfsarbeiten und eine Teilqualifizierung. Jetzt erhält Mirko als Freigänger während der Haft eine Ausbildung zum Bauten- und Objektbeschichter beim Berufsbildungsverein Leipzig. Seit Oktober verfolgt er die Ausbildung zielstre-big, seine Betreuer sind mit ihm sehr zufrieden.

Bilha ist Jahrgang 1983 und schloss die Realschule im Ausland mit „sehr gut“ ab. Trotz guter Deutschkenntnisse waren alle ihre Bewerbungen erfolglos, da sie und ihre Eltern keine Vorstellungen von Ausbildungsberufen haben und das duale System nicht kennen. Aufgrund ihrer anderen Erziehung verhält sich Bilha außerordentlich zurückhaltend. Das hat ihre Bewerbungsgespräche zusätzlich belastet. Jetzt erhält sie eine Ausbildung zur Kauffrau im Groß- und Außenhandel beim Berufsbildungsverein Leipzig.

Arbeitsagenturen und Träger der Grundsicherung haben im vergangenen Jahr mehr 6.600 Bewerber mit Vermittlungshemmnissen in die Gemeinschaftsinitiative Sachsen (GISA) des Wirtschafts- und Arbeitsministeriums vermittelt. Davon haben bis zum 31.12.08 rund 3.300 Bewerber außerbetriebliche Ausbildungsverträge in rund 70 verschiedenen Berufen erhalten. 1.560 Bewerber sind nicht erschienen. Mehr als 1.200 Bewerber haben kein Ausbildungsangebot angenommen oder dieses zurückgegeben. 140 Bewerber wurden wegen fehlender Eignung abgelehnt. „Auch wenn sich das Verhältnis von Angebot und Nachfrage bei den betrieblichen Lehrstellen erfreulicher Weise wesentlich verbessert hat, benötigen benachteiligte junge Menschen besondere Unterstützung“, so Wirtschafts- und Arbeitsminister Thomas Jurk (SPD). Die Unternehmen stünden im harten Wettbewerb und hätten wenig Zeit, sich benachteiligten Jugendlichen mit besonderer Aufmerksamkeit zu widmen „Die GISA kann das leisten. Ich will, dass jeder eine reale Chance erhält. Darum werden wir uns nicht aus der Förderung zurückziehen.“ Die Ausbildung bei den Ausbildungsvereinen unter intensiver Einbeziehung von Praxisbetrieben hat sich in der Vergangenheit bewährt. Über 85% der Teilnehmer erreichten bisher erfolgreich einen anerkannten Berufsabschluss, oft mit besseren Noten als die von Unternehmen ausgebildeten Lehrlinge. Unternehmen können die Teilnehmer als Praktikanten testen und in betriebliche Ausbildung übernehmen. Eine sozialpädagogische Betreuung wird bis zum Ende der Ausbildung angeboten. Seit 1995 haben in der Gemeinschaftsinitiative Sachsen rund 50.000 jungen Menschen eine Ausbildung begonnen.

„Unser Erfolgsrezept ist die enge Verbindung von individueller Ausbildungsbegleitung, in-tensiven Praxisphasen in gewerblichen Unternehmen und der Motivation durch die Chance auf einen anerkannten Abschluss“, so Minister Jurk. „Wir bieten bewusst nicht nur einzelne Ausbildungsmodule in ‚Häppchenform’ an.“ An einer Kooperation interessierte Betriebe wie auch junge Menschen, die noch einen Ausbildungsplatz suchen oder aufgrund der Wirtschaftskrise eine Kündigung erhalten haben, können sich jederzeit an den in ihrem Landesdirektionsbezirk zuständigen Ausbildungsverein wenden. Knapp 720 Plätze sind noch frei.Landesdirektionsbezirk Chemnitz: Ausbildungsring Südwestsachsen Chemnitz-Plauen-Zwickau GmbH, Rudolf-Breitscheid-Str. 2 in 08371 Glauchau, Telefon 03763/442760 oder 0 376/814 2400, Mail schwarz@z.chemnitz.ihk.de. Landesdirektionsbezirk Leipzig: Berufsbildungsverein Leipzig e.V. Kohlenstraße 30 in 04107 Leipzig, Telefon (0341) 9639 50, sfriesz@bbv-leipzig.net, http://www.bbv-leipzig.de/. Landesdirektionsbezirk Dresden: IHK-HWK-Ausbildungsverbund Dresden e.V. Mügelner Straße 40 in 01237 Dresden, Telefon (0351) 2802340, Mail sekretariat@avdd.de.

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