Rathaus AKTUELL: Stadtrat stimmt für Verbesserung der Betreuungsqualität in den Dresdner Kitas

Donnerstagabend hat der Stadtrat Dresden dem Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen zugestimmt, den Betreuungsschlüssel in Kitas zu verbessern. Es sollen künftig 10 statt 13 Kinder von einer Erzieherin betreut werden. +++

A N T R A G
Fraktion Bündnis 90/Die Grünen

Gegenstand:
Verbesserung der Betreuungsqualität in den Dresdner Kindertagesstätten
 
Beschlussvorschlag:
1. Die Oberbürgermeisterin wird beauftragt, sich bei der Sächsischen Staatsregierung und
den Fraktionen von CDU, LINKE, SPD, FDP und GRÜNE im Sächsischen Landtag für
eine Verbesserung des Betreuungsschlüssels in Kindertagesstätten auf 1:4 in der Krippe
und 1:10 im Kindergarten einzusetzen.

2. Die Oberbürgermeisterin wird weiterhin beauftragt, sich bei der Sächsischen
Staatsregierung und den Fraktionen von CDU, LINKE, SPD, FDP und GRÜNE im
Sächsischen Landtag für die Änderung der Sächsischen Qualifikations- und
Fortbildungsverordnung pädagogischer Fachkräfte (SächsQualiVO) mit dem Ziel, einer
vereinfachten Anerkennung bzw. Zulassung verwandter Berufsgruppen für die Arbeit mit
Kindern in Kindertagesstätten einzusetzen.

Begründung:
Kindertagesstätten sind längst nicht mehr nur Betreuungseinrichtungen, sondern
Bildungseinrichtungen. Sie sollen Kindern Chancengleichheit in puncto Bildung und
Gesundheit bieten. Um die dafür notwendige individuelle Förderung der Kinder
gewährleisten zu können, ist die Verbesserung des Betreuungsschlüssels erforderlich. Er
regelt, wie viele Kinder auf eine/n Erzieher/in kommen.

Die Qualitäts- und Leistungsanforderungen für das pädagogische Personal sind in den vergangenen Jahren erheblich gestiegen. Sachsen hat mit 1:6 in der Kinderkrippe und 1:13 im Kindergarten einen
der schlechtesten Betreuungsschlüssel im Bundesvergleich. Für die Umsetzung des
Sächsischen Bildungsplans und die Qualitätssicherung und -entwicklung fehlt dem
pädagogischen Personal das entsprechende Zeitbudget. Die Spitzenverbände der Freien
Wohlfahrtspflege weisen auf das fehlende Zeitkontingent für die Zusammenarbeit mit den
Familien, für die Fort- und Weiterbildung, Vor- und Nachbereitung sowie Dokumentation
(bspw. Beobachtungs- und Entwicklungsbögen) hin und fordern die Verbesserung des
Betreuungsschlüssels auf 1:4 in der Krippe und 1:10 im Kindergarten. Zu gleichen
Ergebnissen kommt eine Studie der Bertelsmann-Stiftung, Recherchen des Deutschen
Jugendinstituts und die aktuelle Evaluation des sächsischen Staatsministeriums für Soziales
zur Bewertung des Personalschlüssels.

Der Antragsteller unterstützt uneingeschränkt die Forderung der Sozialverbände und weist darauf hin, dass das tatsächliche Betreuungsverhältnis noch wesentlich ungünstiger ist und im Kindergarten oft 1:19 oder 1:20 beträgt. Beim Betreuungsschlüssel handelt es sich um einen Personal- und nicht um einen
Gruppenschlüssel. Die Gruppen sind in der Praxis größer als sechs Krippen- oder dreizehn
Kindergartenkinder (durch die Betreuungsverträge, Urlaub, Krankheit usw.).
In den kommenden Jahren wird der Bedarf an Betreuungsplätzen weiter steigen. So sollen in
den nächsten fünf Jahren 5.000 neue Plätze in Krippen und Kindergärten entstehen. Dafür
sollen dieses Jahr 150, im nächsten Jahr 130 und 2011 nochmals 80 Erzieherinnen und
Erzieher eingestellt werden. Zunehmend klafft eine „Lücke“ zwischen dem nötigen
Personalbedarf und dem vorhandenen Personalangebot auf dem Arbeitsmarkt, so dass
Stellen längere Zeit unbesetzt bleiben. Bundesweite Ausschreibungen und

Öffentlichkeitsarbeit alleine reichen nicht aus, um dieses Problem zu lösen. Die Sächsische
Qualifikations- und Fortbildungsverordnung pädagogischer Fachkräfte (SächsQualiVO) muss
so angepasst werden, dass eine vereinfachte Anerkennung bzw. Zulassung verwandter
Berufsgruppen für die Arbeit mit Kindern in Kindertagesstätten möglich ist. Eine erneute dreibis
vierjährige zusätzliche Ausbildung ist für interessierte Personen kaum attraktiv, auch
angesichts der finanziellen Vergütung von pädagogischen Fachkräften in Kindertagesstätten
(trotz Anerkennung von Berufserfahrung im Rahmen der Möglichkeiten des TVöD). So
verdient eine Erzieherin als Berufsanfängerin nur ca. 1.800 Euro brutto, mit Berufserfahrung
ca. 2.100 Euro brutto. Die Forderung nach Änderung der Sächsischen Qualifikations- und
Fortbildungsverordnung pädagogischer Fachkräfte (SächsQualiVO) wurde von mehreren
Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Veranstaltung „Auf die Plätze fertig los“ zur Zukunft
der Dresdner Kitalandschaft des Lokalen Bündnisses für Familien Dresden am 27. Mai 2009
im St. Benno-Gymnasium geäußert.

Eva Jähnigen
Fraktionssprecherin

Quelle: Stadt Dresden

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