RB Leipzig: Klappt der Aufstieg mit den Neu-Bullen?

Coltorti, Mrowiec, Karikari, Koronkiewicz und Judt – Fünf Namen, die demnächst auf dem Trikot von RB Leipzig prangen werden. Doch was bringen die Neuen wirklich? Sind sie eine Verstärkung oder das letzte Aufgebot eines kränkelnden Clubs? +++

Fakt ist, dass alle fünf neuen Spielern ablösefrei und für zwei Jahre nach Leipzig kommen. Böse Zungen könnten jetzt meinen, dass Coltorti und Co. bei ihren ehemaligen Vereinen aufgrund ihrer Leistungen keine Vertragsverlängerung bekommen haben. Haben die Roten Bullen also den Ausschuss geholt, der anderswo keine Chance mehr hat? LEIPZIG FERNSEHEN macht den Formcheck!

Fabio Coltorti – Ersatz für Borel oder doch nur Nummer Zwei?
In der letzten Saison kassierte RB Leipzig genau 30 Gegentore – der zweitbeste Wert der Regionalliga hinter Aufsteiger Halle (15 Gegentreffer). Doch obwohl in der vergangenen Saison hinten neun Mal die Null stand, wackelte RB-Keeper Pascal Borel oftmals bedenklich. In entscheidenden Situationen patzte der 33-Jährige.
Fabio Coltorti ist auf den ersten Blick keine Aufwertung für das Team. In der letzten Saison spielte der Schweizer beim FC Lausanne eine durchwachsene Saison: 41 Gegentore, nur sechs Mal musste der 31-Jährige nicht hinter sich greifen. Doch hinter dem Namen Fabio Coltorti steckt mehr. Der neue RB-Keeper kommt mit viel internationaler Erfahrung im Rücken nach Leipzig, spielte unter anderem in der Primera Division beim FC Santander und war insgesamt acht Mal für die Schweizer Nationalmannschaft im Einsatz. Er gilt als ruhiger, besonnener Torwart mit unauffälligem Spiel. Wenn er die Leistungen abruft, für die er früher in die Schweizer Nationalelf berufen wurde, ist Coltorti eine echte Verstärkung für die Bullen. Daumen nach oben.

Adrian Mrowiec – Meisterspieler mit schottischer Härte
Im Mittelfeld gingen bei RB Leipzig in der letzten Saison viele Zweikämpfe verloren. Bei vielen Aktionen fehlte der Biss, der Wille und das Durchsetzungsvermögen. RB-Neuzugang Adrian Mrowiec könnte da ein echter Fels im defensiven Mittelfeld werden. Der 28-Jährige gilt als harter Spieler, der bei den Schotten von den Hearts of Midlothian insgesamt 69 Premier League-Einsätze auf dem Konto hat. Torgefährlich ist der gebürtige Pole allerdings nicht – Lediglich zwei Tore schoss Mrowiec in seiner gesamten Karriere. Okay, eigentlich sind es drei, eines davon war allerdings ein Eigentor. Trotzdem könnte der Mittelfeldmann eine echte Verstärkung werden, denn er weiß, wie man gewinnt. So wurde der 28-Jährige mit dem FC Vilnius 2007 Litauischer Meister. Allerdings ist Litauen nicht Deutschland. Daumen zur Seite.

Jeremy Karikari – Mittelfeldtalent mit ghanaischen Wurzeln
Der gebürtige Hamburger ist der zweite, waschechte Sechser, den die Roten Bullen für die neue Saison geholt haben. Der 24-Jährige hat bereits in der 2. Bundesliga für den 1 FC St. Pauli gekickt und konnte zuletzt beim Regionalligisten Eintracht Trier viel Spielpraxis sammeln. Der Deutsch-Ghanaer gilt als Defensiv-Allrounder und ist mit seinen 1,87 Metern ein kopfballstarker Spieler. Genauso wie Mrowiec ist Karikari allerdings nicht torgefährlich. Drei Treffer hat der Mann, der unter anderem bei Jahn Regensburg und der Reserve vom VfB Stuttgart spielte, vorzuweisen. Mit etwas mehr Übung und der erfahrenen Hand von RB-Trainer Peter Pacult könnte aus dem 24-Jährigen ein echter Stammspieler für RB Leipzig werden. Daumen nach oben.

Patrick Koronkiewicz – Jugendnationalspieler im Aufwind
Gerade in der Verteidigung leistete sich RB Leipzig zuletzt zuviele Fehler. Mit Patrick Koronkiewicz haben die Roten Bullen einen Spieler geholt, der sich in der kommenden Saison zur echten Alternative auf der rechten Abwehrseite entwickeln könnte. Der 21-Jährige stammt aus der Jugend von Bayer Leverkusen und spielte unter anderem für die U19- bzw. U20-Nationalmannschaft und gilt als großes Talent auf seiner Position mit gutem Zug zum Tor. Seine Unerfahrenheit macht er mit Einsatz wett, dürfte bei den Bullen aber nur als Ersatz für Kocin, Franke und Co. dienen. Daumen zur Seite.

Juri Judt – Bundesliga-Spieler mit viel Bankerfahrung
Er gilt als größter Neuzugang bei RB Leipzig. Mit seinen 25 Jahren hat Juri Judt bereits viel Erfahrung in der ersten und zweiten Bundesliga gesammelt. In der letzten Saison spielte der Rechtsverteidiger aus Kasachstan aber gerade einmal 67 Minuten für den 1. FC Nürnberg. Davor konnte Judt allerdings zeigen, was er kann und bewies sich oft als Rückhalt in der Abwehr. Großer Vorteil des Kasachen ist seine Beidfüßigkeit, womit er sowohl auf der rechten wie auf der linken Seite aufgestellt werden kann. Die mangelnde Spielpraxis könnte für Judt allerdings zum Problem werden und ihm – wie in der Vorsaison – eine Rolle als Reservist bei RB Leipzig einbringen. Dennoch: Daumen nach oben.

FAZIT:
Die bisherigen Neuzugänge bei RB Leipzig sind zwar alle nicht die ganz großen Namen, könnten aber – taktisch klug eingestellt – zu Verstärkungen für die Roten Bullen werden. Echte Schnäppchen dürften sie trotz der Ablösfreiheit dennoch nicht werden. Gerade Judt, Mrowiec und Coltorti dürften in Sachen Gehalt recht kostspielig werden, ansonsten hätten sie nicht freiwillig den Gang in die vierte Liga angetreten. Ob mit den frischen Kräften nun endlich der Aufstieg klappt, bleibt allerdings abzuwarten.