Reaktion auf unsere Berichterstattung im Vorfeld der NPD-Kundgebung

Politisch geprägte Themen wie der geplante Neonazi-Aufmarsch am 20. August sind für jedes Medium ein heißes Eisen. Auch LEIPZIG FERNSEHEN bildet da keine Ausnahme. Logisch, dass Zuschauerkritik an unserer Berichterstattung nicht ausbleibt. +++

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich möchte Ihnen mein grundsätzliches Missfallen gegenüber dem Einzug einer tendenziösen Berichterstattung zum Aktionsnetzwerk „Leipzig nimmt Platz“ aussprechen, der sich speziell an Juliane Nagel als Vertreterin der Linken (hier ist nicht die Partei gemeint) festmachen lässt.
Ihr Wirken im Aktionsnetzwerk wird wiederholt in Zusammenhang mit Gewalt gebracht.

In Ihrem Beitrag vom Donnerstag verwenden Sie 2x denselben Videoausschnitt, in dem Frau Nagel mit dem Schreiben von SMS (oder E-Mail) beschäftigt ist.
Bei 0:04 Min wird der Clip direkt nach dem sprechenden Polizeipräsidentengezeigt, beim zweiten Einblenden (0:41min) unter seine Prognose über Gewalt und Verletzte im Zuge der NPD-Kundgebung bzw. der Gegenveranstaltungen amkommenden Sonnabend gelegt.

Offensichtlich soll die Platzierung der Clips den Eindruck erwecken, dass Frau Nagel diesen für das Zusammenleben und Wohlbefinden der Menschen in Leipzig essenziellen Aussagen Desinteresse entgegen bringt.

Bei 0:09 Min ist jedoch zu erkennen, dass die Aufnahme anscheinend entstand, als insgesamt Unruhe im Raum war, möglicherweise vor Beginn der Pressekonferenz.
Abgesehen davon, dass dieser „kleine Trick“ handwerklich schlecht gemacht ist, ist nach meinem Verständnis die selektive Wiederholung als inhaltliche Aufladung irrelevanter Informationen eine unzulässige Form der Berichterstattung.

Ich bitte um einen respektvolleren Umgang mit dem Wirken desAktionsnetzwerkes, das auch und gerade unter Initiation der Leipziger Linken entstanden ist und sich seit zwei Jahren friedlich und erfolgreich gegen das Erstarken menschenverachtender Ideologien in Leipzig stellt.

Selbst wenn die Aufnahme direkt während der Verkündung des Verbotes aller Veranstaltungenentstanden wäre, erzeugte eine solche Hiobsbotschaft sicherlich einen erhöhten Koordinierungs- und Kommunikationsbedarf.

Im Beitrag am Tag davor wurde explizit nach Gewalt von Linken innerhalb des Aktionsnetzwerkes gefragt.
Dass diese Frage einem Vertreter der Grünen gestellt wird, ist insofern unsinnig, dass deren eigene – ebenfalls friedlich angelegte – Proteste trotz guter Vorbereitung leider auch oft in Gewalt münden.
Ohne hier den Ursprung der Gewalt näher zu beleuchten, belegen das nicht erst Schlagworte wie Castor oder Stuttgart 21.

Bereits am Mittwoch waren mir die Fragen Ihres Moderators im Beitrag zur Gewalt bei Veranstaltungen des Aktionsnetzwerkes als unverständlich aufgefallen.
Mir sind keine gewalttätigen Ausschreitungen bei Veranstaltungen von „Leipzig nimmt Platz“ in Erinnerung. Darüber hinausspricht Frau Nagel hier nicht in ihrer Funktion als Stadträtin der Partei DIE LINKE – wie der Titel der Meldung suggeriert – sondern für das Aktionsnetzwerk.

In der Hoffnung, dass Sie zur gewohnten Qualität in der Berichterstattung über auch das politische Geschehen in Leipzig zurückkehren verbleibe ich

Mit freundlichen Grüßen
Willie Wildgrube