Rechte Gewalt in Sachsen auf dem Vormarsch

Zu diesem Schluss kommt der Verein Opferberatung für Betroffene rechter Gewalt in Sachsen und warnt vor dem Anstieg rechtsmotivierter und rassistischer Gewalt. In Dresden nimmt die Häufigkeit rassistisch motivierter Gewalttaten besonders stark zu.+++

257 ANGRIFFE IM JAHR 2014 IN SACHSEN

MASSIVER ANSTIEG RASSISTISCHER GEWALT UM 90%

Im Jahr 2014 zählten die Beratungsstellen für Betroffene rechter und
rassistischer Gewalt des RAA Sachsen e.V. 257 Angriffe mit insgesamt 419
betroffenen Menschen. Damit stieg die Zahl rechtsmotivierter und
rassistischer Angriffe erneut im Vergleich zum Vorjahr an (2013: 223).
In die Statistik fließen ausschließlich Gewaltdelikte ein.

Anstiege sind vor allem in Dresden (48), Landkreis Bautzen (15) und
Landkreis Leipzig (20) zu verzeichnen. Darüber hinaus sind der
Landkreis Nordsachsen (21) und der Erzgebirgskreis (25) wie im Vorjahr
Schwerpunktregionen rechter Gewalt im ländlichen Raum.

Am häufigsten handelt es sich bei rechtsmotivierten und rassistischen
Angriffen um Körperverletzungen (143), gefolgt von
Nötigungen/Bedrohungen/versuchten Körperverletzungen (107).

RASSISTISCH MOTIVIERTE GEWALT NIMMT WEITER STARK ZU

Andrea Hübler, Beraterin bei der Opferberatung: „_Im Jahr 2014
mussten wir erneut feststellen, dass es vor allem einen Anstieg bei
rassistischer Gewalt gab. Mit 162 Angriffen __stieg die Zahl
rassistischer Gewalttaten massiv um 90 Prozent im Vergleich zu 2013._“

Vor allem in Dresden haben die Angriffe mit rassistischem Tatmotiv stark
zugenommen. 36 der 48 in Dresden verübten rechten Angriffe waren
rassistisch motiviert. Im Vorjahr waren das 19 – das ist ein Anstieg
rassistisch motivierter Gewalt in Dresden um 89 Prozent.

_„Es ist auffällig, dass 15 dieser rassistisch motivierten Angriffe
in Dresden erst in den letzten drei Monaten des Jahres verübt wurden.
Die Zunahme steht allem Anschein nach im Zusammenhang mit der zum Teil
offen rassistischen Stimmung, die durch Anti-Asyldemonstrationen und
PEGIDA erzeugt wurde.“ _sagt Andrea Hübler.__

In den Landkreisen Bautzen und Nordsachsen waren rassistische Angriffe
vor allem im Umfeld von neu eröffneten Asylsuchendenunterkünften
festzustellen. Mit der Eröffnung von Heimen in Hoyerswerda, Bautzen
oder Oschatz gab es zahlreiche Bedrohungen und Angriffe gegen
Asylsuchende an den Unterkünften selbst oder aber im Stadtgebiet.

„Menschen die in Deutschland Schutz vor Krieg und Verfolgung suchen,
werden beleidigt, angefeindet und angegriffen. Die Menschen berichten
uns, dass sie Angst haben allein durch die Stadt zu laufen, zum
Einkaufen zu gehen oder gar Kontakte zu knüpfen. Unsere Zahlen zeigen
leider, wie gefährlich die derzeitige Stimmung in Sachsen gegen
Asylsuchende ist. Die Hemmschwelle Gewalt auszuüben sinkt durch
Hetze.“

Des Weiteren richtetet sich rechte Gewalt in Sachsen im Jahr 2014 vor
allem gegen nicht-rechte oder Alternative (46) sowie gegen Menschen, die
gegen rechts aktiv sind (27).

Die Opferberatung des RAA Sachsen e.V. unterstützt in Sachsen seit 2005
Betroffene rechtsmotivierter und rassistischer Gewalt bei der
Bewältigung der Tatfolgen und dokumentiert darüber hinaus diese
Angriffe. Im Jahr 2014 konnten wir sachsenweit in 285 Beratungsfällen
beratend und unterstützend zur Seite stehen.

Quelle: Pressemitteilung RAA Sachsen

Im Video sehn Sie das Interview mit Andrea Hübler, Dresdner Beraterin RAA Sachsen.