Rechts von der Mitte

Neue Studie der Uni Leipzig zeigt: Rassismus und rechtes Gedankengut vorallem in Ostdeutschland weiter stark vertreten.+++

Die rechtsextreme Einstellung ist in Ostdeutschland vor allem ein Jugendproblem, in Westdeutschland dagegen eins der älteren Jahrgänge. Zu diesem Schluss gelangt die Daten und Befragungsauswertung einer repräsentativen Studie der Uni Leipzig.

Im Westen stimmen gut 23 Prozent der Befragten den ausländerfeindlichen Aussagen zu,im Osten sind es mit annähernd 32 Prozent deutlich mehr. Während im Westen in den älteren Gruppen eine Zunahme von Fremdenfeindlichkeit zu finden sind, sieht die Situation im Osten anders aus. Die ab 1981 Geborenen geben eine ähnlich hohe Zustimmung an wie die bis 1930 im Westen Geborenen, nämlich über 31 Prozent.

Als Begründung für die Unterschiede zwischen Ost und West sehen die Leipziger Forscher zwei Hauptursachen. Zum einen ist da die Kontakthypothese: Fast 75 Prozent der Westdeutschen, aber nur gut 36 Prozent der Ostdeutschen haben in der Nachbarschaft oder am Arbeitsplatz Kontakt zu Migranten. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass sich der Kontakt zu Migranten positiv auf die Einstellung ihnen gegenüber auswirkt und dazu beiträgt Vorurteile abzubauen.

Zum anderen wird die vergleichsweise schwierige wirtschaftliche Lage in vielen neuen Bundesländern angeführt, die dazu führt das bei vielen der Alltag zu einem großen Teil fremdbestimmt ist, etwa durch Behörden und Sozialdienstleister. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass Personen, die selbst wenig Kontrolle über ihre Umwelt wahrnehmen rechtsextremen Positionen eher zustimmen.

Seit 2002 untersucht die Arbeitsgruppe um Prof. Elmar Brähler und Dr. Oliver Decker an der Universität Leipzig die rechtsextreme Einstellung in Deutschland. Im Rahmen dieser sozialpsychologischen „Mitte-Studien“ werden im Zwei-Jahres-Rhythmus repräsentative Erhebungen durchgeführt. Die aktuelle Publikation präsentiert Ergebnisse aus den letzten zehn Jahren.