Rede von Helma Orosz auf dem Heidefriedhof

Gemeinsam mit vielen Dresdner gedachte Helma Orosz auf dem Heidefriedhof den Opfern des Krieges und der Bombadierung Dresdens. Ihre Rede lesen Sie auf www.dresden-fernsehen.de +++

Sehr geehrte Damen und Herren,

liebe Dresdnerinnen und Dresdner!

Wie in vielen Jahren zuvor haben wir uns heute hier versammelt, um an dem Tag, da einst der von deutschem Boden über die Welt gebrachte Feuersturm des Zweiten Weltkriegs endgültig auch auf Dresden zurück schlug, der Opfer dieses Krieges, der Opfer der Dresdner Bombennächte und -tage im Februar 1945 zu gedenken.

Ich bedanke mich bei Ihnen allen für Ihr Kommen hierher auf den Heide-Friedhof.

Der Zeitlauf bringt es mit sich, dass unter uns immer weniger Zeitgenossen, immer weniger Dresdnerinnen und Dresdner sein können, die den Krieg, die Bombenangriffe, den Nazi-Terror erlebt und überlebt, die damals Angehörige, Freunde, Nachbarn verloren haben.

Gerade deshalb aber sind wir Jüngeren verpflichtet, die Erinnerung an das, was einst geschah, nicht verblassen zu lassen.

Nicht verblassen lassen dürfen wir, dass die Bomben auf Dresden wie anderswo auf deutschem Boden unschuldige Opfer wie auch Täter trafen.

Nicht verblassen lassen dürfen wir die Erinnerung daran, dass es Nazi-Deutschland war, das andere Völker und Staaten einen Kampf auf Leben und Tod aufzwang;

Das millionenfache Sterben in diesem Krieg, ob auf den Schlachtfeldern,ob in den Bombenkellern, ob in Städten wie Coventry oder Rotterdam, Warschau oder Leningrad oder in Dresden, hat uns dauerhaft die Verpflichtung auferlegt, Versöhnung zu leben und den Frieden immer neu zu erkämpfen!

Friedhof – dieser Begriff bezeichnete im Deutschen ursprünglich ein eingefriedetes Stück Land rings um die Kirche eines Ortes, auf dem die Verstorbenen der Gemeinde bestattet wurden.

Heute verbinden wir den Begriff vor allem mit der Vorstellung von einem „Hof des Friedens“, einem Ort der Trauer, der Stille, der Einkehr, des Gedenkens.

Hier, auf dem Heidefriedhof und in diesen Gräberfeldern, haben Tausende eingeäscherte Opfer der Dresdner Bombennächte vom Februar 1945 ihre letzte Ruhe, ihren Frieden gefunden.

Hier, auf dem Heidefriedhof, wurden auch die Leichname von Zwangsarbeitern, von Kriegsgefangenen, von KZ-Häftlingen und hingerichteten Gegnern der Nationalsozialisten zur letzten Ruhe gebettet.

Das Schicksal all dieser Toten ist uns nahe. Es macht diesen Ort für uns heute auch zu einem Lern-Ort.

Wenn wir uns hier verneigen, gehen wir die Verpflichtung ein, jedem neuen Missbrauch dieses Ortes zu wehren. Vergessen wir nicht: Der Heidefriedhof war nach 1936 auch ein Ort, an dem die Nationalsozialisten ihren Totenkult zelebrierten, um das Volk, vor allem die Jugend, auf den Krieg vorzubereiten.

Und auch die SED-Diktatur verfolgte mit der Errichtung dieser gesamten Anlage ihre eigenen propagandistischen Ziele, die für uns heute manchmal offen und manchmal nur verschlüsselt darliegen.

Doch wir sind es, die heute gedenken. Und wir tragen damit auch die Verantwortung dafür, wie wir es tun. Wenn ich die Sätze hier an der Gedenkmauer lese, dann sind es nicht allein die Bilder von Dresden 1945 die vor meinem geistigen Auge vorbeiziehen. Es sind auch die erschreckenden Nachrichten die uns täglich aus aller Welt erreichen. Ob in Syrien, Afganistan oder Zentral Afrika – Menschen sterben, weil Hass und Vergeltung die Herrschaft übernommen haben. Für sie alle gilt: „Wieviele starben? Wer kennt die Zahl?“

Und gerade weil wir unser Gedenken nicht auf den 13. Februar 1945 beschränken dürfen, ist es so wichtig, dass wir uns den neuen und alten Nazis entgegenstellen, wenn sie versuchen unsere Geschichte zu verleugnen und umzuschreiben.

Der israelische Staatspräsident Shimon Peres sagte vor dem Deutschen Bundestag: „Die Jugend muss sich erinnern, darf nicht vergessen und muss wissen, was geschehen ist. Sie darf niemals, wirklich niemals, an etwas anderes glauben, sich andere Ziele setzen als Frieden, Versöhnung und Liebe.“

Meine Damen und Herren,

verneigen wir uns in diesem Sinne an den Gräbern, legen wir in Stille und Demut unsere Blumen nieder – als Zeichen unseres Willens, gemeinsam ein dauerhaft friedliches, versöhntes Leben zu gewinnen.

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.

Quelle: Landeshauptstadt Dresden