Richtig sitzen und sehen: Risiken der Büroarbeit vermeiden

Im Vergleich zu Arbeitnehmern, die mit körperlich anstrengenden Arbeitsabläufen und schwerem Gerät zu tun haben, muss das Arbeiten im Büro um Welten leichter erscheinen.

Tatsächlich tendiert die Gefahr schwerwiegender Verletzungen im Büroalltag gegen Null, der geschützte Arbeitsplatz im Inneren sorgt außerdem dafür, dass niemand den Elementen ausgesetzt ist.

Das Arbeiten im bedeutet nicht zwingend eine Entlastung für den Körper – tatsächlich können  sich viele Faktoren negativ auf die Gesundheit auswirken.

Langfristig betrachtet ist diese vermeintliche Erleichterung jedoch nicht so groß wie vielleicht erhofft. Das Sitzen an Schreibtisch und PC verursacht sicher nicht die gleichen Beschwerden wie das Arbeiten auf dem Bau, aber trotzdem können verschiedenste Faktoren im Arbeitsumfeld Büro für negative Auswirkungen auf den Körper sorgen. Schlimmer als Stress ist vor allem die schlechte Arbeitshaltung.

So sicher und ungefährlich das Büro auf den ersten Blick auch erscheinen mag, die Risiken für die Gesundheit der arbeitenden Menschen sind dennoch vorhanden. Manche davon sind augenscheinlicher als andere. Die negativen Einflüsse von Klimaanlagen oder schlechten Stühlen gehören zu den auffälligeren Faktoren, nicht nur weil sie unmittelbar sichtbar sind, sondern weil ihre Folgen vergleichsweise unmittelbar auftreten.

 
Auswahl möglicher Risikofaktoren an einem Büroarbeitsplatz. Auflistung nach Nold/Bochmann: Gesundheitsgefahren im Büro: Mögliche Erkrankungen durch Innenraumluft, Seite 2.

Weitaus weniger auffällig, aber dennoch mit spürbaren Effekten auf die Gesundheit, ist das so genannte Sick-Building-Syndrom. Das äußert sich mit einer ganzen Reihe verschiedener Beschwerden, die von Kopfschmerzen, Augenbeschwerden und Hautproblemen bis zu einem Gefühl allgemeinen Unbehagens und Depressionen reichen können. Beschränkt sind sie laut Info-Seite des Umweltbundesamtes vornehmlich auf die Büroräumlichkeiten selbst – nach Verlassen des Arbeitsplatzes gehen die Beschwerden nach einer gewissen Zeit auch wieder zurück.

Die unspezifischen Krankheitsmerkmale können verschiedenen Studien zufolge allerdings nicht, wie lange vermutet wurde, auf eine übermäßige Belastung mit Schadstoffen, beispielsweise flüchtige oder schwerflüchtige organische Verbindungen, zurückgeführt werden. Ausschlaggebend sind viel mehr persönliche Faktoren, etwa das jeweilige Empfinden, aber auch die Tätigkeit oder die Benutzerfreundlichkeit des Arbeitsplatzes.

Die Symptome des Sick-Buildings-Syndroms, wie etwa Kopfschmerzen, sind vornehmlich auf das persönliche Befinden, die Tätigkeit oder die Benutzerfreundlichkeit des Arbeitsplatzes zurückzuführen.

Derartige Befindlichkeitsstörungen sind daher klar zu unterscheiden von den Symptomen der Building-Related-Illness. Dabei handelt es sich um eindeutig definierte Krankheitsbilder, die tatsächlich gebäudebezogene Ursachen haben. Auslöser sind schlechte klimatische Bedingungen und Belastungen durch Schimmelpilzsporen oder Schadstoffausdünstungen, die zu allergischen Reaktionen führen können. Zusätzlich können schlecht gewartete Luftbefeuchtungsanlagen und Warmwasserkreisläufe durch eine zu hohe Belastung mit Bakterien Infektionskrankheiten hervorrufen.

Die am häufigsten auftretenden Bürokrankheiten entstehen durch die Beschaffenheit des Arbeitsplatzes selbst und die daraus resultierenden Folgen für die Haltung. Die Arbeit am Schreibtisch zwingt gewissermaßen zu langen Zeiträumen sitzender Tätigkeit, die allein durch den Stundenumfang weitaus weniger belastungsarm und gesundheitsschonend ist.

Der Bewegungsmangel und die oftmals langfristige einseitige Belastung des Bewegungsapparates für auf Dauer zu Beschwerden im Skelett- und Muskelbereich, schmerzende Verspannungen, entzündete Muskeln können genauso auftreten wie Rückenschmerzen und Bandscheibenprobleme. Fehlt dem Körper der Wechsel zwischen Gehen, Stehen, Sitzen und Liegen ergeben sich darüber hinaus möglicherweise auch Schwierigkeiten mit dem Herz-Kreislauf-System.

Zur Vorbeugung gibt es allerdings zahlreiche Möglichkeiten, den angesprochenen Beschwerden kann also auf verschiedenen Ebenen entgegengewirkt werden. Idealerweise wird schon das Arbeitsumfeld entsprechend den möglichen körperlichen Belastungen angepasst und erlaubt über den Arbeitstag verteilt verschiedene Tätigkeiten, also eine so genannte Mischarbeit. Die hat mehrere Vorteile, in dem sie nicht nur zur körperlichen, sondern auch zur geistigen Beweglichkeit beiträgt.

 

Eine klassische Methode der Prophylaxe ist die Anschaffung eines orthopädischen Bürostuhls, da die Sitzgelegenheit gewissermaßen zu den wichtigsten Arbeitsgeräten des Büroalltags gehört. Ein möglichst rückenschonender Stuhl sollte in seiner Funktionalität allerdings über die höhenverstellbare Sitzfläche, die anpassbaren Armstützen und die feststellbare Rückenlehne hinausgehen – es geht um eine ergonomische Anpassung an die Benutzerbedürfnisse.

Das gilt insbesondere bei schon bestehenden Problemen wie anhaltenden, aber unbestimmten Rückenschmerzen, rheumatischen Erkrankungen oder etwa bei Bandscheibenvorfällen. Aus medizinischer Sicht, so führt ein Ratgeber für ergonomische Sitzmöbel an, ist ein orthopädischer Stuhl jedoch lediglich ein Teilaspekt einer Therapie zur Linderung von Rückenproblemen sein. Bürostühle mit beweglichen Teilen und möglichst rechtwinkligen Ebenen helfen aber durchaus. Noch besser ist zweifelsohne das Durchbrechen der sitzenden Tätigkeit für Bewegungen – nicht nur während der Pausen – zu durchbrechen. Hilfreich ist in diesem Fall, wenn die Arbeitsfläche dazu ausreichend groß bemessen wurde.

Die Büroarbeit nimmt durch ihre oft eintönigen Bewegungsabläufe jedoch nicht allein den Rücken, die Hände, Finger und Arme in Anspruch, sondern auch die Augen. Büroarbeit ist Bildschirmarbeit, die vielfach mehr als einen Monitor für die Bewältigung der täglichen Aufgaben vorsieht. Neben stundenlangem Sitzen bedeutet das ebenso viele Stunden des unablässigen Fokussierens auf den Bildschirm.

Das wird auf Dauer anstrengend für die Augen, die darauf möglicherweise mit Tränen oder Brennen reagieren. Möglich sind auch Augenflimmern oder verschwommenes Sehen, im schlimmsten Fall wird eine Fehlsichtigkeit – insbesondere Kurzsichtigkeit, die durch das mangelnde Training der Fernsicht entstehen kann – verstärkt oder ausgelöst. Die Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit an Bildschirmgeräten, kurz Bildschirmarbeitsverordnung, macht daher konkrete Vorgaben in dieser Hinsicht: So müssen an Arbeitsplätzen, die in den Anwendungsbereich der Verordnung fallen, beispielsweise regelmäßige Untersuchungen von Augen und Sehvermögen angeboten werden.

Büroarbeit bedeutet wegen des stundenlangen Starrens auf den Bildschirm auch für die Augen erhebliche Anstrengungen – die Folgen der Belastung reichen von brennenden Augen bis zu Fehlsichtigkeiten.

Wenig hilfreich sind außerdem schlechte Lichtverhältnisse am Arbeitsplatz. Dabei ist zu viel Licht genauso schädlich wie zu dunkle Arbeitsräume oder zu starke Helligkeitsunterschiede. Die Folge können, abgesehen von den zu erwartenden Augenbeschwerden, Kopfschmerzen, Müdigkeitserscheinungen und Nervosität sein. Deshalb sollten nicht nur die Möbel, sondern auch die Leuchtmittel gegebenenfalls nachgebessert werden, um eventuelle Beschwerden nach Möglichkeit schon vorab auszuschließen. Berücksichtigt werden müssen in dieser Hinsicht:

Das Beleuchtungsniveau, das mindestens bei 500 Lux liegen sollte, in Großraumbüros zwischen 750 und 1.000 Lux. Am ergonomischsten ist eine Mischung aus allgemeiner Beleuchtung und individuell einstellbarer Einzelplatzbeleuchtung.

Die Leuchtdichteverteilung, die durch eine möglichst gleichmäßige Ausleuchtung eine Überforderung des Auges durch zu starke Hell-Dunkel-Kontraste verhindern soll.

Spiegelungen, Reflexionen und Blendungen sollten vermieden werden, wobei zum Beispiel individuell verstellbarer Lichtschutz oder eine entsprechende Gestaltung der Wände helfen können. Selbstverständlich sollten die Bildschirme auch so installiert werden, dass sie von Blendungen und Reflexionen nicht betroffen werden.

Durch unterschiedliche Helligkeiten kommt es täglich zu anstrengenden 4.000 bis 17.000 Pupillenreaktionen. Anstrengung für die Augen bedeuten aber auch Sichtfixationen, also ein langdauernder Blick auf die gleichen Objekte im gleichen Winkel in gleicher Entfernung. Abhilfe schaffen hier beispielsweise Tätigkeitswechsel, weil sie zugleich einen visuellen Belastungswechsel bedeuten, der zur Entspannung der Augen beitragen kann.

 

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