Robin Szolkowy darf kein Sportsoldat sein

Chemnitz (dapd-lsc). Einen Tag vor der Kür in Nizza, die Robin Szolkowy den vierten Paarlauf-Weltmeistertitel bringen soll, hat der Eiskunstläufer eine Niederlage erlitten.

Das Verwaltungsgericht Chemnitz hat am Donnerstag seine Klage auf Wiedereinstellung als Sportsoldat der Bundeswehr abgewiesen. Die Richter kamen damit dem Antrag der Bundeswehr nach.

Die Rechtsmaterie ist kompliziert, aber die Sache im Grunde einfach: Szolkowy und seine Partnerin Aljona Sawchenko haben mit Ingo Steuer den „falschen“ Trainer. Die Verhandlung hatte laut Richter Bernhard Klose zu klären, ob Szolkowy ein den Bundeswehr-Richtlinien entsprechender Trainer zur Verfügung steht. Diese Frage wurde am Ende verneint. Somit muss der Weltklasse-Eisläufer weiter ohne staatliche Förderung auskommen.

Szolkowys Dienstverhältnis in der Sportfördergruppe war 2006 im Gefolge der Affäre um seinen Trainer beendet worden. Eine Förderung als Spitzensportler mit öffentlichen Mitteln verlangt die Benennung eines Trainers durch den jeweiligen Sportverband. Die Deutsche Eislauf-Union (DEU) hat aber mit Steuer kein irgendwie geartetes Vertragsverhältnis.

Der seit 2003 ebenfalls bei der Bundeswehr angestellte Erfolgstrainer wurde 2006 aus der Armee entlassen, weil er seine Spitzeltätigkeit für die DDR-Staatssicherheit in den 1980-er Jahren bei der Einstellung verschwiegen hatte. Wie der Vertreter des Personalamtes der Bundeswehr in der Verhandlung sagte, sei dies Betrug und widerspreche den Anforderungen an eine militärische und sportliche Führungspersönlichkeit. Szolkowys Anwältin bestätigte, dass Steuers Entlassung rechtskräftig ist.

„Wenn wir Herrn Steuer beauftragen würden, müssten wir ihn auch bezahlen. Das können und dürfen wir aber nicht“, erläuterte DEU-Anwalt Uwe Harnos als einziger Zeuge vor Gericht. Der Verband erhält Bundesmittel für den Spitzensport, die das Bundesinnenministerium bei einer Beauftragung Steuers sofort streichen würde. „Dann wäre der Verband pleite“, stellte Harnos klar.

Steuer sei ein „selbst gewählter Privattrainer“ des Spitzenpaars, ohne jegliche finanzielle Leistung der DEU. Ansonsten tue der Verband alles, „was in unserer Macht steht, um Aljona und Robin sportlich voranzubringen“. Er kümmere sich beispielsweise um die Akkreditierung des Trainers bei internationalen Wettkämpfen und habe Szolkowys Antrag um Wiederaufnahme als Sportsoldat unterstützt. Dies sei quasi ein „Nichtangriffspakt“.

Wie Szolkowys Anwältin Karl Vogt-Röller nach der Verhandlung andeutete, sei der Gang bis vors Bundesverwaltungsgericht denkbar. Aus ihrer Sicht agiert auch die DEU halbherzig zwischen Medaillenrausch und finanziellem Druck. Hier seien klare politische Festlegungen nötig. Richter Klose formulierte es in seinem Schlusswort so: „Irgendwann wird der Einstellungsbetrug von 2003 nicht mehr so relevant sein.“

dapd