Rollende Schutzengel zum 13. Februar unterwegs

Dresden - Klingende Engelsfiguren der norwegischen Künstlerin Marit Benthe Norheim werden rund um das Gedenken zum 75. Jahrestag der Kriegszerstörung Dresdens in der Stadt unterwegs sein. Die Rolling Angels sind ein Projekt des Kunsthauses. Bis zum 16. Februar sind die Engel, begleitet von sechs Vermittlern, in Dresden auf beiden Elbseiten unterwegs. Zur Gedenkveranstaltung am 13. Februar sind sie vorm Kulturpalast zu sehen, bevor sie sich entlang der Menschenkette verteilen.

© Anja Schneider
© Anja Schneider

Rolling Angels ist ein Projekt zeitgenössischer Kunst des städtischen Kunsthauses: Siebzehn große rollende Engelsskulpturen der norwegisch-dänischen Künstlerin Marit Benthe Norheim, ausgestattet mit einer Klanginstallation des norwegischen Komponisten Geir Johnson, sind täglich begleitet von sechs Vermittlern und Vermittlerinnen vom 5. bis zum 16. Februar im Dresdner Stadtraum auf beiden Elbseiten unterwegs.

Engel oder Schutzgeister sind als Motiv unterschiedlichen Mythologien und Religionen gemeinsam – Judentum, Islam, Christentum und auch der Buddhismus kennen sie. Als Boten und Mittler stehen sie für Trauer, aber auch deren Überwindung. Der Auftakt des Kunstprojektes fand in Anwesenheit des Dresdner Oberbürgermeisters Dirk Hilbert sowie der norwegisch-dänischen Künstlerin und des norwegischen Komponisten am Dienstag vor dem Dresdner Kulturpalast statt. Die Engelsskulpturen waren erstmals auf dem Vorplatz zu sehen.

Die Engelsskulpturen, geformt aus weißem Beton, stehen für die existentiellen Bedürfnisse von Menschen in allen Kulturen und werden unter anderem als Beitrag zu der zentralen Gedenkveranstaltung am 13. Februar zwischen 14 und 16 Uhr vor dem Dresdner Kulturpalast zu sehen sein, bevor sie sich im Anschluss entlang der Menschenkette verteilen. 

Die Schutzengel der Künstlerin mischen sich unter die Menschen, auf ihren Rollen bewegen sie sich über den Asphalt unserer Städte. Ausgeformt mit unterschiedlichen Charakteren – so gibt es unter ihnen einen ‚schüchternen’ ebenso wie einen ‚schwangeren’, aber auch einen Engel mit einem ‚Schnitt’ oder einer Verletzung. Sie sind wie Paul Klees geflügelte Wesen und die Engel in Wim Wenders „Himmel über Berlin“ den Menschen in ihren Zweifeln und Sorgen, aber auch ihrer Freude und Hoffnung und der Suche nach Frieden nah.

Zwei der Engel wurden von der Künstlerin auf Einladung des Kunsthauses anlässlich des 75. Jahrestages der Kriegszerstörung und des Endes des Zweiten Weltkrieges für Dresden geschaffen und werden in Dresden verbleiben. In ihren Armen und auf den Flügeln tragen sie die Erinnerung an die Toten der Shoa, des Zweiten Weltkrieges in Europa und der immer noch anhaltenden kriegerischen Gewalt gegen Menschen überall in der Welt.

Marit Benthe Norheim (*1960) ist als Bildhauerin und bildende Künstlerin vor allem für ihre großformatigen und langjährigen Projekte bekannt, unter anderem die schwimmende Skulpturen-Installation Life Boats unter Beteiligung von Hunderten Freiwilligen sowie 18 Zeitzeuginnen, die erstmals 2017 anlässlich der Europäischen Kulturhauptstadt in Aarhus präsentiert wurde. Ihre Skulpturen und großformatigen Projekte kreisen immer wieder um kulturelle und menschliche Werte, die über Staatsgrenzen hinweg gelten. Marit Benthe Norheim lebt und arbeitet in Hjørring, Dänemark. Geir Johnson (*1953) lebt und arbeitet als zeitgenössischer Komponist in Oslo, Norwegen.

Rolling Angels wird begleitet von der Ausstellung Requiem zu aktuellen Perspektiven der Trauer und des Gedenkens, die vom 9. Februar bis zum 26. April im Kunsthaus Dresden zu sehen ist.