Rollstuhlrugby-Nationalteam in Chemnitz

Chemnitz – In der Sporthalle des SFZ-Förderzentrums in Chemnitz ging es am Wochenende ordentlich zur Sache. Deutschlands beste Sportler im Rollstuhlrugby legten sich in harten Trainingseinheiten voll ins Zeug und beanspruchten sich und ihr Material aufs Äußerste.

Mittendrin befand sich ein alter Bekannter – Swen Michaelis. Der 36-jährige gebürtige Chemnitzer hatte als Schwimmer des BFV Ascota an insgesamt vier Paralympischen Spielen teilgenommen. In den Jahren 2000 und 2004 hatte er über 100m Rücken bzw. 200m Lagen einmal Silber und einmal Bronze gewonnen. Der mit Dysmelie – der Fehlbildung von drei Gliedmaßen – geborene Michaelis hatte nach dem Ende seiner aktiven Schwimmerlaufbahn nach einer anderen Sportart gesucht. Diese fand der mittlerweile in Leipzig lebende Athlet im spannenden und rasanten Rollstuhlrugby.

In seiner neuen Sportkarriere spielt Swen Michaelis in der 2. Bundesliga für die „Elbbumpers Biederitz“ und für das Deutsche Nationalteam. Etwa 400 Aktive üben diesen Sport in Deutschland aus, der Ende der 1970er Jahre in Kanada entwickelt wurde. Die Rollstühle bestehen aus Aluminium und sind Spezialanfertigungen, die zwischen 8.000 und 10.000 Euro kosten. Je nach Position – Angriff oder Abwehr – sind sie unterschiedlich geformt. Die Teams müssen dabei unter Zeitdruck ihre Angriffe spielen und wie beim herkömmlichen Rugby, den Ball in die Endzone des Gegners befördern.

In Chemnitz bereitet sich das Nationalteam auf sein nächstes Großereignis vor – die Europameisterschaft Ende Juni im eigenen Land. Bei der vergangenen EM in Finnland vor zwei Jahren hatte die deutsche Mannschaft den 4. Platz erreicht. Nun sollen die Grundlagen geschaffen werden, um vor heimischen Publikum möglichst gut abzuschneiden und die WM-Qualifikation zu schaffen.

Die Teilnahme an den Weltmeisterschaften wäre auch für Swen Michaelis noch ein weiterer Meilenstein in seiner erfolgreichen Sportlerkarriere. Diese finden 2018 in Sydney statt – dort wo der 36-Jährige vor siebzehn Jahren seinen größten sportlichen Triumph im olympischen Schwimmbecken feiern konnte.