Routine im Kreißsaal: Mehr Sicherheit für Neugeborene

Am Freitag treffen sich in Dresden cirka 200 Ärzte und Forscher aus zwölf europäischen Ländern, Mexiko und den USA auf dem ersten europäischen Symposium zur Erstversorgung Neugeborener im Kreißsaal.

Viele Routine-Abläufe in Kreißsälen beruhen auf Erfahrungswerten der Mediziner, sind aber oft nicht wissenschaftlich abgesichert. Auf dem Symposium – das erste Treffen dieser Art auf europäischer Ebene – werden die neuesten Ergebnisse von Studien zum Vorgehen im Kreißsaal vorgestellt. Die Teilnehmer erhalten außerdem einen Überblick zu gerade laufenden und künftig geplanten Forschungsvorhaben und werden Ideen für weitere Studien diskutieren. Organisiert wird das von der Else-Kröner-Fresenius-Stiftung unterstützte Symposium vom Bereich Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden. 

„Wir wollen erreichen, dass das Vorgehen im Kreißsaal besser durch verlässliche Daten abgesichert ist und die wirklich nachweislich effektiven Maßnahmen bei der Erstversorgung zum Einsatz kommen“, erläutert Prof. Mario Rüdiger das Hauptanliegen des Symposiums. Der Leiter des Bereichs Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin am Uniklinikum Dresden benennt ein besonders anschauliches Beispiel: Bisher bekamen Neugeborene bei Atemproblemen immer 100prozentigen Sauerstoff. Neue Studien zeigen jedoch, dass das für Neugeborene eher schädlich ist – die Todesraten waren bei der Gabe von 100prozentigem Sauerstoff höher als bei der Gabe von „normaler“ Atemluft.

Auch das Kühlen von Neugeborenen, die unter der Geburt Sauerstoffmangel erlitten, ist Thema der Tagung. Mehrere Studien haben gezeigt, dass durch Senken der Körpertemperatur bei diesen Kindern neurologische Folgeschäden verringert werden können. Daher muss diese Therapie in Zukunft an großen Perinatalzentren angeboten werden. Gleichzeitig muss aber auch sichergestellt werden, dass die Ergebnisse der Behandlung zentral erfasst und ausgewertet werden – ein Vorgehen, wie es in der Krebstherapie bereits Routine ist. Ein nicht nur für Ärzte besonders schwieriger Aspekt sind die auf dem Symposium angesprochenen ethischen Entscheidungen im Kreißsaal bei extrem Frühgeborenen an der Grenze zur Überlebensfähigkeit. Hier unterscheidet sich das Vorgehen in den einzelnen europäischen Ländern sehr deutlich.

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