„Russenkälte“ weg – kommt jetzt der Frühling?

In den letzten Wochen hat der Winter ordentlich Gas gegeben.

Die ersten Wochen im Februar brachten einen so massiven Kälteeinbruch, wie wir ihn zuletzt im Februar 1986 erleben durften. Das macht sich auch bei der aktuellen Klimastatistik bemerkbar. Der Februar ist bisher deutschlandweit rekordverdächtige 8,5 Grad kälter als im langjährigen Mittel.

Aber werfen wir doch mal einen Blick auf die aktuelle Zwischenbilanz des meteorologischen Winters 2011/2012. Und da hat sich erstaunliches getan. Während der Winter bis Ende Januar im ganzen Land deutlich zu warm war, ist er nun im Vergleich zur amtlichen Referenzperiode von 1961 bis 1990 wieder auf ein Normalmaß zurückgefallen. Der Winter ist mit deutschlandweiten 0,6 Grad um 0,4 Grad wärmer als im langjährigen Mittel.

„Vergleichen wir dagegen direkt mit den Wintern der letzten 30 Jahre, also von 1991 bis 2010 war der Winter bisher sogar um 0,2 Grad kälter als im langjährigen Mittel“ erklärt Wetterexperte Dominik Jung vom Wetterportal WETTER.NET. Verglichen mit diesem Zeitraum war übrigens nicht nur dieser, sondern auch die letzten drei Winter allesamt kälter.

Im Gegensatz zum Winter 2010/2011 verlief der Winter 2011/2012 fast schon spiegelbildlich. Während der letzten Winter einen eiskalten Frühstart hinlegte und dann als milder Zeitgenosse zu Ende ging, ist es dieses Mal genau anders: Der Winter begann mild, regnerisch und stürmisch und wurde erst im letzten Drittel richtig eisig.

Die milden Tage um den Jahreswechsel hatten die Natur bereits in Frühlingswallungen versetzt: erste Frühblüher trieben aus, Erle- und Haselpollen flogen durch die Luft und Tiere erwachten aus dem Winterschlaf. Doch dann kam der herbe und auch für viele Menschen unerwartete herbe Rückschlag.

Die russischen Kältehochs haben sich nun zurückgezogen und die Temperaturen sind auf ein für die Jahreszeit überwiegend normales Niveau geklettert. Doch der Winter lässt auch aktuell nicht locker. Der Mittwoch brachte dem Süden eine Schneewalze und auch heute Morgen gibt es verbreitet extreme Glätte durch überfrierende Nässe.

Da stellt sich die Frage: Wann kommt denn nun endlich der Frühling?

„Der Frühling wird noch eine ganze Weile auf sich warten lassen und wird dieses Jahr zum Spätzünder“ so Diplom-Meteorologe Jung. Der extreme Kälteeinbruch hat seine Spuren hinterlassen. Am Samstag werden im Westen seit langem mal wieder Temperaturen bis 10 Grad erwartet. Doch schon am Sonntag ist damit wieder Schluss. Bei 0 bis 4 Grad gibt es wieder bis ganz runter Schneefälle. Auch am Rosenmontag ist es weiterhin kalt mit Höchstwerten knapp über dem Gefrierpunkt. Zur Wochenmitte wird dann wieder eine leichte Milderung Richtung 10-Grad-Marke erwartet, doch schon Richtung letztem Februarwochenende wird es wieder kälter.

Der späte Winter macht sich auch noch in der ersten Märzhälfte bemerkbar. Von Frühlingsluft ist zunächst nicht wirklich viel zu spüren. Bis in den Monat hinein kann es immer wieder kühle Phasen mit Regen-, Schnee- und Schneeregenfällen geben. Der Frühling lässt sich nach Berechnungen des Langfristmodells von WETTER.NET weiter Zeit.

Der Lenz wird sich dieses Jahr vermutlich erstmalig und ziemlich plötzlich in der zweiten Märzhälfte einstellen. Dann sind Werte bis 15, örtlich sogar noch etwas darüber möglich und die Natur erwacht endgültig aus dem Winterschlaf.

Rund um Ostern erwarten wir in den Alpen noch gute Wintersportbedingungen. Auch in den Mittelgebirgen kann der zunächst recht wechselhafte April noch den einen oder anderen Schneeschauer bringen. Ein sonniges und trockenes Osterfest wie im vergangenen Jahr erwarten wir dieses Mal nicht. Nach Monatsmitte beruhigt sich die Wetterküche aber wieder und der April mit Werten bis 20 Grad wieder freundlicher.

Der Mai verspricht dieses Jahr wieder zu einem echten Wonnemonat zu werden. Viel Sonnenschein wird den Monat dominieren, zur Monatsmitte wird es einige Sommertage um oder über 25 Grad geben.

Insgesamt erwarten wir von den Temperaturen einen überwiegend durchschnittlichen Frühling und keinen Extremfrühling wie im vergangenen Jahr. Damals gab es das wärmste, sonnigsten und trockenste Frühjahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Dieses Jahr erwarten wir mehr Feuchtigkeit. Das wird vor allem die Landwirte freuen. „Die einzige Gefahr sind sehr späte Nachtfröste, die sich dieses Jahr wieder bis in den Mai erstrecken können“ warnt Wetterexperte Jung.