Russisch-US-amerikanische Schriftstellerin Masha Gessen gewinnt Leipziger Buchpreis

Leipzig - "Können wir Geschichten über die Zukunft erzählen? Können wir sie so gestalten, dass die Zukunft die Zukunft und nicht Geschichte ist?" Mit dieser Frage beendete Masha Gessen am Mittwochabend ihre Laudation während der Auftaktveranstaltung zur Leipziger Buchmesse im Leipziger Gewandhaus.

Die russisch-US-amerikanische Journalistin und Schriftstellerin wurde der Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung für ihr Buch "Die Zukunft ist Geschichte. Wie Russland die Freiheit gewann und verlor" verliehen. Der umfangreich faktografische Roman erzählt von den individuellen Tragödien vier russischer Menschen, ihren Hoffnungen und gescheiterterten Aufbrüchen in einem post-sowjetischem Russland. Ein politisches Buch, das von Ausgrenzung und Mundtotmachung von Minderheiten spricht.

Oberbürgermeister Jung meldet sich zu Wort

Er redete von politischen aufgeladenen Zeiten, die wichtige Bücher wie dieses hervorbringen würden.

"Wir brauchen in diesen politisch stürmischen Zeiten viele Aktionen, Personen, Menschen, die mit heißem Herzen für Demokratie und Freiheit eintreten, um dem Streit, der Aggression, der Gewalt die Stirn zu bieten und Respekt, Kompromisse und die politische Auseinandersetzung suchen. Ich bitte sie, lasst und streiten, aber mit Respekt, auf dieser Buchmesse", so Jung.

"Demokratie braucht Sprachkünstler, Querdenker und Freigeister"

Staatsministerin für Kultur und Bildung Prof. Monika Grütters sprach von Verständigung die mehr Weitblick und Expertise bedarf, als ein Post oder Tweet.

"Verständigung braucht die Kraft der Poesie. Braucht Dichterinnen und Dichter, die mehr sagen als sich im Gemurmel der Worte verbirgt. Kurz: Demokratie braucht Sprachkünstler, Querdenker und Freigeister und dazu Verlegerinnen und Verleger, die sich als deren Wegbereiter verstehen", erklärt Grütters.

Musikalische Untermalung

Neben weiteren Ansprachen spielte das Gewandhausorchester zu Ehren des diesjährigen Gastlandes der Leipziger Buchmesse, Tschechien, Stücke von Smetana und Janáček und rundeten die festliche Auftaktveranstaltung ab.