Sachsen rechnet weiter mit extremen Wetterlagen

Dresden – Aktuell präsentiert sich der Winter in der Landeshauptstadt und vielerorts in Sachsen von seiner schönsten Seite. Nach einer kurzen Eiszeit im Januar rechnen Wetterexperten in den nächsten Tagen mit Tauwetter. Ist der Winter bereits zu Ende? Hier bleiben die Meteorologen derzeit noch vorsichtig. Nach einem deutlich zu warmen Jahr 2016 rechnen sie aber auch in diesem Jahr in Sachsen mit insgesamt zu warmen Temperaturen.

Mit seinen Besonderheiten im Witterungsverlauf steht auch das Jahr 2016 beispielhaft für den voranschreitenden Klimawandel in Sachsen. Sichtbar wurden auch Auswirkungen, die mit dem Witterungsverlauf aus den Vorjahren in Verbindung stehen. Dieses Fazit haben Klima,- Wetter-, Landwirtschafts- und Forstexperten heute (26. Januar) auf dem 5. Jahrespressegespräch „Wetter trifft auf Klima“ in Dresden gezogen. Zugrunde liegt eine gemeinsame Auswertung des Landesumweltamtes und des DWD, wie sich die Witterungen und Wetterphänomene in die sächsische Klimadiagnose einordnen. Als Bezug für die Bewertung dient die Klimareferenzperiode 1961-1990.

Danach war das Jahr 2016 mit +1,4 Grad „viel zu warm“. Alle Jahreszeiten lagen teilweise erheblich über ihrem Referenzwert für die Lufttemperatur und die Sonnenstunden. Besonders auffällig war der „extrem zu warme“ Winter 2015/16 mit +3,6 Grad. Im Dezember 2015 betrug die Abweichung sogar +5,9 Grad. Beim Niederschlag hingegen war die Jahresbilanz 2016 ausgeglichen, allerdings mit deutlichen regionalen Unterschieden: weniger Niederschlag in den westlichen und mehr Niederschlag in den östlichen Landesteilen Sachsens. Diese untypische Zweiteilung mit „Vorteilen“ für die östlichen Landesteile resultierte aus den Niederschlägen Ende Mai/Anfang Juni. Damals gab es eine Abfolge unwetterartiger Gewitter mit Starkregen, Hagel und Blitzaktivität ungewöhnlichen Ausmaßes. Vom wiederholt „zu trockenen“ Frühjahr waren alle Landkreise in Sachsen betroffen. Die Nie-derschlagsdefizite lagen zwischen 9,4 Prozent im Raum Dresden und 37,8 Prozent im Leipziger Raum.

Licht und Schatten bei den Auswirkungen des Klimawandels liegen oft dicht beieinan-der. Insbesondere die Buchen litten unter der über mehrere Jahre anhaltenden Trockenheit und zeigten sogenannte „Burn-Out“-Symptome. Auf der anderen Seite begünstigte die warme Witterung trotz regional unterschiedlich erschwerter Aussaat- und Erntebedingungen die Erträge in der Landwirtschaft. Das Ertragsniveau fast aller Hauptkulturen lag über dem Durchschnitt der letzten Jahre. Im Weinbau wird nach vorläufigen Daten eine Rekordernte von deutlich über 27.000 Hektolitern erwartet.

Die Wirkungen der Witterungen auf die Luftqualität waren differenziert: Im September sorgten die hohen Lufttemperaturen (+3,4 Grad) und intensiver Sonnenschein (+49 Prozent) für eine zu dieser Jahreszeit ungewöhnlich hohen Ozonbelastung. Zum Bei-spiel wurde in Radebeul-Wahnsdorf mit 68 Mikrogramm pro Kubikmeter der zweit-höchste Septembermittelwert der letzten 15 Jahre gemessen. Höher war nur der Wert im September 2003 (72 Mikrogramm pro Kubikmeter). Die letzten drei „sehr“ bzw. „extrem milden“ Winter in Folge haben zur Reduzierung der Feinstaubbelastung bei-getragen. 2016 wurde der EU-Feinstaubgrenzwert wie schon 2015 an allen sächsi-schen Messstationen deutlich unterschritten.

Quelle: Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie