Sachsen wollen Zusammenarbeit mit St. Petersburg weiter ausbauen

Ministerpräsident Stanislaw Tillich wird mit Vertretern der Landeshauptstadt, der Wirtschaftsförderung Sachsen sowie der Wirtschaft und der Wissenschaft im Oktober nach St. Petersburg reisen. +++

 „Das Venedig des Nordens und unsere Landeshauptstadt Dresden feiern in diesem Jahr das 50-jährige Jubiläum ihrer Städtepartnerschaft. Diesen Anlass wollen wir gemeinsam für die Intensivierung unserer Zusammenarbeit mit St. Petersburg in den Bereichen Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur nutzen“, sagte Ministerpräsident Stanislaw Tillich heute. „Sachsen und Russland verbinden historisch gewachsene und vielfältige Beziehungen, vor allem auch in wirtschaftlicher Hinsicht.  Sächsische Unternehmen konnten im vergangenen Jahr Waren im Wert von rund 718 Millionen Euro nach Russland verkaufen, 200 Millionen mehr als noch im Jahr 2009“, sagte Tillich. 

Vor allem gebe es mit St. Petersburg hervorragende Anknüpfungspunkte in der Automobilindustrie. „Hyundai, Toyota, General Motors, Suzuki und Nissan haben die zweitgrößte russische Stadt inzwischen als Produktionsstandort ausgewählt. Ford ist bereits seit 2005 im Leningrader Gebiet tätig, während die Magna-Gruppe sich mit einem Zulieferbetrieb in St. Petersburg angesiedelt hat. Damit verfügt die Stadt über eine ausgezeichnete Basis, um sich als eines der wichtigsten Automobilzentren in Russland zu etablieren“, unterstreicht der Ministerpräsident im Vorfeld seiner Reise an die Newa die Bedeutung St. Petersburgs für das „Autoland Sachsen“. 

„Wenn all diese Werke ihre volle Produktionskapazität erreicht haben, sollen jährlich eine Million Autos in St. Petersburg produziert werden. Unsere Unternehmer mit ihrem breiten Spektrum an Wissen und Erfahrung in Forschung und Produktion, Unternehmen wie Volkswagen, BMW und Porsche mit hochmoderner Produktpalette und eine leistungsstarke Zuliefererindustrie wollen St. Petersburg auf dem Weg zur ‚russischen Autoregion Nr. 1’ unterstützen“, kündigte Tillich an. 

Der Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Sachsen GmbH (WFS), Peter Nothnagel, betont: „In Sachsen können Hersteller, Zulieferer und Ausrüster mit einer Vielzahl von Forschungs- und Ingenieureinrichtungen eng zusammenarbeiten. Durch den Technologie- und Wissenstransfer sind wir nah dran an Zukunftsthemen wie der Elektromobilität.“ 

Die Kernkompetenzen aus Sachsens Wirtschaft und Wissenschaft stellt die WFS am 3. Oktober in einem Wirtschaftsforum zur Automobilindustrie vor. Es widmet sich insbesondere der ressourceneffizienten Produktionstechnik, der modernen Ausstattung von russischen Automobilwerken und Zuliefererbetrieben sowie dem Ausbau von Forschungskooperationen. Ministerpräsident Tillich und der  Gouverneur von St. Petersburg, Georgi Sergejewitsch Poltawtschenko, werden es gemeinsam eröffnen.  

Noch am gleichen Tag werden beide Politiker zusammen mit dem Ersten Bürgermeister Dresdens, Dirk Hilbert,  über die Vertiefung der Zusammenarbeit zwischen Sachsen und St. Petersburg nicht nur im Bereich der Wirtschaft, sondern ebenso in der Wissenschaft und Forschung sprechen. Grundlage ist die 2008 gegründete Arbeitsgruppe Sachsen – St. Petersburg.     

Ein darüber hinaus vorgesehener Besuch im Werk von General Motors ist möglicherweise bereits ein direkter Türöffner für sächsische Unternehmen. Der international agierende Logistikdienstleister und Zulieferer der Automobilindustrie, die auch in Sachsen ansässige Schnellecke Group AG & Co. KG, ist bereits seit 2009 als Dienstleister für den amerikanischen Autohersteller in St. Petersburg im Bereich der Montage von Vorder- und Hinterachsen tätig und beliefert die dortige Montagelinie.

Schüleraustausche, Begegnungen zwischen Künstlern und Sportlern, Theater-, Literatur- und Filmprojekte, Hochschul- und Forschungskooperationen prägen heute die Beziehungen zwischen Dresden und St. Petersburg. Allein im 50. Jahr der Städtepartnerschaft finden über 40 Veranstaltungen in Dresden statt. Musiker und junge Tänzer aus Dresden und St. Petersburg  lockten mit ihren Aufführungen im Juni beispielsweise über 2000 Besucher nach Hellerau. „Ich freue mich, dass wir die vielfältige Zusammenarbeit zwischen Vereinen und Initiativen, die sich so gut entwickelt hat, immer stärker auch durch fachliche Kooperationen von Unternehmen, Verwaltungen und Wissenschaftseinrichtungen ausbauen können“, sagte Dresdens Erster Bürgermeister. So seien die Petersburger Partner insbesondere an Gesprächen zur Verkehrsplanung und Verkehrsinfrastruktur interessiert. 

Vertreter von Dresdner Unternehmen aus dem Bereich Verkehrsplanung, der Stadtplanungsamtsleiter von Dresden, Stefan Szuggat, und der Vorstand Finanzen und Technik der Dresdner Verkehrsbetriebe AG, Reiner Zieschank, tauschen sich am 3. Oktober mit Verkehrs- und Infrastrukturexperten der Petersburger Verwaltung und russischen Unternehmern in einem Workshop zu Fragen der Verkehrsinfrastruktur und Verkehrsplanung aus. 

„Außerdem wollen beide Seiten den Austausch, den die Stadt vor zwei Jahren gemeinsam mit ‚Silicon Saxony‘ im Bereich Mikrosystemtechnik angestoßen hat, intensivieren“, so Hilbert weiter. 

Beim Mikrosystemtechnik-Seminar am 4. und 5. Oktober kommen zwölf Vertreter von Unternehmen und Forschungseinrichtungen des Branchenverbands „Silicon Saxony“ mit rund 30 russischen Partnern ins Gespräch. Anknüpfend an das Wirtschaftsforum Dresden – St. Petersburg, das im Juni an der Elbe stattgefunden hat, wird es nun in St. Petersburg vorrangig darum gehen, technisches Wissen über Fertigungstechnologien und Vermarktung zu vermitteln. Zudem sind einige Firmen sehr interessiert am Ausbau der Zusammenarbeit zwischen „Silicon Saxony“ und dem mit sächsischer Unterstützung initiierten Mikroelektronik-Netzwerk „mems-Russia“.

Am Nachmittag des 3. Oktobers werden etwa zehn russische Absolventen an sächsischen Universitäten, die heute in St. Petersburg und Umgebung arbeiten, in der Bergbauuniversität auf die sächsische Delegation treffen. „Diejenigen, die an unseren Hochschulen studiert haben, können als Brücke zwischen Dresden und St. Petersburg für Unternehmen, Verwaltung und Universitäten dienen“, so Dirk Hilbert. Um auch im Goethe-Institut in St. Petersburg, das sich über eine steigende Teilnehmeranzahl an den Deutschkursen freut (2010: 2120; 2011: bislang 2180), eine Verbindung zur Städtepartnerschaft mit Dresden zu schaffen, wird Kulturbürgermeister Ralf Lunau  den größten Unterrichtsraum im Institut auf den Namen „Dresden“ taufen und Fotos, Broschüren und kleine Geschenke überreichen.   

Darüber hinaus erhält die Delegation auch einen Einblick in die seit 1991 bestehende Zusammenarbeit zwischen der Hochschule für Musik „Carl Maria von Weber“ und dem Rimski-Korsakow-Konservatorium in St. Petersburg. Diese lebt durch Studentenaustausche und insbesondere durch die jährlichen Dresden-Besuche der Klavierprofessorin Ljubow Rudowa mit jungen, hochtalentierten Musikern ihrer Hochbegabtenklasse. Sie geben in der Landeshauptstadt Benefizkonzerte. Die erzielten Erlöse kommen den Schülern der Hochbegabtenklasse für Ausbildungszwecke zugute. 

Musikalisch geht es am Abend des 4. Oktobers weiter. Über 90 Mitglieder der Dresdner Philharmonie unter Leitung von Michael Sanderling geben im Großen Saal der Akademischen Schostakowitsch-Philharmonie in St. Petersburg ein Konzert. Die Musiker führen Werke von Joseph Haydn und Johannes Brahms auf.    

Musikalisch geht es am Abend des 4. Oktobers weiter. Über 90 Mitglieder der Dresdner Philharmonie unter Leitung von Michael Sanderling geben im Großen Saal der Akademischen Schostakowitsch-Philharmonie in St. Petersburg ein Konzert. Die Musiker führen Werke von Joseph Haydn und Johannes Brahms auf.    

„Damit präsentieren wir neben unserer Leistungsfähigkeit im Bereich der Automobilproduktion und -forschung auch ein kulturelles Glanzstück. Es ist Geschenk Dresdens an seine Partnerstadt und Werbung für sächsische Kultur zugleich“, sagte Ministerpräsident Tillich.

Ein weiterer Programmhöhepunkt ist der Empfang des Freistaates Sachsens, der Landeshauptstadt Dresden und des Deutschen Generalkonsulats in St. Petersburg anlässlich der Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit für rund 500 Gäste im Michailowskij Schloss. 

Hintergrund zur Städtepartnerschaft Dresden – St. Petersburg:

Seit 50 Jahren besteht die Städtepartnerschaft zwischen Dresden und St. Petersburg. Kultureller, wirtschaftlicher und wissenschaftlicher Austausch zwischen beiden Städten haben Geschichte, nicht nur wenn man an Peter I. denkt, der noch vor der Gründung des „Venedig des Nordens“ mit seiner Großen Gesandtschaft Elbflorenz im Jahre 1698 besuchte. Die Kunstkammer von August dem Starken inspirierte Peter den Großen für den Aufbau einer eigenen  Kunstkammer. Zarin Katharina die Große erwarb für die Eremitage große Teile der Sammlung des Grafen von Brühl nach dessen Tod im Jahr 1763. Der bedeutende russische Schriftsteller Fjodor Dostojewski, der in jungen Jahren nach St. Petersburg gezogen war, besuchte Dresden regelmäßig und lebte mit seiner Familie zwischen 1869 und 1871 in der sächsischen Residenzstadt. Auch der Pianist und Komponist Anton G. Rubinstein, der 1862 das Petersburger Konservatorium gründete, besuchte in dieser Zeit mehrfach Dresden und schuf hier einige seiner letzten Werke. Der Petersburger Ober-Bauintendant Fürst Nikolai Abramowitsch Putjatin zog Ende des 18. Jahrhunderts mit seiner Gattin nach Kleinzschachwitz und baute eine extravagante Villa. Das Putjatinhaus erinnert heute noch daran. So gab es zahlreiche Verbindungen zwischen diesen beiden Städten, die dann im 20. Jahrhundert, vor genau 50 Jahren, eine Städtepartnerschaft vereinbarten.

Quelle: Sächsische Staatskanzlei

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