Sachsens einziger Pharmazie-Studiengang weiter auf der Kippe

Schon seit 2011 ist die Zukunft des Pharmazie-Studiengangs an der Universität Leipzig ungewiss. Erst sollte er schon damals komplett wegfallen, blieb aufgrund von Studentenprotesten aber erhalten. Nun steht der Fortbestand erneut zur Diskussion. +++

Wie die SPD-Fraktion im Sächsischen Landtag mitteilte, hatten sich die Regierungsparten CDU und FDP im Wissenschaftsausschuss am Montag gegen einen weiteren Erhalt gestimmt. Allerdings hat das zuständige Ministerium bisher keine klare Position bezogen.

Die Frage, ob das Pharmazie-Institut in Leipzig geschlossen wird und damit der einzige Studiengang dieser Art in Sachsen auf lange Sicht wegfällt, blieb bisher unbeantwortet. Holger Mann, bildungspolitischer Sprecher der sächsischen SPD kritisierte dieses Vorgehen scharf: „Seit November 2011 steht die Zukunft des Instituts in den Sternen. Die schwarzgelbe Staatsregierung ist bisher nicht in der Lage, eine verbindliche Position einzunehmen. Das Staatsministerium für Wissenschaft und Kultur (SMWK) sitzt die Sache offensichtlich aus.“

Die Entscheidung, wie es nun mit dem Studiengang weitergeht, wurde nach Meinung der SPD erneut auf die Universität Leipzig abgewälzt, die damit erneut in einer Zwickmühle steckt: „Laut dem Hochschulentwicklungsgesetz müssen wir Stellen streichen. Dazu sind wir verpflichtet. Es gab viele Argumente dafür, den Rotstift auch bei der Pharmazie anzusetzen. Aber auch einige dagegen. Letztendlich musste sich die Uni Leipzig entscheiden. Fakt ist aber auch, dass Streichungen im Hochschulbereich generell schmerzhaft sind.“, so Uni-Pressesprecher Carsten Heckmann. 

Die erneute Debatte ist eigentlich eine politische. Denn die Vorgaben durch das Hochschulentwicklungsgesetz sind eindeutig. Einsparungen und Stellenstreichungen an den Universitäten. Dass dabei gerade die Pharmazie in Leipzig wegfallen muss, ist angesichts des stets befürchteten Fachkräftemangels im Freistaat allerdings doppelt bitter. „Die Staatsregierung und Regierungskoalitionen gehen fahrlässig mit diesem Aspekt der Fachkräftesicherung um.“, fasst Holger Mann die Situation zusammen.

Die Uni Leipzig und damit auch ihre Studenten werden somit zum Spielball der Politik. Am besten für die Pharmazie-Interessierten wäre es, wenn die Streichungen nicht nötig wären. Eine Entscheidung in diese Richtung müsste dann natürlich auch finanziell gedeckt sein, um auch eine gewisse Planungssicherheit für die Universität zu erreichen. Hier ist die Landesregierung in der Pflicht, das gesunde Maß zwischen Hochschul-Autonomie und Standortsicherung zu finden.

Für das kommende Wintersemester 2013/2014 ist die Tendenz laut Uni-Sprecher Heckmann dagegen positiv: „Wir werden voraussichtlich im gleichen Umfang wie im letzten Wintersemester immatrikulieren. Das entspräche dann 49 Studienplätzen.“

Wie es danach an Universität Leipzig weitergeht, darüber wird laut Holger Mann schon spekuliert: „Dort wird mangels Alternativen gerade das Auslaufen der Studiengänge vorbereitet. Innerhalb der Universität wird debattiert, nur noch 15 Studierende zu immatrikulieren. Dies bedeutet ein Ausbluten des Studiengangs. Diese Schließung des Instituts auf Raten würde erhebliche Auswirkungen auf die pharmazeutische Versorgung haben.“

Eine endgültige Entscheidung der Landesregierung steht allerdings noch aus. Wie die ausfallen wird, entscheidet sich mit großer Wahrscheinlichkeit Ende Januar. Bis dahin bleibt die Zukunft des Pharmazie-Studiengangs in Leipzig weiter ungewiss.

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