Sachsens Wissenschaftsministerium erkennt weiter DDR-Abschlüsse an

Bei der Nachdiplomierung wird Absolventen von ehemaligen Fach- oder Ingenieurschulen der heute gültige akademische Grad „Diplom (FH)“ verliehen. Seit 1992 wurden über 207.000 Anträge anerkannt. +++

Der Freistaat Sachsen erkennt auch im 25. Jahr nach der deutschen Einheit noch Abschlüsse von ehemaligen Fach- und Ingenieurschulen und damit gelebte berufliche DDR-Biografien an.

Die rechtliche Grundlage liefert ein Beschluss der Kultusministerkonferenz vom Oktober 1991 auf der Basis von Artikel 37 des Einigungsvertrages. Während Universitätsdiplome automatisch anerkannt werden, müssen die Abschlüsse der Fach- oder Ingenieurschulen mit dem bundesdeutschen Ausbildungssystem in Einklang gebracht werden. Inhaltlich und ihren Status betreffend sind die einstigen Fachschulen mit den heutigen Fachhochschulen vergleichbar.

Die Absolventen erhalten mit dem Diplom (FH) eine von Arbeitgebern auch heute noch klar einzuschätzende Qualifikation. Damit wird dieser Studienabschluss aus DDR-Zeiten anerkannt, die Inhaber erhalten gleiche Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Zudem kann die Anerkennung des Abschlusses relevant für die Verdiensthöhe sowie für die Berechnung der Rente sein.

Das Interesse an der Anerkennung dieser DDR-Abschlüsse ist auch im 25. Jahr nach der deutschen Wiedervereinigung hoch. Jährlich gehen im sächsischen Wissenschaftsministerium noch immer bis zu 500 Anträge auf Nachdiplomierung ein. Schätzungen zufolge bleibt der Bedarf auch die nächsten zwei Jahrzehnte bestehen. Nachdem vor 5 Jahren die Stichtagsregelung gerichtlich aufgehoben wurde, können auch einstige Studierende, die noch nach dem 31. 12. 1990 eine solche Bildungsstätte absolvierten, einen Antrag auf Zuerkennung eines Fachhochschuldiploms stellen.

Somit haben theoretisch insgesamt etwa 280 000 einstige Absolventen in Sachsen ein Recht auf Nachdiplomierung bzw. Gleichwertigkeitsfeststellung. Vorgelegt werden müssen das Abschlusszeugnis als Studiennachweis sowie der Nachweis einer beruflichen Tätigkeit gemäß dieser Ausbildung. 

Anträge auf Nachdiplomierung sind noch immer das Anliegen, mit dem sich Bürger am häufigsten an das Wissenschaftsministerium wenden. Zu Hochzeiten der Anträge Mitte der 1990er Jahre wandten sich jährlich bis zu 30 000 Fach- und Ingenieurschulabsolventen mit der Bitte um Zuerkennung eines FH-Diploms an das SMWK.

Quelle: Sächsisches Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst