Sächsische Fußballvereine dürfen Sicherheitszuschlag erheben

Dresden (dapd-lsc). Mit einem Sicherheitszuschlag bei Risikospielen und einer strengeren Durchsetzung von Stadionverboten will Sachsen konsequenter gegen gewaltbereite Fußballfans vorgehen.

Das entschieden Innenministerium, sächsischer Fußballverband, Vereine, Polizei und Fanbeauftragte bei einem Fußball-Gipfel am Montag in Dresden. Bereits in der Saison 2010/2011 hatte es weniger Verfahren wegen Straftaten bei Fußballspielen gegeben. Der Fußballverband warnte dennoch vor einer gewaltbereiten Szene.

Innenminister Markus Ulbig (CDU) sagte, es gebe bereits eine ganze Reihe von Vorschriften, darunter ein Verbot von Feuerwerkskörpern in Stadien. Es solle aber künftig ausnahmslos durchgesetzt werden, um ein klares Signal zu setzen, dass es „keine Verhandlungsposition gibt, sondern das Verbot grundsätzlich gelten muss“, betonte Ulbig. Feuerwerkskörper hätten in Stadien nichts zu suchen.

Außerdem sollen künftig noch häufiger Shuttle-Busse eingesetzt werden, um auswärtige Fans vom Bahnhof zum Stadion und wieder zurück zu fahren. Das habe bereits an einigen Spielorten dazu geführt, dass es bei der An- und Abreise der Fans weniger Auseinandersetzungen gegeben habe, erläuterte der Minister.

Zudem wurden bei dem Fußball-Gipfel die Voraussetzungen für die Einführung des bereits seit langem diskutierten Sicherheitszuschlags bei Risikospielen geklärt. Der Zuschlag soll demnach auf freiwilliger Basis durch die Vereine von den Zuschauern erhoben werden. Die Mittel sollen von den Vereinen ausschließlich für verschärfte Sicherheitsvorkehrungen verwendet werden, etwa für mehr Ordner im Stadion oder mehr Shuttle-Busse. Der Zuschlag solle nicht dazu genutzt werden, um Polizeieinsätze mitzufinanzieren, erklärte Ulbig.

Über die Höhe des Zuschlags will der Fußballverband Anfang September entscheiden. Spätestens dann dürfe der Zuschlag erhoben werden, sagte der Präsident des sächsischen Fußballverbands, Klaus Reichenbach.

Unter den Fans sächsischer Fußballvereine befinden sich laut Innenministerium mehrere Hundert Gewaltbereite. Schwere Ausschreitungen, wie es sie bis 2007 gegeben habe, seien seitdem aber verhindert worden, sagte Ulbig. Dem Ministerium zufolge sank die Zahl der Verfahren, die wegen Straftaten bei Fußballspielen eingeleitet wurden, in der Saison 2010/2011 im Vergleich zur vorherigen Saison um 42 auf 558. Bei den Verfahren wegen Körperverletzung ist ein Rückgang um 53 auf 97 und bei Landfriedensbruch um 36 auf 4 zu verzeichnen.

Einen Anstieg um 65 Fälle auf 361 gab es hingegen bei Strafverfahren, die das Ministerium unter „Sonstige“ auflistet. Dabei gehe es vor allem um das Abbrennen von Feuerwerkskörpern in Stadien, sagte Ulbig.

Verbandspräsident Reichenbach warnte davor zu glauben, dass der Rückgang der Gewalt bei Fußballspielen ein Selbstläufer sei. Denn in Sachsen gebe es eine gewaltbereite Szene, die sich zahlenmäßig nicht verringert habe, sondern gleich geblieben sei.

dapd