Sächsische Weinstraße zwischen Tradition und Moderne

Die Weinmesse in Dresden stellt ein alljährliches Highlight in Sachsen dar. Allerdings geht es bei der „Baden-Württemberg Classics“ bislang nur um die edlen Tropfen aus Deutschlands Süden. Im Jahr 2018 waren endlich erstmalig sächsische Aussteller dabei. Denn auch der Freistaat hat zum Thema Wein allerhand zu bieten.

Es war das Jahr 1992, als die Sächsische Weinstraße zwischen Pirna und Diesbar-Seußlitz offiziell eingeweiht wurde. Ihre Geschichte reicht aber bis in das 12. Jahrhundert zurück. Sachsen hat demnach durchaus eine lange Weintradition. Damals berichtete ein Mönch aus dem Kloster Altzella erstmalig von einer sogenannten Weinstraße in der Region. Der damals noch junge Weinbau hat sich mittlerweile zu einem vielfältigen Angebot gemausert, welches jedes Jahr zahlreiche Weinreisende nach Sachsen lockt.

Weinstraße

   

Schon längst ist der Weinanbau auch im Osten Deutschlands präsent und gewinnt zunehmend mehr an Popularität und Ansehen. Fotolia.com; © ah_fotobox

Das Weinanbaugebiet Sachsen hat eine lange Tradition

 Wenn es um deutsche Weinbaugebiete geht, fällt nur den wenigsten Menschen zuerst Sachsen ein. Dabei hat der Freistaat diesbezüglich eine lange Tradition. Hier liegt das kleinste sowie östlichste Weinanbaugebiet in der Bundesrepublik, hauptsächlich im Ballungsraum Dresden im Tal der Elbe. Besonders namhaft sind die Weinorte Radebeul und Meißen. Nicht fehlen darf zudem eine Sächsische Weinkönigin, welche alljährlich gewählt wird und das Anbaugebiet repräsentiert. Grundlage für die Entwicklung des Weinbaus in Sachsen war das günstige Klima. Kontinentale Wetterlagen bringen im Sommer sowie Herbst ungewöhnlich lange Sonnenperioden. Die Durchschnittstemperatur im Elbtalkessel bewegt sich auf überdurchschnittlichen 9,2 bis 10,4 Grad Celsius und im Winter herrschen nur selten Minusgrade. Auf rund 1570 Sonnenstunden pro Jahr kommen 600 bis 700 Millimeter Niederschlag.

Der Frühling setzt in der Regel bereits im April ein und ermöglicht den Reben daher ein frühes Reifen. Im September und Oktober lässt derweil der Herbst noch auf sich warten und ist im bundesweiten Vergleich trocken und warm. Alles in allem eignet sich Sachsen dadurch optimal als Weinbaugebiet, trotz seiner exponierten Lage. Dennoch sind kalte Winter und Frostschäden leider nicht immer auszuschließen. In der Vergangenheit hat das dem Erfolg des Weinanbaugebietes Sachsen aber keinen Abbruch getan.

Geschichte: Wann kam der kultivierte Anbau nach Sachsen?

 Wann genau die ersten Weinstöcke in die heutige Region Sachsen kamen, lässt sich zum Stand heute nicht mehr exakt nachvollziehen. Angeblich wurde der kultivierte Anbau bereits zu Zeiten des Bischof Benno von Meißen betrieben. Aus dem Jahr 929 nach Christus wird zudem überliefert, die Truppen von Heinrich I. hätten im Elbtal Weinstöcke vorgefunden. Belege gibt es auch dafür allerdings keine. Die nächste Erwähnung gab es erst knapp 200 Jahre später in Form einer Urkunde aus dem Jahr 1161, welche die Anlage eines Weinbergs am Osthang des Meisatals bestätigt. Schlussendlich bleibt also festzuhalten, dass der kultivierte Anbau in Sachsen seit mindestens 850 Jahren stattfindet – vermutlich sogar deutlich länger. Im 17. Jahrhundert wurde schließlich durch das höfische Weingut Hoflößnitz das sächsische Weinanbaugebiet mit einer Größe von 6.000 Hektar ins Leben gerufen. Nach dessen fast vollständiger Vernichtung durch den Bauboom sowie die Reblaus, wurde dieses im Jahr 1907 aber offiziell als verseucht erklärt. Erst zum Ende der DDR in den 1990er Jahren wurden 220 Hektar wieder aufgerebt und das neue sächsische Weinbaugebiet konnte sich anschließend in den frühen 2000er Jahren flächenmäßig wieder mehr als verdoppeln.

 Sächsische Weinstraße lädt zu Wanderungen und Weinverkostungen ein

 Als der schönste Abschnitt im sächsischen Elbtal gilt mittlerweile die Sächsische Weinstraße, welche letztes Jahr sogar eine eigene Sonderbriefmarke gewidmet bekam. Sie ist nicht nur für Weinkenner eine beliebte Wanderroute, sondern besticht Einheimische sowie Touristen vor allem durch landschaftliche Schönheit und eine Menge Sonnenschein, der beinahe ein südländisches Flair hervorruft. Restaurants sowie Weinstuben laden am Wegesrand zum Verweilen ein und eine ordentliche Weinverkostung darf dabei natürlich nicht fehlen. Der Weinkeller „Am Goldenen Wagen“ beispielsweise bietet die Möglichkeit zur Verkostung von sage und schreibe 40 offenen Rot- sowie Weißweinen der sächsischen Weinstraße. Vom regionalen Landwein über den geschichtsträchtigen gelben Muskateller bis hin zum süßlichen Eiswein ist hier gewiss für jeden Geschmack das Richtige dabei und die  Gäste lernen zugleich eine Menge über die Geschichte des Weines. Wer mit dem kühlen Ambiente eines traditionellen Weinkellers hingegen weniger anfangen kann, findet an der Sächsischen Weinstraße allerhand sonnige Gartenwirtschaften, Vinotheken oder Lokale unterschiedlichen Preisniveaus. Gestärkt kann es anschließend wieder weiter in Richtung Pirna beziehungsweise Diesbar-Seußlitz gehen.

Sächsische Weinstraße als Etappe auf dem internationalen Elberadweg

Die Sächsische Weinstraße ist circa 60 Kilometer lang und verläuft parallel zum internationalen Elberadweg zwischen Hamburg und Prag. Viele der Radfahrer entscheiden sich daher, die Sächsische Weinstraße als Etappe in ihren Elberadweg aufzunehmen. Als die Sächsische Weinstraße im Jahr 1992 offiziell eingeweiht wurde, standen vor allem die historischen Sehenswürdigkeiten im Fokus. Diese sollten vermehrt Touristen anlocken und dadurch die touristische Infrastruktur in Sachsen ausbauen.

Ein Plan, der offensichtlich funktioniert hat, denn mittlerweile florieren die Hotels, Ferienhäuser, Weinkeller, Restaurants, Pensionen & Co rund um die Sächsische Weinstraße. Ob mit dem Rad, zu Fuß oder mit einem anderen Verkehrsmittel, als Etappe auf dem internationalen Elberadweg oder als ausschließliches Urlaubsziel: Die Sächsische Weinstraße besitzt ausreichend Abwechslung für alle Besucher.

Sehenswürdigkeiten: Was hat der Sächsische Weinwanderweg zu bieten?

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Schloss Wackerbarth in Dresden gilt als eine beliebte Anlaufstelle für Weinfreunde. Fotolia.com; © pure-life-pictures

Die Sächsische Weinstraße bietet nicht „nur“ Weinberge, Sonne und eine herrliche Landschaft, sondern passiert auch zahlreiche Städte, welche sich für einen Tagesausflug eignen, und zählt Sehenswürdigkeiten sowie Attraktionen. Die Ausflug zur Sächsischen Weinstraße kann also ganz nach Wunsch beliebig lang oder kurz gestaltet werden. Langweilig wird es hier jedenfalls nicht so schnell. Zu sehen gibt es beispielsweise die Städte:

  • Nünchritz,
  • Klipphausen,
  • Meißen,
  • Weinböhla,
  • Coswig,
  • Radebeul,
  • Dresden und
  • Pirna

Wer die Sächsische Weinstraße vollständig bewandern möchte, teilt diese in der Regel in sechs Etappen auf. Jede einzelne umfasst rund 15 bis 18 Kilometer und damit eine Dauer von fünf bis sechs Stunden. Diese Etappen gestalten sich wie folgt:

  1. von Pirna nach Dresden-Pillnitz
  2. von Pillnitz nach Wilder Mann
  3. von Wilder Mann nach Zitzschewig
  4. von Zitzschewig nach Oberau
  5. von Oberau nach Meißen
  6. von Meißen nach Diesbar-Seußlitz

Prinzipiell können aber natürlich alle Wanderer ihre Route individuell gestalten. Nicht verpassen sollten sie allerdings die Schiffe der größten Raddampferflotte der Welt, welche entlang der Weinberge verkehren und weithin sichtbare Zeugnisse der architektonischen Vergangenheit darstellen.
Weitere Sehenswürdigkeiten auf der Sächsischen Weinstraße sind beispielsweise die historischen Wagen der Lößnitzgrundbahn, das Barockschloss von Diesbar-Seußlitz, das Schloss Proschwitz und die Barockpavillons sowie Lustschlösser der Radebeuler Weinberge als historisches Weinbaugebiet, welches damals durch die Reblaus zerstört wurde. Interessant sind zudem das Schloss Wackerbarth, das Weinmuseum im Lusthaus Hoflößnitz, die Kirche Maria am Wasser als letzte verbliebene Winzersäule, das Schloss Pillnitz, der Barockgarten Großsedlitz sowie die Stadt Dresden an sich.

Highlight der Sächsischen Weinstraße: Weinführungen im Oldtimer

Weinstraße

Je älter desto besser: Oldtimer trifft auf Wein, diese interessante Mischung gibt es tatsächlich.
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Wer weniger gut zu Fuß beziehungsweise wanderbegeistert ist, muss die Sächsische Weinstraße nicht zwingend fußläufig oder mit dem Fahrrad bereisen. Mittlerweile stehen auch zahlreiche unkonventionelle Arten der Weinführungen zur Auswahl. So können sich die Besucher beispielsweise in einen Oldtimerbus setzen, welcher quer durch Radebeul fährt und bei jedem Zwischenstopp in unterschiedlichen Weinbergslagen eine Weinverkostung bei ansässigen Weingütern ermöglicht. Während der Fahrt erfahren die Reisenden sämtliche geschichtliche Hintergründe zur Sächsischen Weinstraße sowie ihren Sehenswürdigkeiten und Touren in die nähere Umgebung, beispielsweise nach Dresden, sind jederzeit möglich. Ein Highlight jeder Reise in das sächsische Weinanbaugebiet stellen zudem die zahlreichen Weinlehrpfade sowie die heimischen Weinfeste dar. Alles in allem hat die Sächsische Weinstraße somit den Spagat zwischen ihrer Tradition und dem modernen Tourismus gemeistert und erfreut sich aktuell so großer Beliebtheit wie nie zuvor. Ob für Einheimische, Weinreisende oder Touristen: Einen Besuch ist sie allemal wert!