Sächsischer Verdienstorden verliehen

Dresden - Mit dem Verdienstorden ehrt Sachsen besonderes Engagement in den Bereichen Gesellschaft, Politik und Kultur. 17 Ordensträger gibt es in diesem Jahr. Wir stellen vier von Ihnen genauer vor.

Felix Kolmer, Auschwitz-Überlebender

Felix Kolmer (96) überlebte wie ein Wunder das Vernichtungslager Auschwitz - als einer von ganz wenigen. Er selbst sagt: „…dank seiner positiven Lebenseinstellung“. Der gelernte Tischler und Physikprofessor war u. a. Vorsitzender des Bundesverbandes Information und Beratung für NS-Verfolgte, stellvertretender Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde in Prag und Vizepräsident des Internationalen Auschwitz Komitees. Für die tschechische Seite arbeitete er am Deutsch-Tschechischen Vertrag mit, der 1992 ratifiziert werden konnte. Trotz seines hohen Alters wird er nicht müde, in Schulen vor jungen Leuten aufzutreten.

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Eloquent und glaubhaft berichtet er von seinen furchtbaren Erfahrungen –  und zwar in Deutschland und Sachsen wesentlich häufiger als in Tschechien. Aber es sind nicht nur die Schulen, in denen er gegen das Vergessen und für eine Erinnerungskultur wirbt. Es sind gerade auch Orte, in denen Neonazis verstärkt versuchen, sich auszubreiten und rechtes Gedankengut zu verbreiten. Dorthin wird er unter anderem von Bürgermeistern eingeladen, um Vorträge zu halten und von seinen Erlebnissen zu berichten.

Felicitas Loewe, Intendantin

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Felicitas Loewe (59) setzt sich seit fast zwei Jahrzehnten als Intendantin der Dresdner Bühne  „theater junge generation“ (tjg) für die Kultur und kulturelle Bildung in Sachsen ein. Ihr Wirken für die Menschen im Freistaat  und den gesellschaftlichen Zusammenhalt im Land ist generationsübergreifend. Unter ihrer Intendanz entwickelte das tjg neue Formate wie das „Theater für die Allerkleinsten" als Begegnung von Kunst und Schauspiel für Kinder ab zwei Jahren oder die Theaterakademie für Jugendliche. Das tjg hat sich damit sowohl national als auch international einen Namen gemacht. Die Theaterwissenschaftlerin entwickelte das Haus - eines der bedeutendsten Kinder- und Jugendtheater der Bundesrepublik – dabei zu einem kompetenten und geachteten Partner für Erzieher und Lehrer. So fand unter ihrer Leitung im vorigen Jahr das Kinder- und Jugendtheaterfestival im Osten Deutschlands „Wildwechsel 2017“ am tjg statt.

Wolfgang Uhlmann, Schachspieler

Für die Verdienste um den Schachsport auf nationalem und internationalem Parkett und für sein Engagement in der Nachwuchsförderung wird der Dresdner Bürger und Großmeister im Schach geehrt. Als 10-Jähriger fand er Zugang zum Schachsport. Seit Mitte der 50-er Jahre war er die Nummer Eins des Schachsports in der DDR. 1959 verlieh ihm der Weltschachbund FIDE den Großmeistertitel. Uhlmann ist eine lebende Schachlegende und hat das Spiel in beiden Teilen Deutschlands über Generationen entscheidend mitgeprägt. Er ist überdies Buchautor und Publizist über das Schachspiel sowie gefragter Experte für zahlreiche Schachzeitschriften.

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Er organisierte internationale Schachgroßveranstaltungen wie die Schacholympiade in Dresden im Jahr 2008. Als Botschafter warb er für das weltweit wahrgenommene Großereignis und seine Heimatstadt. Als Übungsleiter, Trainer, Mentor und Vorbild setzt er sich bis heute für die besondere Förderung von Nachwuchstalenten ein. Viele Ausnahmetalente bereiteten sich unter seiner Anleitung auf Jugend-, Welt- und Europameisterschaften vor und sind heute fester Bestandteil einer Bundesligamannschaft, internationale Meister oder auf dem Weg dahin.

Reinhard Seeliger, Kirchenmusikdirektor

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Als Direktor der ehemaligen Hochschule für Kirchenmusik und seit nunmehr zwei Jahrzehnten als Leiter des Bachchors prägte und prägt er maßgeblich die Kirchenmusikkultur im ostdeutschen Raum. Mit seinem Wirken um die Wiedererrichtung der Sonnenorgel – die Attraktion der Görlitzer Peterskirche – hat er sich Anerkennung weit über die Neißestadt hinaus erworben. Als Spiritus rector des Projektes Sonnenorgel e. V. bewirkte er eine weltweite Ausstrahlung. Seeliger setzt sich zugleich für die Restaurierung von Orgeln im polnischen Schlesien ein.

Er trägt damit zum Erhalt der Orgellandschaft im Nachbarland bei. Auch als Orgelsachverständiger dient er dem Kulturgut Orgel im schlesischen und sächsischen Raum. Unter seiner Leitung fand der erste Auftritt des Görlitzer Bachchores in Breslau statt, dem Sänger aus Polen und Deutschland angehörten.

Text: Pressemitteilung
Artikel erstellt von: Florian Glatter