Sächsisches Innenministerium: Häusliche Gewalt in Sachsen nimmt weiter zu

Im zurückliegenden Jahr wurden durch die sächsische Polizei 2.711 Straftaten im Zusammenhang mit häuslicher Gewalt registriert. Im Vergleich zum Vorjahr stellt dies einen Anstieg um rund 22 % dar, so das Innenministerium.

In der Mehrzahl der erfassten Fälle handelt es sich dabei um Körperverletzungsdelikte. Damit hat sich der seit mehreren Jahren zu beobachtende Anstieg auch im Jahr 2010 fortgesetzt.

Innenminister Markus Ulbig: „Opfer häuslicher Gewalt brauchen unseren Schutz. Wer in der Familie oder Partnerschaft geschlagen und gedemütigt wird, empfindet seine Situation meist als ausweglos. Leidtragende der Gewalt in Partnerschaften sind oftmals auch die Kinder. Um den Betroffenen entsprechende Hilfen anzubieten haben wir in Sachsen ein Netzwerk aufgebaut, an der sich alle Akteure, von den Frauen- und Kinderschutzeinrichtungen über das Jugendamt bis zur Polizei, beteiligen.“

Als Hintergründe für diesen seit Jahren zu beobachtenden Trend (siehe Grafik) sind neben der allgemeinen Sensibilisierung der Öffentlichkeit für dieses Thema insbesondere die gestiegene Anzeigebereitschaft der Opfer sowie der versierte Umgang der Polizei mit den unterschiedlichen Erscheinungsformen häuslicher Gewalt zu nennen. Beigetragen haben dazu insbesondere gemeinsame Fortbildungsveranstaltungen von Polizeibediensteten und Mitarbeiterinnen von Frauenhäusern und Interventionsstellen.

Am stärksten von häuslicher Gewalt betroffen waren die Bewohner der beiden sächsischen Großstädte Dresden und Leipzig mit 636 bzw. 417 erfassten Fällen.

Die Opfer dieser Straftaten waren in der Mehrzahl weiblich. Unter den 2.249 Opfern befanden sich 1.735 Frauen (77,2 %) und 514 Männer (22,8 %). Wenngleich die Mehrzahl der registrierten Opfer bereits erwachsen war, wurden im Jahr 2010 insgesamt 239 Mädchen und Jungen Opfer häuslicher Gewalt. Es ist davon auszugehen, das der Anteil von Kindern und Jugendlichen, die häusliche Gewalt „nur“ miterleben, um ein Vielfaches höher liegt.

Unter den 2.054 ermittelten Tatverdächtigen befanden sich 1.912 Erwachsene (93,1 %). Der Anteil der männlichen Tatverdächtigen lag mit 84,5 % (1.736 Personen) deutlich über dem Anteil der weiblichen Tatverdächtigen 15,5 % bzw. 318 Personen.