Saxoniabrunnen, offener Brief Prof. Dr. Ing. habil Heinz Schwarzbach

Eine gute Gestaltung des ehemaligen Posthof-Areals „Johannisplatz“ ist ein wesentlicher Beitrag der noch neu zu gestaltenden städtebaulichen Räume im Zentrum von Chemnitz.

Chemnitz, Standortdiskussion Saxoniabrunnen, offener Brief Prof. Dr. Ing. habil Heinz Schwarzbach

Sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin,

Eine gute Gestaltung des ehemaligen Posthof-Areals „Johannisplatz“ ist ein wesentlicher Beitrag der noch neu zu gestaltenden städtebaulichen Räume im Zentrum von Chemnitz. Dieser vernachlässigte Stadtraum, nach Abriss der Baracken ist nicht Hinterhof, sondern noch immer 1A-Lage.
Vorausgesetzt, der Stadtraum wird nicht mit 2-geschossigen Ladenbauten und immer unansehnlichen Parkhaus-„Fassaden“ zugestellt und als bloßen Durchgang degradiert. Wir hatten 1991 im städtebaulichen Wettbewerb (3.Preis und später (ungefragt!) Grundlage der Zentrumsplanung der Stadt Chemnitz) und 1995/1998 im B-Plan (Entwurf, s.:Anlage) versucht, dieses für Chemnitz bedeutende Areal mit dem historischen, einprägsam gestalteten Bankgebäude nicht nur als gut gestalteter Stadt- und Straßenraum, sondern auch als unverwechselbaren Grünraum zu gestalten.
Sollte es der Stadtplanung und dem Investor gelingen, diesen intimen Stadt- und Grünraum in guter städtebaulicher Qualität zu erbauen, könnte ich mir auch einen guten Standort für den historischen Saxonia-Brunnen vor dem dreieckigen Baufeld (s. Bspl: Erfurt Anger-Brunnen) vorstellen. Er würde so von drei Seiten wahrgenommen werden und den davor liegenden Platz stark akzentuieren. Voraussetzung ist aber, dass dieser für das Chemnitzer Zentrum wichtige städtebauliche Raum nicht mit untergeordneter Architektur (2-geschossige Ladenbaracken und einer unansehnlichen Parkhausfassade, einschließlich Tiefgaragenzufahrt) zugestellt wird.
Der Investor sollte die große Chance begreifen, hier einen intimen und gern aufgesuchten Stadtraum zu gestalten, der kleinteilige Kunst- und Gourmetangebote aufnehmen könnte und verkehrsfrei bleibt. Dieser Stadtraum verdiente dann auch die bildkünstlerische Akzentuierung mit dem Saxonia-Brunnen und mit raumbildender Baumbepflanzung. Sollten diese gestalterische Voraussetzungen mit dem Investorangebot heute nicht zu schaffen sein, scheint mir der Vorschlag, den Saxonia-Brunnen am Düsseldorfer Platz als künstlerische Bereicherung und Vordergrund, einer dem Stadtraum vor dem Rathaus, leider in seiner zu wenig differenzierten architektonischen Gestalt, gut tun.
Mein Vorschlag wäre, ein leichtes Phantom aus Pappmaché (mit Hilfe der Theaterwerkstätten) zu errichten und die sachkundigen Bürger (Architekten, Künstler, Denkmalpfleger, Bildhauer, Historiker, Spender u.a.) zu beteiligen, wie es schon Michel Angelo mit dem Reiterdenkmal mit Mark Aurel am Capitol tat. Übrigens ein echtes Beispiel nach „Stuttgart 21“, die Öffentlichkeit zu beteiligen .

Mit freundlichen Grüßen

Prof. Dr. Ing. habil Heinz Schwarzbach

Weimar, den 20. Dezember 2010

Wikipedia: Heinz Schwarzbach, Städtebauer und Hochschullehrer

http://de.wikipedia.org/wiki/Heinz_Schwarzbach