Schieflage am Chemnitzer Arbeitsmarkt

Chemnitz – Der Anteil „atypischer“ Jobs sind in der Stadt Chemnitz auf 40 Prozent gestiegen. Die IG BAU kritisiert die Schieflage am Chemnitzer Arbeitsmarkt.

© IG BAU

Es gibt immer mehr unsichere Jobs. So arbeiten in Chemnitz rund 51.100 Menschen in Teilzeit, Leiharbeit oder haben einen Minijob als alleiniges Einkommen. Damit ist der Anteil der so genannten atypischen Beschäftigung an allen Arbeitsverhältnissen im vergangenen Jahr auf einen Rekordwert von 40 Prozent gestiegen.

Das kritisiert die IG Bauen-AgrarUmwelt (IG BAU). Die Gewerkschaft beruft sich dabei auf eine aktuelle Studie der Hans-Böckler-Stiftung, die die Entwicklung am Chemnitzer Arbeitsmarkt seit dem Jahr 2003 untersucht hat. Damals lag die Quote atypischer Jobs noch bei rund 32 Prozent.

Dazu IG BAU-Bezirkschef Andreas Herrmann: „Es kann nicht sein, dass wir einerseits einen wirtschaftlichen Aufschwung erleben, aber andererseits so viele Menschen in prekären Verhältnissen arbeiten. Hier ist grundsätzlich etwas in Schieflage geraten“. Der unbefristete Vollzeit-Job müsse dringend wieder zum Normalfall werden, fordert die IG BAU Südwestsachsen.

Nach Angaben der Böckler-Stiftung hat in Chemnitz besonders die TeilzeitBeschäftigung drastisch zugenommen: Arbeiteten 2003 noch etwa 17.900 Erwerbstätige in Teilzeit, waren es 2016 bereits rund 31.900 – ein Anstieg von 78 Prozent.

„Gerade für Frauen ist es nach einer Familienpause enorm schwer, wieder voll in den Beruf einzusteigen. Gegen die Teilzeit-Falle brauchen wir endlich ein verbrieftes Rückkehrrecht in Vollzeit“, ist Andreas Herrmann überzeugt. Ein entsprechender Gesetzentwurf der großen Koalition war in diesem Frühjahr am Widerstand der Union gescheitert.

Auch bei Minijobs gibt es der Studie zufolge keine Entwarnung: Rund 13.200 Menschen in Chemnitz waren 2016 ausschließlich geringfügig beschäftigt. In der Gebäudereinigung machten Minijobs mittlerweile die Hälfte aller Arbeitsplätze aus, berichtet Gewerkschafter Herrmann. Auch hier seien es insbesondere Frauen, die nach einem Jobverlust oder einer Trennung oft schnell in Hartz IV abrutschten.

Mit Blick auf die Bundestagswahl im September fordert die IG BAU Südwestsachsen von den Parteien klare Konzepte „gegen die Unwucht am Arbeitsmarkt“. Dazu müsse die Abschaffung der Befristungen ohne sachlichen Grund genauso gehören wie die Einbeziehung von Minijobs in die Sozialversicherung. „Dabei sind auch die Arbeitgeber in der Pflicht. Statt aufs Billig-Prinzip sollten Chefs auf Kontinuität setzen“, betont Herrmann. Wer heute vollwertige Stellen schaffe, brauche sich morgen nicht um fehlende Fachkräfte sorgen.

(Quelle: IG BAU)