Schloss Moritzburg zeigt erstmals Kostbarkeiten des Schatzfundes

Schloss Moritzburg bei Dresden erhält einen neuen Ausstellungsteil. Ab Samstag werden in der erstmals zahlreiche Stücke des Sensationsfundes präsentiert, den Hobby-Schatzsucher vor 20 Jahren in den Moritzburger Wäldern ausgruben.

Die Ausstellung »Ein Förster, drei Prinzen, 43 Kisten.« zeigt nicht nur Exponate, sondern erzählt auch eine beinahe unglaubliche Geschichte nach einer wahren Begebenheit und zugleich ein spannendes Stück Moritzburger Schlossgeschichte. Besucher und Gäste können sich im Rahmen des neuen Ausstellungsteiles über die bewegte Geschichte des Schatzes informieren.

Gezeigt werden knapp 60 Teile aus dem Tee- und Tafelservice der letzten beiden sächsischen Könige, die die Staatliche Schlösser, Burgen und Gärten Sachsen gGmbH (SBG) in den vergangenen Jahren schrittweise für Schloss Moritzburg auf dem Kunstmarkt erwarb.

Das Herzstück ist ein Ensemble aus fünfzehn Objekten, die zuletzt im Frühjahr 2015 bei einem Münchener Auktionshaus erstanden wurden. Ein großes Teetablett und eine zugehörige Präsentierplatte, ein Teekessel mit Rechaud (Warmhaltevorrichtung), vier Zuckersiebe, zwei ovale Servierplatten, zwei Saucierèn und schließlich vier Salzfässchen waren damals von privater Hand zur Versteigerung eingereicht worden. Alle diese Gegenstände sind silbervergoldet und mit einer Inventarnummer, dem sächsischen Königswappen, einer Gewichtsangabe sowie dem Meisterzeichen des Goldschmiedes gekennzeichnet.

Gebrauchsspuren zeigen, dass die Exponate keine reinen Repräsentationsgeschirre waren, sondern tatsächlich bei Tisch benutzt wurden. Vorbilder für die Modelle finden sich im Augsburger Barock des 18. Jahrhunderts. Sie sind ein Beleg für das Traditionsbewusstsein der wettinischen Herrscher in Sachsen.

Neben den Fundstücken aus dem Schatzfund werden im neuen Ausstellungsteil des Barockschlosses zahlreiche Stücke aus der ehemaligen Hofsilberkammer der Wettiner präsentiert, deren Silberglanz einen auffallenden Kontrast zu den fast ausschließlich vergoldeten Geschirrteilen aus dem Moritzburger Schatzfund bilden.


Hintergrund: Die Geschichte
Nach den im Juli 1924 abgeschlossenen Vertragsverhandlungen zwischen dem Freistaat Sachsen und dem im Verein „Haus Wettin Albertinischer Linie e.V.“ zusammengeschlossenen ehemaligen sächsischen Königshaus gingen zahlreiche Gold- und Silberschmiedearbeiten in den Besitz des Familienvereins über. Prinz Ernst Heinrich von Sachsen (1896 – 1971), jüngster Sohn des letzten sächsischen Königs, verwaltete den Vereinsbesitz und lebte von 1933 bis 1945 im Schloss Moritzburg. Aus Sorge vor einer mutmaßlichen Plünderung durch die herannahende Rote Armee ließ der Prinz das Familiensilber und zahlreiche weitere bedeutsame Kunstobjekte in Kisten verpacken.

Seine beiden Söhne Dedo (1922 – 2009) und Gero (1925 – 2003) vergruben im Januar und Februar 1945 diese dreiundvierzig Kisten im Wald des Moritzburger Tiergartens unweit des Hellhauses.

Vierzig Kisten wurden 1947 von der Roten Armee gehoben und in die damalige Sowjetunion verbracht. Ernst Heinrich hatte seinem Forstmeister Mandel das Versteck anvertraut. Dieser war dann von den Russen zur Preisgabe gezwungen worden.

Die Lage der verbliebenen drei Kisten war Mandel nicht bekannt gewesen. Sie wurden erst ein halbes Jahrhundert später von zwei Schatzgräbern – Hanno Vollsack und Claudia Marschner – ausgerüstet mit Metalldetektor und Schaufeln im Oktober 1996 bzw. November 1998 entdeckt.

Der Inhalt der drei Kisten wurde den Wettinern restituiert und von diesen dem Auktionshaus Sotheby`s zur Versteigerung angeboten. Im Dezember 1999 kam in London neben vergoldetem Tafelsilber der berühmte Mohrenkopf von Christoph Jamnitzer (ein Trinkgefäß vom Anfang des 17. Jh.), die Blumenschale der Gebrüder Dinglinger, Galanteriewaren, Münzen und Medaillen, Porzellane sowie weiteres Kunsthandwerk zum Aufruf.

Schloss Moritzburg selbst konnte 2012 als erste Objekte zwei große ovale Servierplatten im Münchener Kunsthandel erwerben. Es folgten weitere Gegenstände im Sommer 2013 auf einer Auktion in Dresden, danach in den Jahren 2014 und 2015 erneut im Dresdener Kunsthandel. Nachdem Anfang 2015 die Erwerbungen öffentlich bekannt gemacht worden waren, bekam das Museum einen Gewürzlöffel von Privat zum Kauf angeboten. Mittlerweile besitzt Schloss Moritzburg 60 Objekte aus dem Schatzfund. Wesentlich handelt es ich hierbei um Teile aus einem Tee- und einem Speiseservice, begonnen unter König Albert von Sachsen (regierte 1873 – 1902) und fortgeführt und vervollständigt von Friedrich August III. (regierte 1904 – 1918). Alle diese Gegenstände sind silbervergoldet und mit einer Inventarnummer, dem sächsischen Königswappen, einer Gewichtsangabe sowie dem Meisterzeichen des Goldschmiedes gekennzeichnet.

Eine Gebäckzange, ein Gewürzschälchen, ein Gewürzlöffel sowie eine Soßenkelle befinden sich zudem bei SBG in Schloss Pillnitz.

Um weitere Gegenstände aus den beiden genannten Servicen, sollten solche auf dem Kunstmarkt auftauchen, wird sich Schloss Moritzburg auch weiterhin bemühen, um die Sammlung zu ergänzen und die Service zu vervollständigen. Denn es handelt sich immerhin um die zwei letzten, einheitlichen Tafelservice für das ehemalige sächsische Königshaus, unzweifelhaft um kunsthandwerklich wie kulturgeschichtlich und museal bedeutsame Gegenstände.

Die Umstände der Herstellung sowie die konkrete Verwendung einzelner Teile und die Geschichte der Dresdener Goldschmiedefamilie Eckert, welche die Vergoldungen ausführte, sind noch weitgehend unbekannt. Dies gilt es in nächster Zeit zu erforschen.

Quelle: Staatliche Schlösser, Burgen und Gärten Sachsen gemeinnützige GmbH