„Schönstes Dorf“ tritt wieder an

Grüngräbchen (dapd-lsc). Noch immer hängt die tellergroße Metallplakette mit der Aufschrift „Unser Dorf soll schöner werden“ im Gemeindevereinshaus von Grüngräbchen an der Wand.

Bei der 17. Ausgabe des gleichnamigen Bundeswettbewerbs im Jahr 1993 wurde das 400-Seelen-Dorf damals als erster sächsischer Ort mit der Goldmedaille ausgezeichnet. Vor allem die hübschen Streuobstwiesen und das Engagement der Bürger für die Gestaltung ihres Ortes, der mittlerweile ein Teil von Schwepnitz im Landkreis Bautzen ist, überzeugte die Expertenkommission.

18 Jahre später versuchen 60 Orte in Sachsen, es Grüngräbchen gleichzutun. Sie alle haben sich für die Teilnahme am achten sächsischen Landeswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ beworben. Die Gewinner dürfen in zwei Jahren am nächsten Bundesausscheid teilnehmen. Mit dabei ist auch wieder Grüngräbchen, das sich zusammen mit den drei anderen Ortsteilen von Schwepnitz beworben hat.

„Der Wettbewerb von 1993 hat das Dorf bis heute zusammengehalten“, sagt Grüngräbchens Ortsvorsteher Lothar Röthig. Gehwege gibt es hier keine, und Asphalt auch nur auf den wichtigsten Straßen. Große Pensionen oder gar Hotels will niemand. Stattdessen setzt der Ort auf sanften Tourismus mir Fahrradfahrern und Pilzsammlern. „Wir wollen unseren dörflichen Charakter bewahren“, sagt Röthig.

Dennoch ist in dem Ort seit 1993 einiges in Bewegung gekommen. Gleich nach Sieg beim Dorfwettbewerb drehte das ZDF dort eine Dokumentar-Reihe, die anderthalb Jahre lang wöchentlich ausgestrahlt wurde. Einige neue Familien ließen sich daraufhin in dem Ort nieder.

Dank einer mehrjährigen Förderprämie von 40 Prozent auf alle Sanierungsarbeiten konnten zudem Dutzende Häuser saniert werden. Am Sportplatz entstand ein neuer Spielplatz mit Holzgeräten.

Doch nicht alles, was nach dem Dorfwettbewerb glänzte, wurde auch zu Gold. Seit Jahren schon altert die Gemeinschaft von Grüngräbchen. Maximal sieben Jugendliche halten sich in dem Dorf noch auf. Das Restaurant, in dem 1993 noch ausgelassen die Goldplakette gefeiert wurde, steht seit Jahren leer. 1996 wurde Grüngräbchen nach Schwepnitz eingemeindet. „Das war ein logischer Schritt“, sagt Elke Röthig, Bürgermeisterin von Schwepnitz und Ehefrau des Ortsvorstehers. Die Identität von Grüngräbchen sei dennoch bewahrt geblieben.

Erhalten haben sich die Menschen in Grüngräbchen auch das aktive Gemeinschaftsleben, das einst schon die Wettbewerbskommission beeindruckte. Als im vergangenen Jahr ein hölzerner Glockenturm für eine zufällig wiederentdeckte Rittergutglocke errichtet werden sollte, spendeten die Einwohner das nötige Geld. Zimmerleute aus dem Ort errichteten kostenlos den Bau, der Schmied übernahm die Metallarbeiten. „So etwas geht nur in besonderen Dörfern“, sagt die Schwepnitzer Bürgermeisterin Röthig.

Auch deswegen ist das Dörfchen 2011 erneut beim Wettbewerb dabei, der inzwischen „Unser Dorf hat Zukunft“ heißt. Dieses Mal geht Grüngräbchen aber nicht alleine ins Rennen, sondern mit der ganzen Gemeinde Schwepnitz.

dapd

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