Schulen in Sachsen können einfacher Ganztagsangebote beantragen

Ab dem neuen Schuljahr können Schulen in Sachsen einfacher und schneller Ganztagsangebote beantragen. Kultusminsterin Brunhild Kurth: „Mit der pauschalen Förderung stärken wir die Eigenverantwortung der Schule und schaffen mehr Zeit für Qualität.“ +++

Ab dem neuen Schuljahr bekommen sächsische Schulen für ihre Ganztagsangebote (GTA) einen pauschalen Geldbetrag zugewiesen. „Wir vereinfachen das Antragsverfahren und schaffen so mehr Zeit für Qualität“, erklärte Kultusministerin Brunhild Kurth heute (22. April 2013) bei ihrem Besuch der 30. Mittelschule Dresden. In Zukunft brauchen die Schulen nur noch ein einseitiges Antragsblatt statt 14- bis 20-seitige Formulare auszufüllen. Das pauschalierte Förderverfahren ist deutlich unbürokratischer und entlastet damit Schulen, Träger und die Kultusverwaltung gleichermaßen. Die Höhe der Förderung bemisst sich nach der Gesamtschülerzahl der jeweiligen Schule. Außerdem gibt es einen festen Sockelbetrag von 2.000 Euro. „Damit kommen wir kleinen Grundschulen und Förderschulen entgegen, für die es aufgrund der geringen Gesamtschülerzahlen ansonsten schwer wäre, ein angemessenes GTA-Konzept zu realisieren“, so Kurth. Mittelschulen und allgemeinbildende Förderschulen erhalten zudem eine Zusatzpauschale, weil sie durch ihre heterogene Schülerschaft und die verschiedenen Abschlussmöglichkeiten (z. B. Haupt- und Realschulabschluss) ein breiteres Spektrum an Förderbedarf haben. Schulen, die durch die neue Regelung deutlich weniger GTA-Mittel als nach dem Zuwendungsverfahren im Schuljahr 2012/13 bekommen, erhalten eine einmalige Ausgleichspauschale. Die entsprechende Verordnung für die neue Förderung wird am 28. April 2013 in Kraft treten, damit die Schulen planmäßig zum Schuljahresstart ihre Angebote gestalten können.

Mit der Umstellung auf die pauschale Finanzierung können die Schulen die Art und den Umfang ihrer Ganztagsangebote selbst bestimmen. „Wir stärken damit die Eigenverantwortung der Schule. Unsere Erfahrungen haben gezeigt, sie wissen am besten, welche und wie viele Angebote ihre Schüler brauchen, um sie, unabhängig von der sozialen Herkunft, individuell bestmöglich zu fördern. Die Lehrer und Schulträger haben hier mein volles Vertrauen“, betonte die Ministerin. Für die Förderung der Ganztagsangebote stehen jährlich 22,4 Millionen Euro im Doppelhaushalt 2013/14 zur Verfügung. Das sind rund zwei Millionen Euro pro Jahr mehr als in 2011 und 2012.

96,7 Prozent der allgemeinbildenden Schulen in Sachsen bieten ihren Schülern bereits Ganztagsangebote an. Etwa 70 Prozent der Schüler nutzen die Angebote am Nachmittag. Damit ist Sachsen – laut Bildungsbericht 2012   im Vergleich der deutschen Bundesländer spitze. Im laufenden Schuljahr halten 1.202 geförderte allgemeinbildenden Schulen im Freistaat Sachsen entsprechende Angebote für ihre Schüler bereit. Im Jahr 2005 waren es lediglich 172 Schulen. Die Angebote reichen von der Lernförderung über Bewegungsangebote bis hin zu Arbeitsgemeinschaften, in denen besondere Fähigkeiten von Schülern unterstützt werden. Schach- und Theaterspiele, Kochen, Tanzen, Sprachen und Länder kennenlernen – die Möglichkeiten sind vielfältig.

Wie vielfältig und hilfreich die Ganztagsangebote in der Praxis sind, davon hat sich Kultusministerin Brunhild Kurth beim heutigen Rundgang durch die 30. Mittelschule in Dresden überzeugt. Von den 328 Schülern nehmen hier weit über die Hälfte (58 Prozent) an den außerunterrichtlichen Projekten teil. Das GTA-Konzept der Schule steht unter dem Motto „Kein Abschluss ohne Anschluss“. So werden mit gezielten Förderangeboten, Hausaufgabenbetreuung und individuellen Vorbereitungen der Schüler auf Abschlussprüfungen die Lern- und Leistungsdefizite der Schüler behoben. Ein besonderes Augenmerk bei dieser individuellen Förderung liegt dabei auf den Schülern mit Migrationshintergrund (rund 30 Prozent). Aber auch die freizeitpädagogischen Angebote kommen in der 30. Mittelschule nicht zu kurz. In der AG Modelleisenbahnbau, im Schachclub oder bei dem Fotostudio-Projekt können die Schüler ihre verschiedenen Interessen und Talente entdecken und ausprobieren. „Ich bin begeistert, mit wie viel Engagement die Schule hier gemeinsam mit den Eltern und dem Schulförderverein ein hervorragendes Ganztagsangebot gestaltet. Die große Resonanz der Schüler zeigt den Erfolg des Konzeptes“, so Kurth, die sich besonders darüber freute, dass auch außerschulische Partner, wie zum Beispiel das DRK oder der Treberhilfe Verein gemeinsam mit der Schule Projekte anbieten und durchführen. „Wenn sich Schule öffnet und z. B. Vereine mit ins Boot holt, die durch GTA wiederum ihren Nachwuchs rekrutieren können, profitieren beide Partner davon. Vor allem die Schüler sind die Gewinner einer solchen Kooperation“, erklärte die Ministerin.

Quelle: SMK – Sächsisches Staatsministerium für Kultus