Schweinefleisch an Leipziger Kitas: Debatte sorgt für Wirbel

Leipzig - Nachdem der Träger zweier Leipziger Kitas erklärt hatte, im Speiseplan künftig auf Schweinefleisch zu verzichten, ruderte er nun zurück. Die endgültige Entscheidung falle erst im August. Motiv für den Träger sei "Respekt gegenüber einer sich verändernden Welt". Die Ankündigung hatte eine bundesweite Debatte ausgelöst.

Am Dienstagabend ruderte der Träger der Konfuzius- und der Rolando Toro-Kindertagesstätte im Leipziger Süden zurück: Er gab bekannt, dass die Entscheidung auf künftigen Schweinefleischverzicht vertagt werde. Ursprünglich sollte die Neuerung dafür sorgen, dass keine Familie "dass Seelenheil ihres Kindes aus religiösen Gründen durch unreines Schweinefleisch beeinträchtigt" sehe, wie Wolfram Schäfer vom Träger der beiden Kitas, Gemeinnützige Gesellschaft zur Unterstützung berufstätiger und alleinerziehender Eltern mbH, erklärte.

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Der Religionswissenschaftler der Universität Leipzig, Prof. Dr. Horst Junginger, kritisiert den Wirbel um das Thema. Für ihn sei es lediglich ein Versuch gewesen, auf andere Kulturen Rücksicht zu nehmen. Dass dieser Versuch auf so eine hasserfüllte Ablehnung gestoßen sei, fände er bedauerlich. Er interpretiert die bundesweite Diskussion als ein Zeichen für eine aufgeladene und ideologisch überhöhte Islamdebatte.

Hintergrund der Entscheidung des Trägers sind zwei muslimische Mädchen in den Kindertagesstätten. Die Diskussion, ob es weiterhin Schweinefleisch geben wird oder nicht, wurde auf einen Elternabend im August vertagt.