Schwere Vorwürfe gegen Zirkus Berolina

Anfang der Woche erstattete ein Leipziger Tierarzt beim städtischen Veterinäramt Anzeige gegen den Berliner Zirkus. Doch das Veterinäramt konnte keine Verstöße gegen das Tierschutzgesetz feststellen.

Der Zirkus Berolina ist der letzte Zirkus, der in Leipzig noch einmal Vorführungen mit Wildtieren präsentieren darf. Denn der Stadtrat hatte im Februar ein Wildtierverbot für städtische Plätze ausgesprochen. Nun wurden aber schwere Vorwürfe gegen das Berliner Zirkusunternehmen erhoben. 

Anfang der Woche erstattete ein Leipziger Tierarzt beim städtischen Veterinäramt Anzeige gegen den Berliner Zirkus „Berolina“. Er hatte zuvor eine Vorstellung des Zirkus besucht und dort Verstöße gegen das Tierschutzgesetz bemerkt. Stadtsprecher Matthias Hasberg kennt die genauen Vorwürfe.

Interview mit Matthias Hasberg, Pressesprecher Stadt Leipzig:
„Die Anzeige ist bei uns am Montag eingegangen. Die Vorwürfe sind einigermaßen allgemein gehalten. Die Kollegen des Veterinäramtes waren am Freitag schon dort, also noch bevor uns die Anzeige erreicht hat – das machen die immer so. Das heißt sobald ein Zirkus kommt fahren die hin, gucken sich die Bedingungen an und sind zu dem Schluss gekommen, dass die Tierhaltung bei diesem Zirkus im großen und ganzen in Ordnung ist, den Gestzen entspricht und auch den Zirkusrichtlinien entspricht. (…) Von daher gibt es seitens der Behörden hier keinen Grund zur Beschwerde.“

Doch die Vorwürfe des Tierarztes wiegen schwer. Seiner Ansicht nach soll der Pflegezustand der Elefanten schlecht sein. Eine Elefantenkuh soll sich sogar schon an den Vorderläufen verletzt haben. Auch ein Pferd soll während einer Vorstellung von einem Artisten verletzt worden sein. Melanie Spindler vom Zirkus Berolina weist diese Vorwürfe aber vehement zurück.

Interview mit Melanie Spindler, Zirkus Berolina:
„Ich finde es nur schade, dass er sich das nicht selbst richtig anguckt und sich davon überzeugt. Und wenn er meint er ist Tierarzt, dann frage ich mich warum er sich davon nicht überzeugt hat. Und zu den Elefanten: Das ist natürlich festgelegt in den Büchern und das wird auch kontrolliert und protokolliert – all unsere Tiere die irgendwie einen Husten, Schnupfen, Druckstelle ode irgendwas haben – dafür gibt es Tierärzte und dafür zahlen wir auch eine Menge Menge Geld dafür. Und die Amtstierärzte waren hier, haben sich davon überzeugt und waren vollkommen zufrieden mit uns und unserer Tierhaltung.“

Dennoch könnte es das letzte Gastspiel des Zirkus in Leipzig gewesen sein. Denn der Stadtrat hatte bereits im Februar beschlossen, künftig keinen Zirkus mit Wildtieren auf städtischen Grundstücken mehr auftreten lassen zu wollen. Doch diese Entscheidung könnte weitreichende Konsequenzen haben. Nicht nur der Zirkus Berolina erwägt jetzt rechtliche Schritte.

Interview mit Melanie Spindler, Zirkus Berolina:
„Der Zirkus ist natürlich ein Stück Kultur und natürlich haben wir da schon Schritte und Wege eingeleitet, die jetzt der Stadt Leipzig nicht guttun werden, denn die Stadt Leipzig hat sich natürlich einen Beschluss erlaubt, der nicht rechtens ist. Also dafür gibt es kein Verbot und man würde damit nicht nur in die Atmosphäre des Zirkus eingreifen. Man würde in sehr vielem eingreifen was das betrifft. Und das ist ein Schritt, der muss sehr gut überlegt werden, denn die Frage nach dem ‚Danach‘, da hat sich bis jetzt noch keiner einen Kopf gemacht.“

Der Zirkus Berolina ist der Letzte dem Vorführungen mit Wildtieren gestattet wurden. Der Gastspielvertrag war schon vor dem Ratsbeschluss unterzeichnet worden.

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