Sieger des 16. SCHLINGEL stehen fest

Chemnitzer Filmfestival lockte etwa 9.000 Besucher ins Festivalkino · Preise für internationale Produktionen gehen in die Niederlande, nach Frankreich, Indien und Kanada

Mit der feierlichen Preisverleihung am Samstagabend erlebte das 16. Internationale Filmfestival für Kinder und junges Publikum SCHLINGEL seinen Höhepunkt. Neun Jurys hatten eine Woche lang die Qual der Wahl, ihre Favoriten zu bestimmen.

Zu sehen waren 146 Produktionen aus 38 Ländern. Insgesamt wurden Preise im Wert von rund 25.000 Euro vergeben.

Kinderfilmwettbewerb

Die 16-köpfige Europäische Kinderjury aus acht europäischen Staaten verleiht den Europäischen Kinderfilmpreis (5.000 Euro) vom Sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst für den besten Kinderfilm an:

„Trommelbauch”
Niederlande / 2010
Regie: Arne Toonen

Begründung:
Den ersten Preis bekommt von uns ein Film, der von der ersten bis zur letzten Minute lustig und unterhaltsam war. Er hat uns aber auch gezeigt, dass es nicht nur darauf ankommt, wie man aussieht. Sondern dass man, so wie man ist, ein glücklicher Mensch sein kann. Im Film wurde sehr glaubwürdig gespielt und die Schauspieler haben sich gut in ihre Rollen hineinversetzt. Auch lernten wir dabei, wie wichtig es ist, wahre Freunde zu haben. Es ist ein Film, der die ganze Familie unterhält.

Lobende Erwähnung: „Koko und die Geister“ (Daniel Kušan, Kroatien 2011)

Den „DIAMANT“ – ein Fahrrad der Diamant-Fahrradwerke Hartmannsdorf in Sachsen – als Preis für den besten Kinderdarsteller erhält:

Partho Gupte („Stanleys Lunchbox“)
Indien / 2011
Regie: Amole Gupte

Begründung:
Partho Gupte ist ein Junge, der uns mit sehr viel Gefühl beeindruckt hat. Man hat ihm seine Rolle abgenommen. Er hat uns mit seiner Art auf die Kultur seines Heimatlandes neugierig gemacht. Wir konnten uns gut hineinversetzen und haben mit ihm den Film gelebt.

Die dreiköpfige Internationale Fachjury (Dr. Mathias Günther von der Sächsischen Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien (SLM), Filmwissenschaftlerin Markéta Pášmová aus dem tschechischen Zlín, sowie Schauspielerin Sabine Vitua) verleiht den Hauptpreis der Stadt Chemnitz (5.000 Euro) für den besten Kinderfilm an:

„Trommelbauch“
Niederlande / 2010
Regie: Arne Toonen

Begründung:
Der Filminhalt ist die ideale Ausgangssituation für einen witzigen Film, in dem man viel lachen kann. Er enthält viele schöne, witzige Ideen, die nie in den Klamauk abdriften, sondern leicht und locker daherkommen. Dem Witz geht bis zum Filmende nicht die Puste aus. Unbedingt erwähnenswert sind die Schauspieler, die mit großer Spielfreude liebenswerte Figuren gestalten, auch diejenigen aus Dünnhafen. 

Juniorfilmwettbewerb

Die Internationale Fachjury verleiht ebenfalls den Hauptpreis der Sächsischen Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien SLM (4.000 Euro) für den besten Juniorfilm an:

„Frisson hinter den Bergen“
Kanada / 2011
Regie: Richard Roy

Lobende Erwähnung 1: „Nicostratos, der Pelikan“ (Olivier Horlait, Frankreich 2010)
Lobende Erwähnung 2: „Nie mehr Puppe sein“ (Georgi Negaschew, Russland 2010)

Die siebenköpfige Juniorjury verleiht den Juniorfilmpreis (1.000 Euro) für den besten Juniorfilm an:

„Nicostratos, der Pelikan”
Frankreich / 2010
Regie: Olivier Horlait

Begründung:
Unsere Entscheidung für den bestplatzierten Juniorfilm begründen wir mit den hervorragenden schauspielerischen Leistungen, der atemberaubenden Kulisse und dem überzeugenden Inhalt des Filmes. Auch die Arbeit mit der außergewöhnlichen Tierart hat uns wirklich begeistert.

Lobende Erwähnung: „Spud“ (Donovan Marsh, Südafrika 2010)

Jugendfilmwettbewerb

Die fünfköpfige Jugendjury verleiht den Cinestar-Jugendfilmpreis (1.000 Euro) von der Greater Union Filmpalast GmbH für den besten Jugendfilm an:

„Ich hab Euch ganz sehr lieb“
Frankreich / 2010
Regie: Philippe Locquet

Begründung:
Dieser Film überzeugte durch tolle schauspielerische Leistungen der Darsteller sowie durch Humor.

Blickpunkt Deutschland

Der Förderpreis der DEFA-Stiftung (4.000 Euro) geht an:

„Monika“
Deutschland / 2011
Regie: Christian Werner

Begründung:
Klare Kamerabilder wechseln sich mit unscharfen, dunklen Bildern ab. Es ist Monikas Blick, den der Zuschauer zeitweise verfolgt, um eindrucksvoll ein Gefühl der Blindheit zu erleben. Sensibel und sachlich zeichnet Christian Werner in seinem ersten Lang-Spielfilm den langsamen Weg, mit einer plötzlichen Erblindung umzugehen. Gleichzeitig beschreibt dieser Weg die Loslösung einer jungen Frau in die Unabhängigkeit.


Kurz- und Animationsfilmwettbewerb

Die dreiköpfige Kurzfilmjury verleiht den Internationalen Kurzfilmpreis (500 Euro) an:

„Der Eisangler“
Deutschland / 2010
Regie: Anna Montanyà

Begründung:
Die Regisseurin Anna Montanyà hat das Märchen „Der Fischer und seine Frau“ gut in die Filmhandlung eingebaut. Diese Idee fanden wir besonders beeindruckend. Auch die schauspielerische Leistung des Jungen hat uns sehr gut gefallen.

Lobende Erwähnung: „Sprachlos“ (Bel Armenteros, Spanien 2010)

Die dreiköpfige Jury Nationaler Kurzfilmpreis verleiht den Nationalen Kurzfilmpreis (gestiftet vom Filmverband Sachsen, 500 Euro) an:

„Der präzise Peter“
Deutschland / 2010
Regie: Martin Schmidt

Begründung:
Präzision ist das Motto in dieser absurden Familie, dirigiert von Vater Peter und immer wieder aus dem Takt gebracht von Sohnemann, dem Jüngsten. Der Film besticht durch bildgestalterische und tonale Originalität. In knappen sechs Minuten, metronomisch rhytmisiert, werden schablonenhafte Figuren zu durchschaubaren Charakteren entfaltet, wird Hochspannung an einen komprimierten Handlungsstrang gelegt, Komik ohne Häme erzeugt und ein Schuss Nachdenklichkeit mit auf den Weg gegeben.

Lobende Erwähnung: „Froschwetter“ (Pauline Kortmann, Deutschland 2011)

Die siebenköpfige Animationsfilmjury vergibt den wettbewerbsübergreifenden Animations-filmpreis (500 Euro) für den besten Animationsfilm aus, er geht an:

„Der siebente Rabe“
Deutschland / 2011
Regie: Jörg Herrmann

Begründung:
Dieser Film war sehr aufwendig und hat viel Zeit gekostet. Die Geschichte erzählt von früherer Zeit. Besonders gefallen hat uns die Liebe der Mutter. Wir fanden den Film spannend und die Musik passt gut dazu.

Lobende Erwähnung: „Ich krieg Dich!“ (Turgut Akaçik, Türkei 2010)

Weitere Preise

Den ECFA-Preis der Europäischen Kinderfilmvereinigung ECFA erhält:

„Getretene Hunde“
Großbritannien / 2010
Regie: Marc Munden

Begründung:
Der Film erzählt eine starke Geschichte und überzeugt mit fantastischen Charakteren, tollen Dialogen, einer ansprechenden Regiearbeit sowie erstklassiger Schauspiel- und Filmkunst. Nicht zuletzt war es der Humor, der uns überzeugte. Das Baby ist eine bezaubernde Figur und die Szene mit dem Schaf bleibt dem Zuschauer ewig in Erinnerung.

Der wettbewerbsübergreifende Lichtenauer Publikumspreis der Lichtenauer Mineralquellen GmbH, gewählt von den Besuchern der Festivalwoche, geht an:

„Spud“
Südafrika / 2010
Regie: Donovan Marsh

Mit dem Ehrenschlingel für sein Engagement um den deutschen Kinder- und Jugendfilm wurde Günter Meyer geehrt.

Als Günter Meyer seinen Dokumentarfilm „Unter dem Pflaster von Berlin“ – eine Reise in das Kanalisationssystem der Großstadt – drehte, meinte er: „Der Film soll Spaß machen, nicht nur im Sinne von Komik oder gar Klamauk; es geht um das Vergnügen am Denken, am Erkennen, am Entdecken vielfältiger Probleme, mit denen wir alle tagtäglich zu tun haben.“ Damit hatte der im erzgebirgischen Thum geborene Regisseur letztendlich jenes Credo benannt, das ihn bei all seinen Arbeiten bis zum heutigen Tag geleitet hat. Nach seinem Studium an der Filmhochschule in Babelsberg begann Günter Meyer als Regieassistent im DEFA-Spielfilmstudio, bevor er sein erstes eigenes Projekt mit dem Kinderfilm „Immer lebe die Sonne“ 1969 im Dokumentarfilmstudio realisieren konnte. Damit waren die Zeichen gesetzt, die Meyer zu einem der erfolgreichsten Kinderfilmregisseure Deutschlands machen sollten. Fortan arbeitete er in erster Linie für Kinder, wobei er dabei die Altersgrenze oft sehr großzügig nach oben erweiterte, und er drehte neben Dokumentarfilmen immer wieder auch Spielfilme für das Kino und das Fernsehen.

Rund 9.000 Besucher sowie mehr als 150 Gästen aus aller Welt konnten während der Festivalwoche in Chemnitz begrüßt werden. Regisseure, Schauspieler und Produzenten aus Brasilien, Indien, Iran, Kroatien, Russland, USA trafen sich zum fachlichen Austausch.

Auch der Festivalleiter Michael Harbauer blickt auf eine erfolgreiche Festivalwoche zurück: „Das Festival wurde in diesem Jahr von einer bunten cineastischen Vielfalt geprägt. Die Wettbewerbsbeiträge, die aus den verschiedensten Ländern der Welt kamen, begeisterten die jungen Zuschauer gleichermaßen wie die Fachleute der Film- und Fernsehbranche. Zudem freue ich mich sehr darüber, dass die von uns gezeigten internationalen Filme, die fast ausschließlich zum ersten Mal in Deutschland oder sogar in Europa gezeigt wurden, bei den deutschen Verleihern auf ein großes Interesse gestoßen sind. Preisträgerfilme haben nach der heutigen Auszeichnung eine gute Chance, demnächst synchronisiert zu werden. Das ist notwendig, um dann auf der Kinoleinwand oder im deutschen Fernsehen gezeigt zu werden. Damit nimmt das Internationale Filmfestival SCHLINGEL eine bedeutende Funktion in diesem Bereich ein.“

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