SLUB Dresden gibt NS-Raubgut an Jesuiten zurück

Dresden - Die SLUB Dresden konnte einige vom NS-Regime geraubte Werke an den Jesuitenorden im Haus HohenEichen im Ortsteil Hosterwitz zurückgeben. Möglich wurde dies durch das große Provenienzforschungsprojekt der Bibliothek.

Konkret geht es um 23 Werke größtenteils religiöser Natur, darunter sogenannte Erbauungsbücher. Die ältesten von ihnen stammen sogar aus dem 16. Jahrhundert, der ideelle Wert übersteigt den materiellen jedoch bei weitem. 

Möglich gemacht wurde die Rückgabe durch das große Provenienzforschungsprojekt der Sächsischen Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB). Seit September 2017 identifizieren Forscherinnen wie Nadine Kulbe und Elisabeth Geldmacher unter der Leitung von Jana Kocourek Werke, die vermutlich vom NS-Regime enteignet und dann in den Besitz der SLUB gelangt sind. Dabei werden nicht nur Erkenntnisse über die Enteignungen der NS-Zeit gewonnen, auch die Wege und Umwege, über die solche Werke dann in den Bestand der SLUB kamen, werden klarer. Dabei können zum Beispiel Stempelmarken eindeutige Belege liefern, aber auch kleinste handschriftliche Vermerke können Aufschluss über Eigentümer- und Besitzgeschichte geben. Lückenlos lassen sich dennoch die wenigsten Geschichten aufklären, so auch im Fall der Jesuitenbibliothek. 

Diese wurde vermutlich 1941 bei der Enteignung des 1921 gegründeten Haus HohenEichen des Jesuitenordens in Dresden-Hosterwitz beschlagnahmt. 1942 kamen dann Teile davon als Geschenk in den Besitz der SLUB, die damals im Japanischen Palais situiert war. Wie viele Bücher die Schenkung umfasste lässt sich nicht genau feststellen, einzig, dass bloß 23 Werke die Bombardierung Dresdens im Feburar 1945 überstanden steht fest. Mit ihrer Rückgabe an die Jesuiten kann nun ein neues Kapitel der Aufarbeitung der NS-Zeit beginnen. 

Weitere Informationen zum Provenienzforschungsprojekt finden Sie auf der Website der SLUB Dresden: https://nsraubgut.slub-dresden.de/ns-raubgut/ 

Übrigens erhält auch die SLUB bisweilen Werke zurück, die während oder nach der NS-Zeit verschollen gegangen sind, wie wir kürzlich berichteten.