So gewinnst du die Kontrolle über deinen Handykonsum zurück

Leipzig - Generation "Kopf unten" wird sie genannt: junge Menschen, deren Gesicht - wohin sie auch gehen - auf das Smartphonedisplay fixiert ist.

Menschen, die mit dem Blick auf das Smartphone einschlafen und aufstehen. Verloren im Netz, wie es scheint. Doch einige finden den Weg wirklich nicht mehr zurück in die Realität.

Spätestens dann spricht man von "pathologischer Mediennutzung". Doch ab wann spricht man von einem krankhaften Verhalten?

"Wir gucken gar nicht so nach den Nutzungszeiten. Das ist sicher ein Aspekt. Jemand der 120 Stunden die Woche Medien nutzt, das kann nicht mehr gesund sein. Wir gucken aber vor allem, wie der Rest klappt. Klappt die Arbeit, klappt das Hobby und Familie. Wenn es in einem dieser Bereiche Einschränkungen gibt und an der Stelle Medienkonsum ist, dann könnte eventuell ein Problem vorliegen", erklärt Matthias Rost, Suchttherapeut der Jugenddrogenberatung "Drahtseil".

© Leipzig Fernsehen
© Leipzig Fernsehen

Betroffene junge Männer verbringen dabei den Großteil ihrer Medienzeit mit dem Spielen von Online-Computer-Rollenspielen. Frauen hingegen widmen sich vorwiegend sozialen Netzwerken wie Facebook oder Instagram.

Sie merken, dass irgendetwas in ihrem Leben nicht gut läuft; in den meisten Fällen verneinen sie jedoch den Hinweis anderer, dass die Medien der Grund dafür sind.

Bei einer Therapie wird deswegen erst mal ein Bewusstsein für das Problem geschaffen. In einigen Fällen hat das nämlich auch einen ganz anderen Ursprung.

"Wir haben ganz oft Fälle von schweren Begleiterkranungen wie Depressionen und Sozialphobien, die müssen natürlich zuerst behandelt werden. Dann ist das Medium für die Betroffenen eher die Lösung als das Problem. Es kann passieren, dass der Mediennutzer, wenn er den Konsum runterschraubt, wirklich in stark psychische Symptome reingeht und dann ist das natürlich erst mal im Vordergrund", so Rost.

Natürlich reagieren auch die Smartphone-Entwickler selbst auf diese Problematik. Mit der "Screen Time" App versucht Apple und Co. für sogenannte "Digital Wellness" zu sorgen. Spätestens seit dem neuen iOS Update können sich iPhone-Besitzer anzeigen lassen, wie viel Zeit sie mit einzelnen Apps verbracht haben oder wie oft sie nachgeschaut haben, ob neue Nachrichten vorliegen. Selbst den Spiel-Apps kann eine Grenze auferlegt werden. Doch können auch schon "drastischere" Tricks helfen, den eigenen Smartphonekonsum einzuschätzen und zu regulieren.

"Ich schalte es einfach bewusst mal einen Tag aus und schaue, wie es mir damit geht. Einfach, um mal zu gucken, was das für eine Bedeutung in meinem Leben hat. Für viele Jugendliche ist das Leben ohne Handy kaum noch vorstellbar. Ich kann versichern, dass das geht. Man sollte wirklich mal schauen, was das mit mir macht, wenn das Gerät aus ist. Viele beschreiben erst mal eine Art Leere und Langeweile, aber viele sind auch ganz entspannt, weil diese kleine Sklaventreiber, der die ganze Zeit piept, eben nicht mehr da ist und wir lassen uns ja schon sehr von diesem Gerät treiben", so Rost.

Manchmal reicht es schon aus, das Smartphone stumm zu schalten. Nicht immer sofort auf jedes Signal zu reagieren und einfach Mal die Ruhe zu genießen.