So kam die italienische Küche in die Elbmetropole

Dresden - Am Donnerstag lädt das Stadtarchiv Dresden ab 18 Uhr zum Vortrag „Wie kam die italienische Küche nach Dresden? Kulinarische Migration: Wege – Personen – Erinnerungsorte“ von Prof. Dr. Josef Matzerath ein. Die Veranstaltung ist Teil des Rahmenprogramms der Fachausstellung „Verborgene Geschichte(n) aus dem Stadtarchiv“. Der Eintritt ist kostenfrei.

Von 1878 bis 1900 war Margarete von Savoyen italienische Königin. Nach ihr ist die Pizza mit grünem Basilikum, weißem Mozzarella und roten Tomaten, also mit den Farben der Nationalflagge, benannt: die „Pizza Margherita“. Vor der Dresdner Semperoper erinnert noch heute ein Denkmal an den Großvater der Regina Margherita. Denn sie war die Enkelin des sächsischen Königs Johann. Nachdem der Dresdner Maiaufstand niedergeschlagen worden war, wurde die Heirat von Johanns Tochter Elisabeth ins Königshaus Savoyen das erste Stadtgespräch, das wieder Sympathien für die Wettiner hervorrief. Später nutzte Johann von Sachsen seine Verwandtschaft zum Turiner Hof auch, um sich von seiner Tochter Grissini, piemontesische Trüffeln und italienischen Wein schicken zu lassen.
Nahrungsmittel aus Italien waren in der Mitte des 19. Jahrhunderts aber nichts Neues in Dresden. Denn bereits nach dem Dreißigjährigen Krieg hatten Italiener in der sächsischen Residenzstadt Läden eröffnet, in denen sie Nahrungsmittel anboten, die sie aus weiter Ferne bezogen. Feigen, Oliven und Zitronen wurden schon in der Mitte des 17. Jahrhunderts nach Sachsen importiert. Ein Dresdner Kochbuch dieser Zeit nutzt wie selbstverständlich auch Feigen, Reis (aus Norditalien) oder Parmesan.
Die Pâtisserie des 19. Jahrhunderts erhielt ebenfalls Impulse aus Italien. Giovanni Ercole Samuele Torniamenti aus Induno, einer Stadt am Fuß der Alpen zwischen dem Lago di Como und dem Lago Maggiore, zauberte in Dresden eine breite Palette von Pasteten, ein Giardinetto (eine gemischte Obstplatte) oder auch Speiseeis, das die feine Gesellschaft auf der Brühlschen Terrasse genoss. Signore Torniamenti verheiratete sich mit einer Dresdnerin und musste dennoch lange um seine Integration kämpfen. Wie erfolgreich das am Ende gelungen ist, beweist bis heute sein imposantes Grabmonument auf dem katholischen Friedhof in der Friedrichstadt.
Die DDR kannte seit den späten 1970er Jahren Pizza-Buffets als sozialistisches Format von Systemgastronomie. Erst nach 1990 etablierten sich in Dresden nicht nur die Tiefkühlpizza im Supermarkt und eine Reihe von Gaststätten mit der typisch deutschen Kombination „Pizzeria-Ristorante“, sondern auch die moderne italienische Kochkunst auf anspruchsvollem Niveau.

© Dresden, um 1865. Stadtarchiv Dresden