So kommen Sie an Ihre Stasi-Daten!

Sachsen - Auch 30 Jahre nach der DDR sind Stasi-Unterlagen immer noch ein großes Thema. Wer wurde bespitzelt? Was steht in den Akten? Antworten können Bürger in den Stasi-Unterlagen-Archiven bekommen. Davon gibt es in Sachsen drei Außenstellen. Wir haben für Sie einmal ins Innere der Behörde geblickt und beeindruckende Zahlen für Sie.  

Mehr als 8,1 Millionen Karteikarten, 21.500 Meter aneinandergereihte Unterlagen und tausende Säcke voller Papierschnipsel: diese enormen Zahlen gibt es alleine in den drei sächsischen Stasi-Unterlagen-Archiven in Dresden, Chemnitz und Leipzig. Bundesweit gibt es insgesamt 12 dieser Außenstellen. Wer wissen will, was über ihn oder sie in den Stasi-Akten steht, kann sich hier melden und einen entsprechenden Antrag stellen. Das haben seit 1992 im Freistaat rund 860.000 Menschen getan.

Nicht jeder wurde überwacht

Die Stasi ließ Millionen Menschen in der DDR überwachen und schuf somit ein Instrument, um Bürger zu kontrollieren und um Abweichungen feststellen zu können. Mitarbeiter der Stasi hörten Telefone ab, durchsuchten Wohnungen und schüchterten ihre Opfer ein. Ergebnisse der Bespitzelungen wurden in Akten festgehalten. Allerdings nicht über jeden. Und so kann es auch sein, dass entsprechende Anträge auf Informationen über Stasi-Unterlagen ins Leere laufen.

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Auch die Behörde verrät nicht alles

Weil die eingegangenen Anträge von Mitarbeitern per Hand geprüft, bearbeitet und recherchiert werden, kann die Antwort einige Zeit in Anspruch nehmen. In Leipzig beispielsweise beträgt die durchschnittlich Dauer etwa ein Jahr. Weil die Antragsteller nur Informationen über sich selbst bekommen können und sollen, schwärzt die Behörde in den Antworten mitunter einzelnen Wörter oder auch ganze Sätze.

In den Stasi-Unterlagen-Archiven lagern noch heute tausende Säcke voll mit Papierschnipseln, sogenanntes vor-vernichtetes Material. Dabei handelt es sich um mehr oder weniger zerstörte Stasi-Unterlagen. Sie wurden in den letzten Tagen und Wochen der DDR hastig versucht zu vernichten, um den Inhalt vor Bürgerrechtlern zu verbergen.

Erneuter Antrag kann sich lohnen

Die klein gerissenen Dokumente wieder zusammen zu puzzeln ist eine Mammutaufgabe. Zwar ist es per Hand möglich, dafür aber aufwändig. Auch bei einer digitalen Lösung hakt es. Es gibt bereits eine leistungsfähige Software, die zusammenhängende Teile erkennt. Jedoch keine entsprechenden Scanner, die die Papierberge schnell und zuverlässig digitalisieren können. Deshalb ist dieses Projekt ersteinmal gestoppt. 

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Trotzdem: Noch immer werden Unterlagen der Stasi erschlossen und nutzbar gemacht. Das bedeutet auch: wenn beim ersten Antrag keine Unterlagen auffindbar waren, kann ein zweiter Anlauf nach einigen Jahren möglicherweise zu neuen Ergebnissen führen.