Sommertour – Uniklinik weiht hochmodernes OP-Zentrum ein

Dresden - Die Erweiterung des Chirurgischen Zentrums an der Dresdner Uniklinik geht ab Spätherbst schrittweise in Betrieb. Auf rund 11.000 m² sind 17 hochmoderne OP-Säle, eine Chirurgische Notaufnahme, ein Ambulanzbereich und eine Intensivstation sind entstanden. Jonathan Wosch hat sich in dem neuen Gebäudekomplex im Rahmen der Drehscheibe-Sommertour umgeschaut.

Der Freistaat Sachsen und das Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden haben 111 Millionen Euro in Bau und Ausstattung des Gebäudekomplexes investiert. Der ab Spätherbst schrittweise in Betrieb gehende Neubau ist direkt an den bestehenden, in den Häusern 58 und 59 untergebrachten OP-Trakt angeschlossen. Auch die Übergänge zu den Kliniken für Augenheilkunde sowie für HNO-Heilkunde sorgen für eine optimale Integration ins bestehende Gebäudeensemble. Das in Eigenregie des Uniklinikums errichtete fünfstöckige Haus mit einer Nutzfläche von rund 11.000 Quadratmetern beherbergt 17 hochmoderne OP-Säle, eine Chirurgische Notaufnahme, einen Ambulanzbereich, eine Intensiv- und vier weitere Pflegestationen für insgesamt 132 Patienten sowie eine leistungsstarke Zentralsterilisation. Der Komplex gehört damit zu den modernsten OP-Zentren Europas.

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Davon profitieren Patienten wie Mitarbeiter: Innovative Technologien sorgen für eine noch höhere Patientensicherheit und erweitern das Behandlungsspektrum des Uniklinikums. Mit der direkten Nachbarschaft von OP-Sälen und Intensivstationen aber auch einer in den Operationstrakt integrierten Cafeteria und den direkt von den Stationen erreichbaren Innenhöfen setzt das Uniklinikum Maßstäbe bei den Arbeitsbedingungen der ärztlich und pflegerisch tätigen Mitarbeiter. Mit dem Neubau entstehen 190 neue Arbeitsplätze. Insgesamt werden im Vollbetrieb 530 Personen in dem Neubau arbeiten.

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„Für das Universitätsklinikum ist die Erweiterung des Chirurgischen Zentrums ein entscheidender Meilenstein, um auch in Zukunft Maximalversorgung auf höchstem Niveau bieten zu können“, sagt Prof. Michael Albrecht, Medizinischer Vorstand des Universitätsklinikums Dresden. „Unsere Mission ist es, als Krankenversorger, als forschende Institution, aber auch als Unternehmen Spitzenleistungen zu erbringen. Das ist nur mit einer hochmodernen, hocheffizienten Infrastruktur möglich. Genau diese Qualitäten kann der Neubau langfristig bieten.
„Das neue operative Zentrum ist ein weiterer Meilenstein für das Uniklinikum und ein Segen für die Patienten, die hier behandelt werden. Damit verbessert sich die sehr gute medizinische Versorgung an diesem Standort weiter. Der Freistaat hat gemeinsam mit dem Uniklinikum 111 Millionen Euro investiert.

Das ist gut fürs Patientenwohl, aber auch für Beschäftigung und Wachstum in einer wichtigen Branche. Schon jetzt ist jeder siebente Arbeitsplatz bei uns einer in der Gesundheitsbranche. Auch deshalb investieren wir weiter in eine exzellente Gesundheitsversorgung in ganz Sachsen, sagt Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU).

„Insbesondere in der Tumorchirurgie steckt ein enormes Innovationspotenzial das es zu nutzen gilt. Mit dem Erweiterungsbau des Chirurgischen Zentrums sowie mit dem Neubau des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen Dresden verfügt die Dresdner Hochschulmedizin künftig über hervorragende Voraussetzungen, um auch auf dem Gebiet der Tumorchirurgie patientennah auf höchstem Niveau zu forschen. Diese Konstellation ist der Inbegriff von Innovation und einmalig in Deutschland. Auch bietet sie ideale Voraussetzungen für die Lehre“, sagt Prof. Heinz Reichmann, Dekan der Medizinischen Fakultät Carl Gustav Carus der TU Dresden.

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Hocheffiziente Grundrisse für einen effizienten Krankenhausbetrieb

Mit dem Neubau verfügt das Dresdner Uniklinikum über eines der effizientesten Krankenhausgebäude Deutschlands. Denn die Planer haben in Abstimmung mit Ärzten und Pflegenden ein optimales Verhältnis zwischen geringstmöglicher Verkehrs- und höchstmöglicher Nutzfläche erzielen können, bestätigt das Fraunhofer Institut in einem Gutachten. „Damit wird das Gebäude dem Bedarf an Flächen zur Versorgung der Patienten zum Zeitpunkt der Fertigstellung ebenso gerecht, wie den Erfordernissen der kommenden 20 Jahre“, sagt Prof. Michael Albrecht. Beleg dafür sind unter anderem die in Haus 32 geplanten, sehr kurz gehaltenen Wege für Patienten und Personal. Sie stellen die optimalen Abläufe in der Krankenversorgung sicher. Zudem sind auch die Grundrisse und Ausstattungen der einzelnen Räume auf höchste Flexibilität ausgerichtet. Dank dieser Anpassungsfähigkeit lassen sich die Flächen entsprechend dem aktuellen Tagesbedarf der chirurgischen Kliniken nutzen. Dies kommt nicht nur den Patienten zugute, die zügiger behandelt werden können, sondern dem Uniklinikum als Unernehmen, da der Neubau eine größtmögliche betriebswirtschaftliche Effizienz erreicht. Damit diese Flexibilität wirksam wird, sind die einzelnen Räume – vom Arztzimmer bis zum OP-Saal – nicht den einzelnen chirurgischen Kliniken zugeordnet: Stattdessen gibt es eine Festschreibung ihrer Funktion – etwa Ambulanz, Intensivstation, normale Pflegestation oder OP.

Neurochirurgischer OP-Komplex mit intraoperativ nutzbarem MRT

Neue Dimensionen eröffnet der Erweiterungsbau vor allem auf medizinischem Gebiet. Im Mittelpunkt stehen dabei alle chirurgischen Fächer – darunter die Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, die Kinderchirurgie, die Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, die Neurochirurgie, die Orthopädie und Unfallchirurgie mit plastischer Chirurgie, die Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie sowie die Anästhesie. Fünf Spezial-OPs sind in den Neubau integriert. Eine Besonderheit, die auch über die Grenzen Deutschlands nur sehr wenige Krankenhäuser vorweisen können, sind die beiden vornehmlich von der Klinik für Neurochirurgie genutzten OP-Säle, die über einen direkten Zugang zu einem Magnetresonanztomographen (MRT) verfügen. Damit lassen sich bereits während einer Operation Aufnahmen vom Gehirn der Patienten machen. 

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Dank der detaillierten, sofort verfügbaren Darstellung der Hirnstrukturen können die Experten erkennen, ob noch Tumorgewebe im OP-Feld vorhanden ist. Damit lassen sich OP-Ergebnisse sofort kontrollieren und gegebenenfalls der Eingriff fortsetzen. Bisher entstanden die MRT-Bilder erst nach der Operation, so dass der Patient frühestens am Folgetag erneut operiert werden konnte. Um eine medizinisch wie wirtschaftlich optimale Konstellation von OP und MRT zu planen, haben sich die Experten des Uniklinikums im Vorfeld weltweit in Kliniken umgeschaut. Mit der in Haus 32 um-gesetzten Lösung nimmt das Dresdner Uniklinikum eine Vorreiterposition ein: Unter anderem sind die Räumlichkeiten so angeordnet, dass der MRT auch zur Untersuchung ambulanter Patienten genutzt werden kann, wenn er im OP-Betrieb nicht benötigt wird.

Zweiter Hybrid-OP sorgt für Innovationsschub bei Tumor-Operationen

Nachdem Anfang des Jahres der erste, vornehmlich von der Gefäßchirurgie genutzte Hybrid-OP des Uniklinikums in direkter Nachbarschaft von Haus 32 in Betrieb ging, folgt nun ein zweiter Saal dieses Typs. Die Besonderheit ist das darin installierte robotergeführte Röntgengerät. Die Klinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie wird in diesem Spezial-OP die Entwicklung navigierter Operationen vorantreiben.

Im Mittelpunkt stehen dabei Eingriffe an der Leber und bei Tumoren im kleinen Becken – beispielsweise bei wiederkehrendem Enddarmkrebs. Die Viszeralchirurgen erhoffen sich von den neuen Technologien, noch gezielter als bisher operieren zu können. Ziel ist es, Tumorgewebe auch bei schwierigen Konstellationen möglichst komplett zu entfernen und dabei das gesunde Gewebe in höchstmöglichem Maß zu schonen. Ein großer Teil der Verfahren, bei der die OP-Navigation eingesetzt werden soll – etwa die Leberchirurgie– befindet sich noch nicht in der klinischen Routine, sondern ist Gegenstand von Forschungsvorhaben. Krebspatienten des Dresdner Uniklinikums werden im Rahmen von Studien unter den ersten sein, die von diesen medizinischen Innovationen profitieren. Den neuen Hybrid-OP werden neben der Klinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie auch die Experten der Klinik für Neurochirurgie und des UniversitätsCentrums für Orthopädie und Unfallchirurgie nutzen.

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Eine wichtige Rolle spielt der Hybrid-OP auch bei der Versorgung von Notfallpatienten mit starken inneren Blutungen. Sie können künftig auf kurzem Weg von der Chirurgischen Notaufnahme im Erdgeschoss zum OP in der darüber gelegenen Etage gebracht werden. Um die die verletzten beziehungsweise geplatzten Blutgefäße minimalinvasiv und damit für den Patienten sehr schonend zu verschließen, bringen die Experten der Interventionellen Radiologie Partikel, Kleber oder Metallspiralen ein. Dazu nutzen sie Katheter, die sie unter Kontrolle des robotergeführten Röntgengeräts zumeist über die Leistenschlagader bis zum betroffenen Blutgefäß schieben. Zudem wartet der Neubau mit einem speziell vernetzten OP-Saal auf, in dem die Voraussetzung für eine größtmögliche Verknüpfung computerunterstützter chirurgischer Geräte mit weiteren medizinischen Daten geschaffen wird – beispielsweise zur Kombination von Röntgenbildern und Werten der Körperfunktionen der Patienten. Der fünfte Typ der in Haus 32 etablierten Spezial-OP ist mit einem Bestrahlungsgerät ausgestattet. Damit lässt sich unmittelbar nach der chirurgischen Entfernung des Tumors das angrenzende Gewebe bestrahlen.

Zentralsterilisation mit neuer Technik und neuen Strukturen

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Auch im Untergeschoss wartet der Erweiterungsbau des Chirurgischen Zentrums mit einer High-Tech-Ausstattung auf. Die neue Zentralsterilisation ist eine der größten ihrer Art in Deutschland. Vier Dampfsterilisatoren mit einem Fassungsvermögen von etwa 50 OP-Sieben, zwei Formaldehyd-Sterilisatoren sowie ein Wasserstoff-Peroxyd-Sterilisator stehen zur Aufbereitung des OP-Instrumentariums zur Verfügung. Hinzu kommen 14 Reinigungs- und Desinfektionsautomaten. Mit der komplett neu ausgestatteten Zentralsterilisation erweitern sich die Kapazitäten dieses Bereichs um gut ein Fünftel. Täglich bereiten 45 Mitarbeiter im Drei-Schicht-Betrieb das OP-Instrumentarium des Uniklinikums sowie weiterer externer Kliniken auf. Die neue Zentralsterilisation sorgt zudem dafür, dass nun auch komplexe Instrumente – zum Beispiel die der Augenklinik – an einem Ort aufbereitet werden können.

Mit der erweiterten Kapazität an Formaldehyd- sowie Wasserstoff-Peroxyd-Sterilisatoren trägt das Klinikum dem Trend zu mehr minimalinvasiven Eingriffen Rechnung: Die thermolabilen Instrumente der beiden DaVinci-OP-Robotersysteme sowie auch flexible Endoskope lassen sich nicht mit Dampf sterilisieren. In der Zentralsterilisation arbeiten ausschließlich für diese Tätigkeit in der klinikumseigenen Carus Akademie speziell zu Technischen Sterilisationsassistenten qualifizierte Mitarbeiter. Deren Zahl wächst im Rahmen der Inbetriebnahme des Zentrums um 15 auf dann 95 Personen. Mit dem Start des OP-Betriebs wird das Konzept von Fallwagen eingeführt. Damit übernimmt der Bereich auch die Verantwortung für die Logistik des Instrumentariums. Ziel ist es, damit das OP-Personal zu entlasten und die Abläufe vor und nach den Operationen zu beschleunigen, um so die Wechselzeiten zwischen den Operationen stark zu verkürzen.

Text: Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden

Artikel erstellt von: Jonathan Wosch