Sonderausstellung – Fred Stein kehrt nach Dresden zurück

Dresden - Ob in Porträts berühmter Zeitgenossen oder in den Aufnahmen der Metropolen Paris und New York, das vielschichtige fotografische Werk Fred Steins offenbart das bemerkenswerte Talent eines Porträt- und Straßenfotografen. Mit einer Sonderausstellung im Stadtmuseum wird derzeit an den Dresdner Fotograf erinnert.

Die bekannten Portraits von Albert Einstein und Erich Kästner kennt wohl fast jeder. Fred Stein, der Fotograf hinter den Bildern blieb jedoch weitgehend unbekannt. Nun würdigt das Stadtmuseum den gebürtigen Dresdner mit der Sonderausstellung "Fred Stein - Dresden - Paris - New York" Die Ausstellung zeigt insgesamt 71 Fotografien sowie einige seiner Bücher. Die 50 Straßenaufnahmen und 21 Portraits wurden dem Stadtmuseum vom Jüdischen Museum Berlin geliehen. Am Freitag Abend wurde die Ausstellung gemeinsam mit dem Sohn Peter Stein eröffnet. 1967 starb Fred Stein in New York im Alter von 58 Jahren. Mit der Sonderausstellung "Fred Stein - Dresden - Paris - New York" erinnert das Stadtmuseum noch bis 7. Oktober an den Fotografen.

© Sachsen Fernsehen

Über Fred Stein

Der Sohn eines Rabbiners wurde 1909 in Dresden geboren, studierte Rechtswissenschaften und war überzeugter Sozialist. 1933 riss Hitlers Regierungsübernahme den jungen Referendar aus seiner beruflichen Laufbahn und zwang ihn und seine Frau Liselotte zur Flucht nach Paris, wo das gemeinsame Hochzeitsgeschenk, eine Leica-Kleinbildkamera, zum Schlüsselmoment seiner neuen Karriere wurde. Im Pariser Exil machte er sich als Fotograf selbstständig und entwickelte binnen kürzester Zeit einen präzisen und doch stimmungsvollen Blick auf die Metropole und ihre Bewohner. Architektur, Freizeit und Arbeit, Milieu- und Charakterstudien verband Stein mit sozialpolitischen Fragen seiner Zeit. Sie spiegeln sich auch in seinen Straßenfotografien aus New York wider, das ihm 1941 auf der erneuten Flucht vor dem nationalsozialistischen Terror zur neuen Heimat wurde. Zu einer formal versierten und dynamischen Bildsprache gesellt sich immer wieder der humorvolle Blick auf typische Szenen des großstädtischen Alltags und kennzeichnet das Werk des Fotografen.

Fred Stein gehört zu den Pionieren der Kleinbildfotografie der 1930er und 1940er Jahre. Das fotografische Œuvre des Quereinsteigers ist ein bewegendes und bewegtes Zeugnis der Geschichte des 20. Jahrhunderts; er schuf beeindruckende Ansichten von Städten und Menschen. Die Liste der Porträtierten liest sich wie das »Who is Who« des 20. Jahrhunderts: Hannah Arendt, Albert Einstein, Willy Brandt, Arnold Zweig, Egon Erwin Kisch, Bertold Brecht, Marlene Dietrich, Salvador Dalí, Martin Buber, Thomas Mann. Seine Fotografien zeichnen sich durch tiefe Menschlichkeit und einen hintergründigen Humor aus.

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