Stadt sucht besonderen Boden „Hortisol“

Dresden – Der sogenannte Hortisol wurde zum Boden des Jahres 2017 gekürt. Doch über Dresdens Gartenböden ist wenig bekannt. Deswegen sucht die Landeshauptstadt jetzt den besonderen Boden im Stadtgebiet. DRESDEN FERNSEHEN hat sich im Kleingartenverein Sonnenlehne 2 auf die Suche nach dem Hortisol gemacht. 

In der Gartenanlage von Rita Weinhold wächst und gedeiht es schon seit Jahren prächtig. Mit Bohrer und Spaten ausgestattet haben wir uns deshalb mit dem Bodenexperten Matthias Röder auf die Suche gemacht, um dort das besondere Hortisol zu finden.
Hortisol zeichnet sich durch ein besonders aktives Bodenleben mit vielen Regenwürmern und Mikroorganismen aus, die das Bodenmaterial und die reichlich vorhandene organischen Pflanzenrückstände intensiv durchmischen und zersetzen. Dadurch bildet sich ein eigener humusreicher und krümeliger meist dunkelgrauer Bodenbereich. Der Hortisol ist vor allem deswegen sehr humusreich, weil dem Boden regelmäßig – meist über Jahrzehnte – Nährstoffe und organische Substanzen in Form von Küchenabfällen, Jauche, Kompost oder Stallmist zugegeben wurden. Diese Zugaben verbesserten die Vorräte an organischen Kohlenstoff, Stickstoff und Phosphor um ein Mehrfaches im Vergleich zu anderen Böden. Auch das Wasserbindungsvermögen ist hoch. pflanzen können wegen der guten Bodenstruktur intensiv wurzeln und bilden Humus.

Mit einem Bohrstock hat Bodenexperte Matthias Röder die ersten Schichten analysiert. Familie Weinhold und andere Gartenfreunde begleiten die Suche nach dem seltenen Boden gespannt. Eine Bodenprobe hat ergeben, dass sich unter der dunklen Muttererde tatsächlich ein hortisolähnlicher Boden befindet. Bislang konnte jedoch in den verschiedenen Gärten kein reines Hortisol gefunden werden.

© Sachsen Fernsehen
 

Da Gartenböden im innerstädtischen Raum zunehmend überbaut werden, gehen wertvolle Zeugnisse der Kulturgeschichte verloren. Bodenkundler und Archäologen schätzen besonders die Archivfunktion der Gartenböden. Scherben, Holzkohle, Knochen etc. sind Hinweise auf die Siedlungs- und Kulturgeschichte. Die Stadt Dresden möchte daher die Verbreitung der wichtigen Böden festhalten. Wer wissen möchte, ob sich in seinem Garten Hortisol befindet oder bei der Erschließung helfen will, kann das ganz einfach tun. Dazu findet jeder Gärtner ein Formular unter www.dresden.de/umwelt. Darin befindet sich eine Beschreibung, wie man Hortisol finden und erkennen kann. Außerdem müssen einige Angaben zu den Inhaltsstoffen des Bodens, der Bodentiefe und der Beschaffenheit gemacht werden. Unter dem Motto „Der Gartenboden – Was ist er uns Wert“ veranstaltet das Umweltamt im November die Abschlussveranstaltung zur Aktion. Dann werden alle Ergebnisse ausgewertet und Fragen rund um den Boden beantwortet.