Stadtforum Leipzig fordert eine Perspektive für den Lindenauer Markt anstelle eines Kaufland-Centers

Schon lange existiert ein Streit über ein mögliches Einkaufzentrum am Lindenauer Markt. Lesen Sie hier die offizielle Pressemitteilung des Stadtforums Leipzig: ‚Seit über zehn Jahren blockiert am Lindenauer Markt das Projekt für ein Kaufland-Center die dringend notwendigen Ansätze für eine nachhaltige, kleinteilige Entwicklung. Verwaltung und Stadtrat werden aufgefordert, das Vorhaben nun endgültig zu den Akten zu legen und damit endlich den Weg frei zu machen für eine vernünftige Entwicklung des Marktes sowie der angrenzenden Straßenzüge.

Mit guten Gründen hat sich die Stadt in ihrem neuen Stadtentwicklungskonzept (SEKO) davon verabschiedet, Kaufkraft in solche Center zu lenken. Ziel soll nun eigentlich die Stärkung von integrierten Standorten, wie den Magistralen und eben den alten Ortsteilzentren mit einer Ballung kleinteiliger Einheiten sein. Weiter sollten Denkmalabbrüche für derartige Einzelhandelsprojekte nicht mehr vorkommen. Kaufland-Märkten fielen in Leipzig bereits der alte Straßenbahnhof in Reudnitz oder die alte Brauerei in Gohlis zum Opfer, beides Denkmale von weit überlokaler Bedeutung.

Das mit ca. 3.800 m² Verkaufsfläche geplante Center mit großem Parkdeck soll täglich ca. 10.000 Kunden anziehen, die zu großen Teilen aus anderen Stadtvierteln und unter den motorisierten Umland-Pendlern gewonnen werden sollen. Für die damit verbundenen Verkehrsprobleme sind tragfähige Konzepte weder vorgesehen, noch eigentlich denkbar. Dem Vorhaben fiel in der vergangenen Woche bereits das denkmalgeschütztes Wohnhaus Henricistraße 12 zum Opfer. Drei weitere denkmalgeschützteund zum Teil voll sanierte Wohn- und Geschäftshäuser unmittelbar am Markt sollen bis zum April folgen. Die teilweise gut vermieteten Häuser wurden gezielt leer gezogen, Mietanfragen von Gewerbetreibenden seit längerem abgewehrt. Erhalten bleiben sollen die mehrstöckigen Fassaden vor einer ansonsten zweigeschossigen Bebauung. Die ansonsten belanglosen straßenzuglangen Außenwände des Centers sowie der Kunden- und Lieferverkehr werden das gesamte Viertel nachhaltig beschädigen. Sanierungen, Vermietungsaussichten und bereits konkretisierte Stadthausplanungen sind massiv gefährdet. Durch die erheblichen Kaufkraftverschiebungen werden die umliegenden Einzelhandels- und Dienstleistungsbetriebe in ihrem Bestand bedroht, wie nicht zuletzt die Erfahrung mit Kaufland in Reudnitz bewiesen hat.

Wolfram Günther (Sprecher): „Das Projekt ist ein Planungsfossil aus einer längst vergangen geglaubten Zeit. Eigentlich dürfte so etwas heute gar nicht mehr ernsthaft diskutiert werden. Dem Nutzen ganz weniger Projektbetreiber stünden immense wirtschaftliche Verluste und Verluste von Lebensqualität eines ganzen Stadtteils gegenüber. Die Reduzierung stadtbildprägender Baudenkmale auf eine mehrstöckige freistehende Fassade in der Art von Western-Kulissen ist der Stadt Leipzig unwürdig und geradezu absurd.“

Alexander Khorrami (Sprecher): „Neue Supermärkte können auch ein Gewinn für ihr Viertel sein. Doch dazu müssen sie eine standortgerechte Größe und Architektur haben. Wie das funktioniert, hat in Leipzig wiederholt der Konsum gezeigt, etwa in der Könneritzstraße. Am Lindenauer Markt könnte ein Markt mit 800 m², vielleicht 20 Stellplätzen und einer hochwertigen zum Markt orientierten Fassade diese Funktion erfüllen.“‘

Quelle: Stadtforum Leipzig

+++ Statements von der Stadt Leipzig zur Projektentwicklung, Bilder vom eventuellen Baugrund und Interviews mit dem Leipziger Stadtforum sehen Sie Dienstagabend ab 18 Uhr stündlich in Ihrer Drehscheibe Leipzig. +++