Stadtrat stimmt mehrheitlich Aufhebung der Sperrstunde zu

Leipzig – „Sperrstunde platzen lassen.“ Mit diesen Worten trafen am Mittwoch mehrere hunderte Demonstranten zu einer Kundgebung und um die Entscheidung des Stadtrats abzuwarten. Dieser traf sich im Neuen Rathaus unter anderem, um über die Abschaffung der Sperrstunde für Leipziger Clubs und Restaurant in der Zeit von 5 bis 6 Uhr morgens abzustimmen.
Die sogenannte Putzstunde gilt für Veranstaltungsbetriebe, Gaststätten mit Veranstaltungsbetrieb, kulturelle Einrichtungen und Diskotheken. Für Antragsteller Juliane Nagel von Die Linke und Norman Volger ist die Sperrstunde jedoch ein Relikt aus vergangenen Zeiten. Losgetreten wurde die Debatte um die Aufhebung der Sperrstunde durch eine Petition der Bürger. In großen Teilen der jüngeren Bevölkerung bestehe der Bedarf für ein Nachtleben, das nicht um eine bestimmte Uhrzeit endet. Für Juliane Nagel ist das ein wichtiger Schritt zum Handeln gewesen.
Neben der Abschaffung der Sperrstunde wollten Leipziger Clubs und deren Besucher auch auf das Problem der Verdrängung der Szene in Leipzig aufmerksam machen. Für Steffen Kache, Inhaber der Destillery und Vorstand der Livekomm Bundesverband, ist weniger die Lärmbelästigung ein Grund für die drohenden Schließungen, wie beispielsweise im So&So. Er sieht viel mehr den Wachstum der Stadt und den damit verbundene Wohnungsbau als Ursache. Für ihn gehört die Clubszene zu einem essenziellen Bestandteil der städtischen Subkultur, die es zu schützen gilt. Laut Kache findet bereits ein Umdenken der Stadtpolitik statt. Dennoch fordert er weitere Maßnahmen und nennt als Beispiel Deutschlands Partyhochburg.
Am späten Mittwochabend wurde mit großer Mehrheit für die Abschaffung der Sperrstunde im Rathaus gestimmt. Für Steffen Kache und die anderen Clubbetreiber ist das Grund zur Freude. Es wird ihnen Hoffnung machen, dass die Stadt die Subkultur erhalten will und das drohende Clubsterben in Leipzig doch noch abgewendet werden kann.

Beitrag: Norman Baumgartner