Stammzellen-Spender können der „Blutwäsche“ vertrauen

Über 6.000 Menschen spendeten am Dresdner Uniklinikum bereits periphere Blutstammzellen für Leukämie-Patienten.

Die Entnahme von Stammzellen durch Apherese – umgangssprachlich auch Blutwäsche genannt – ist für Spender sehr gut verträglich. Das bestätigt eine Langzeitstudie der Medizinischen Klinik und Poliklinik I des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden, die in der renommierten US-amerikanischen Fachzeitschrift Blood veröffentlicht wurde. Die Dresdner Wissenschaftler hatten dazu knapp 4.000 Spender über einen mehrjährigen Zeitraum beobachtet, um die langfristige Verträglichkeit dieses Verfahrens zu prüfen.

Das Ärzteteam um Dr. Kristina Hölig und Klinikdirektor Prof. Gerhard Ehninger leistet bereits seit Mitte der 90er Jahre Pionierarbeit im Bereich der Blutstammzellspende. Inzwischen ist das Dresdner Apheresezentrum weltweit führend bei der Betreuung Blutstammzellspender – bisher wurden in Dresden über 6.000 Mal diese lebensrettenden Zellen gespendet. Die Daten der Studie fanden weltweit große Beachtung: In einem Leitartikel der renommierten Fachzeitschrift Blood (2009 114: 3721-3722- http://bloodjournal. hematologylibrary.org) bezeichnet Paolo Anderlini von der Universität Texas in Houston das Dresdner Apheresezentrum als „einzigartig“ in seiner Größe und Erfahrung. Der international anerkannte Experte und Pionier auf dem Gebiet der Blutstammzellspende beglückwünschte die Experten des Uniklinikums zu diesen „beeindruckenden Ergebnissen“. Dank des in Dresden mit entwickelten Verfahrens lässt sich in der Regel an nur einem Tag eine für die Spende sehr gute Menge von Blutstammzellen entnehmen. „Mit der Studie ist es uns gelungen, wichtige Erkenntnisse zur Sicherheit der Blutstammzellspende zu gewinnen und wir können so neue Standards setzen“, sagt Prof. Gerhard Ehninger. Er hoffe, mit den neuen Ergebnissen Bedenken zur Sicherheit und Verträglichkeit dieses Spendeverfahrens zu entkräften, die sowohl in der medizinischen Fachwelt als auch in der Bevölkerung oft noch bestehen würden.

Die Transplantation von Blutstammzellen gesunder Spender ist für viele Patienten mit Leukämien und anderen lebensbedrohlichen Erkrankungen der Blutbildung oder des Immunsystems eine lebensrettende Therapie. Neben der Knochenmarkspende ist die Entnahme von peripheren Blutstammzellen nach Gabe des Wachstumsfaktors G-CSF – er regt die Bildung weißer Blutzellen an – ein weltweit anerkanntes Therapieverfahren. Um Aussagen zur langfristigen Verträglichkeit der Blutstammzellspende treffen zu können, erfasste das Dresdner Ärzteteam gemeinsam mit der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) alle wesentlichen Daten zur Spende und zur Nachbeobachtung der gesunden Spender.

Die in der Fachzeitschrift Blood (2009 114: 3757-3763) veröffentlichten Ergebnisse zur Effizienz und Verträglichkeit der peripheren Blutstammzellspende bei 3.928 unverwandten Spendern liefert den Beleg für die sehr gute Verträglichkeit des Verfahrens: So traten während der Vorbehandlung mit G-CSF keine schwerwiegenden Nebenwirkungen auf, die zu einer Krankenhausaufnahme geführt hätten. Bei der überwiegenden Mehrzahl war die Gewinnung der Stammzellen über Venen der Ellenbeuge beziehungsweise des Unterarms durchführbar, nur in 0,6 Prozent der Spender war ein zentraler Venenkatheter erforderlich. Im Nachgang der Stammzellentnahme berichtete die Mehrheit der Spender über ein unverändert gutes bis sehr gutes Allgemeinbefinden. Auch in der langjährigen medizinischen Nachbeobachtung wurden im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung keine zusätzlichen Erkrankungen beobachtet. „Die Sicherheit und Zufriedenheit der Spender steht weiterhin im Mittelpunkt unserer Arbeit“, betont Prof. Ehninger. Sein Team sei dem Wohle dieser Menschen verpflichtet, die durch ihre große Hilfsbereitschaft weltweit vielen Patienten die Chance auf Heilung geben würden, so der Klinikdirektor weiter. 

Quelle: Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden

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