Stanislaw Tillich überreicht Bundesverdienstorden

Ministerpräsident Stanislaw Tillich überreicht am Montag in Dresden in der Sächsischen Staatskanzlei acht sächsischen Bürgerinnen und Bürgern den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland. +++

Mit dieser Auszeichnung ehrt der Bundespräsident Menschen, die sich in Politik, Wirtschaft, Kultur, für Soziales, die Gesellschaft oder im Ehrenamt in herausragendem Maße engagiert haben.

Folgende Personen werden mit der Auszeichnung geehrt werden:

Prof. Dr. med. Detlef Brock, Leipzig

Unermüdlich und kontinuierlich setzt sich Detlef Brock für die medizinische Betreuung und Versorgung von notleidenden Kindern auf unserem Kontinent ein. Höchste Anerkennung verdienen dabei seine Mitmenschlichkeit, sein Mitgefühl sowie seine überaus große Einsatzbereitschaft, die nicht selten mit hohen persönlichen Risiken und Gefahren verbunden sind. Detlef Brock leistet seit über zwei Jahrzehnten medizinische und humanitäre Kinderhilfe in Krisengebieten und Entwicklungsländern. Er setzt sich zudem für die Sport- und Rettungsmedizin ein. Neben seiner beruflichen Tätigkeit als Professor für Kinder- und Jugendsportmedizin an der SRH Fachhochschule für Gesundheit in Gera ist er auch Gründungsmitglied der Arbeitsgruppe Kinder- und Jugendsportmedizin des Landessportbundes Sachsen. Seit 1995 reist er in Entwicklungsländer sowie Kriegs- und Krisengebiete. Dort verbringt Detlef Brock seine Urlaube damit, kranke und verletzte Kinder, denen es an grundlegender medizinischer Versorgung mangelt, zu behandeln. Seine Einsätze führten ihn unter anderem nach Pakistan, Ruanda, Palästina und Afghanistan. Vor Ort operierte er und begleitete schwer verletzte Kinder nach Deutschland. Beteiligt war Detlef Brock auch am Aufbau eines Krankenhauses in Sansibar. Seit dem Jahr 1996 reist er in Begleitung eines kleinen OP-Teams, bestehend aus Kinderchirurgen, OP- und Anästhesieschwestern sowie Medizinstudenten, in den Norden Brasiliens, wo er vier Wochen lang Operationen durchgeführt und kranke Menschen behandelt. Im Swasiland unterstützt er die Errichtung des Kinderdorfes Bulembu. Detlef Brock ist Mitglied im Verein „Hammer Forum e.V.“, der Kinder in und aus Krisengebieten medizinisch versorgt.

Werner Dölz, Taucha

Zu Beginn der neunziger Jahre betrieb Werner Dölz mit großem Einsatz die Wiederbegründung der Bürger-Schützengesellschaft 1857 Taucha e. V., dessen langjähriger Oberschützenmeister er ist. Seit 1995 ist er zudem Oberschützenmeister des Sächsischen Schützenbundes e.V. Er konzipierte und organisierte den Aufbau demokratischer Sportstrukturen nach den Wendejahren 1989/90 in seinem Verein. Vor dem Hintergrund des Verbots von Schützenvereinen in der ehemaligen DDR kommt seinem Engagement eine ganz besondere Bedeutung zu. Mit Leidenschaft unterstützte er die Errichtung einer neuen, modernen Vereinssportstätte, die im Jahr 2005 nach ökologischen Gesichtspunkten errichtet wurde. Seither wird sie für das Training und den nationalen wie internationalen Wettkampfbetrieb genutzt. Die Schießstätte ist unterirdisch angelegt und wird als eine der modernsten Europas bezeichnet. Sie wurde mit einem Naturlehrpfad, der das umweltfreundliche Konzept der Sportstätte betont, ergänzt. Die aufwändige Organisation und Durchführung des Neubaus dieser modernen Sportanlage konnte in erster Linie aufgrund des hohen persönlichen Einsatzes von Werner Dölz errichtet werden. Er wusste nicht nur die Vereinsmitglieder für eine neue Schießanlage zu begeistern, sondern organisierte ebenso Fördermittel und Kontakte zu Sponsoren. Neben seiner Funktion als Erster Vorsitzender des Vereins ist er auch als Ausbilder für die Waffensachkundeprüfungen und die Jugendarbeit des Vereins zuständig. Werner Dölz ist zudem ein wichtiger Partner im örtlichen Sportgeschehen und kooperiert mit den unterschiedlichen Vereinen und der Polizei bei sportlichen Veranstaltungen in der Region. Seine gute Vernetzung in die regionale Vereinskultur sowie sein sozialer, kultureller, sportlicher und ökologischer Einsatz sind ehrenswert.

Peter Kahn, Großschirma OT Siebenlehn

Es stellt eine besondere Lebensleistung dar, sich, wie Peter Kahn, seit fast sechs Jahrzehnten im sportlichen Bereich ehrenamtlich zu engagieren. Als Mitbegründer, Sportler und Trainer der Sektion Schach in der früheren BSG Fortschritt Siebenlehn übernahm er mehr als 45 Jahre lang auch deren Leitung. Dem einstigen Lehrer war neben seinem beruflichen und eigenem sportlichen Wirken die außerschulische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen ein besonders wichtiges Anliegen. So ist er neben seinem Beruf als Lehrer bis heute ein überaus erfolgreicher Übungsleiter im Schach. Damit verbunden war die Sichtung, Förderung und Ausbildung von Talenten, die er mehrfach zu Kreis-, Bezirks- und Sachsenmeistertiteln führen konnte. Über fünf Jahrzehnte hinweg ist Peter Kahn auch als Mannschaftsleiter der 1. Mannschaft in Siebenlehn tätig. Im Kreisfachausschuss Schach des Landkreises Freiberg betätigt er sich als Lektor für die Aus- und Weiterbildung von Übungsleitern. Darüber hinaus trug und trägt Peter Kahn mit seiner Teilnahme an internationalen Fernschachwettkämpfen zur Verständigung zwischen den Völkern bei. Dies war in den Zeiten der DDR nicht selten mit Komplikationen verbunden. Seine Leistungen als langjähriger Pädagoge in- und außerhalb der Schule in Siebenlehn wirkten dennoch stets motivierend.

Prof. Dr. Ingo Kolboom, Dresden

Sein außerordentliches Engagement um die deutsch-französischen Beziehungen, insbesondere der wissenschaftlichen Arbeit und Lehre, verdienen hohe Anerkennung. In zahlreichen Aufgaben- und Handlungsfeldern vermittelt und fördert Ingo Kolboom die interkulturellen Beziehungen zwischen Deutschland, Frankreich und dem französischsprachigen Kanada. Seine Aktivitäten beziehen sich insbesondere auf die deutsch-französischen Beziehungen und Frankreich-Studien. Seine Wirkungsfelder umfassen die damit verbundene Öffentlichkeitsarbeit, transnationale Mittlertätigkeit und die Leitung der Arbeitsstelle Frankreich/deutsch-französische Beziehungen sowie die Organisation von außenpolitischen Vorträgen und Konferenzen. Ingo Kolboom avancierte zum Deutschlandexperten für frankophone Spezialisten und Medienvertreter. Im März 1994 wurde Ingo Kolboom zum Professor für Frankreichstudien und Frankophonie am Institut für Romanistik an der Fakultät Sprach- und Literaturwissenschaften der Technischen Universität Dresden berufen. Noch im selben Jahr gründete er das Zentrum für franko-amerikanische Forschungen Québec-Sachsen, dessen Direktor und Geschäftsführer er als emeritierter Professor auch heute noch ist. Sein engagiertes Wirken spiegelt seine Leidenschaft und Begeisterung für die frankophonen Länder wider. Ziel dieses Wirkens ist die Vermittlung sprachlicher, fachlicher und interkultureller Kompetenzen als Grundlage für erfolgreiche zwischenstaatliche Partnerschaften und eine Vernetzung zwischen Lehre und Praxis.

Karl-Heinz Lötzsch, Dresden

Der zeitgeschichtliche Kontext, in dem der 1925 geborene Karl-Heinz Lötzsch aufwuchs, prägten sein Leben wie auch seine Werte- und Glaubensvorstellungen. Im Mittelpunkt seiner ehrenamtlichen Aktivitäten stand und steht stets die Vermittlung von Toleranz und Menschlichkeit, ungeachtet der Herkunft und Konfession des Einzelnen. In der Zeit der damaligen DDR lebte er seine christliche Überzeugung. Als Designer gestaltete Karl-Heinz Lötzsch die Kirchennachrichtenblätter der Annenkirche zu Dresden. Er  übernahm für die Ausstellung „Juden in Sachsen – Ihr Leben und Leiden“ die grafische Gestaltung und Ausführung von 25 Tafeln. Für deren Präsentation in der Hof- und Kreuzkirche von Dresden erarbeitete er die Ausstellungsbroschüre „Juden in Sachsen“. Um das Werk einer breiten Öffentlichkeit zeigen zu können, wurde es von ihm zu einer Wanderausstellung konzipiert. Als Mitglied des „Dresdner Arbeitskreises Begegnung mit dem Judentum“ gestaltete Karl-Heinz Lötzsch die Plakate für Veranstaltungen und Vorträge. Gegen das Vergessen und zur Erinnerung an die ermordeten Dresdner Juden schuf der Verein Gedenktafeln, deren Gestaltung von Karl-Heinz Lötzsch ausging. Im „Förderverein Bau der Synagoge Dresden e.V.“ übernahm er als Vorstandsmitglied sämtliche grafische Arbeiten, die den Verein nach außen repräsentieren. Doch nicht nur die ideelle, religiöse Komponente seines Wirkens bedarf der Anerkennung. Auch seinem unermüdlicher Einsatz für den Verein „Künstler gegen Krebs“ gebührt Hochachtung.

Bischof a. D. Joachim Reinelt, Dresden

Christsein ist eine öffentliche Angelegenheit. Darum war Joachim Reinelt die sozialkaritative Arbeit und die Öffnung der Kirche zur Gesellschaft hin Zeit seines Wirkens ein wichtiges Anliegen. Nach Stationen als Pfarrer war er seit 1986 Diözesancaritasdirektor des Bistums Dresden-Meißen, zuständig für die karitativen Einrichtungen des Bistums und damit insbesondere für alte und behinderte Menschen, die vom SED-Staat vernachlässigt wurden. Seit 1988 Bischof, suchte er die Zusammenarbeit mit der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche und beteiligte sich an der Ökumenischen Versammlung für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung. Während der Friedlichen Revolution war er Anwalt der Demonstranten und eine Stimme der Vernunft. In der Aufbruchszeit nach 1990 widmete er sich mit großem Engagement der Neuordnung des Verhältnisses zwischen Kirche und Staat, das seither von partnerschaftlicher Zusammenarbeit geprägt ist. Über seine Kirche hinaus, die sich in Sachsen in einer Diaspora-Situation befindet, erwarb Joachim Reinelt sich den Ruf, ein sozial und politisch engagierter Mitbürger zu sein, der aus einem unerschütterlichen  Glauben und klarer Werteorientierung heraus gesellschaftlich aktiv wird. Sein Wirken fand auch überregional Beachtung durch den Deutschen Katholikentag 1994 in Dresden, die Seligsprechung des sorbischen Priesters Alojs Andritzki 2011 und seine aktive  Mitarbeit in der Deutschen Bischofskonferenz. Er betrieb die offensive Aufarbeitung der jüngeren Geschichte des Bistums und die Entschädigung der vom Bistum beschäftigten Zwangs- und Fremdarbeiter in der NS-Zeit. Er setzte sich für eine umfassende Aussöhnung mit den Opfern des NS-Regimes ein und führte stets einen offenen Dialog mit Vertretern anderer religiöser und ideologischer Überzeugungen.

Dr. Peter Seifert, Chemnitz

Mit seiner langjährigen, strategisch orientierten, pragmatischen und zugleich bürger- und wirtschaftsnahen Arbeitsweise hat sich der einstige Oberbürgermeister der Stadt Chemnitz für die Menschen und den Wissenschaftsstandort eingesetzt. Neben seinen beruflichen Aufgaben engagierte sich Peter Seifert ehrenamtlich für eine ausgewogene Kooperation seiner Stadt mit der Technischen Universität Chemnitz. Seit 1994 ist er Mitglied und seit 2007 Vorsitzender des Vorstandes der Gesellschaft der Freunde der TU Chemnitz. In dieser Funktion brachte und bringt er sich hoch motiviert für die Belange der Universität gegenüber Wirtschaft, Kultur und Politik ein. Daraus folgend ist eine enge Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Praxis entstanden. In diesem Kontext sind auch seine großen Verdienste bei der Etablierung der Stiftung TU Chemnitz im Februar 2009 zu nennen. Dank seines Wirkens konnte der strukturelle Wandel des Industrie- und Wissenschaftsstandortes Chemnitz so gelungen bewältigt werden. Sein Einsatz galt im besonderen Maße der Erhaltung der industriellen Kernkompetenzen der Region. So engagierte er sich insbesondere für Ansiedlungen in den Bereichen Maschinen- und Automobilbau sowie Elektrotechnik. Die strategisch angelegte Verkehrsplanung und Gewerbeflächenentwicklung in der Stadt Chemnitz geht auf sein großes kommunalpolitisches Verständnis zurück. Sein Wirken hat ganz maßgeblich zur positiven Entwicklung der Stadt und der Region beigetragen. Die Unterstützung und Förderung des Breiten- und Spitzensports als Präsident des Chemnitzer Leichtathletikclubs und Mitglied des Chemnitzer Fußballclubs runden sein einzigartiges Wirken ab.

Ursula Weißpflog, Freiberg

Die Ingenieurin für Laboratoriumstechnik engagiert sich seit 30 Jahren ehrenamtlich für die Volkssolidarität. Mit ihrer langjährigen und zuverlässigen Betreuungsarbeit gibt sie vielen Seniorinnen und Senioren ihrer Heimatstadt einen Ort der Hilfeleistung und Geborgenheit. Darüber hinaus wirkt Ursula Weißpflog ehrenamtlich als Bezirksleiterin der kirchlichen Frauenarbeit. Aufopferungsvoll organisiert sie Veranstaltungen, wie beispielsweise den Weltgebetstag, den „Sonntag Rogate“ und Bildungsfahrten. Besonders intensiv widmet sich Ursula Weißpflog der Ausbildung von Gruppenleiterinnen in der kirchlichen Frauenarbeit. Sie veranstaltet regelmäßig Schulungsprogramme in den einzelnen Kirchgemeinden, in denen sie die Methodik und Zielstellungen der Frauenarbeit vermittelt. Dank des unermüdlichen Einsatzes von Ursula Weißpflog ist im Kirchbezirk Freiberg die Anzahl der Frauenkreise höher als die der Kirchgemeinden. Nach der Friedlichen Revolution weitete sie ihre engagierte Frauenarbeit auch nach Westdeutschland aus. Zwischen dem Kirchbezirk Land Hadeln in Niedersachsen und der Ephorie Freiberg hat sich eine vertrauensvolle Partnerschaft entwickelt, die beispielhaft ist. Der Austausch der unterschiedlichen Lebenserfahrungen der Frauen in Ost und West nimmt dabei einen besonderen Stellenwert ein. Das Gemeindeleben im ländlichen Raum wird von einem solchen sozialen Engagement, wie es Ursula Weißpflog praktiziert, getragen und gestärkt.

Hintergrundinformationen:
Für den Bundesverdienstorden kann jeder Bürger Personen vorschlagen, die diese Ehrung erhalten sollten. Nach Abschluss eines sogenannten Ordensprüfungsverfahrens in der Staatskanzlei übergibt der Ministerpräsident des Landes, in dem der Auszuzeichnende lebt, eine Vorschlagsliste an das Bundespräsidialamt. Der Bundespräsident stützt seine Entscheidung grundsätzlich auf die Prüfungsergebnisse und Anträge der Länder und nimmt Ordensverleihungen nur im Konsens mit ihnen vor. Neben den Ministerpräsidenten können der Außenminister für Ausländer oder Deutsche mit Wohnsitz im Ausland sowie der jeweilige Bundesminister für seine Bediensteten dem Bundespräsidenten formelle Ordensvorschläge unterbreiten.

Seit seiner Stiftung im Jahre 1951 wurde der Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland über 243.000 Mal verliehen. Darunter sind mehr als 600 sächsische Ordensträger. Am 15. Oktober kommen weitere acht hinzu.

Quelle: Sächsische Staatskanzlei

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